Start Kommentare Hofgeflüster Odyssee zum Irish Pub

Odyssee zum Irish Pub

Es waren einmal vier Freunde, die aus einem nahen Dorf der Stadt Jülich die Reise wagen wollten, um ein kühles Guiness im Pub zu genießen. An diesem Abend wollten sie die Anfahrt vom Dorfplatz aus mit den neuen E-Scootern wagen. Auch, damit das Auto mal zuhause bleiben kann. Was sie da noch nicht wussten: Die Fahrt würde zwei Stunden dauern und ein Vielfaches einer Taxifahrt kosten. Lustig war es trotzdem.

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Die Aufbruchsstimmung am Samstagabend ist einer der besten Momente der Woche. Etwas später als sonst, kurz nach 20 Uhr, brachen die Freunde zum zehnminütigen Fußmarsch zur nächsten E-Scooter-Basis auf. Aus der Ferne die Freude, dass tatsächlich genug Fahrzeuge dort geparkt sind. Zwei Minuten später aus der Nähe die Ernüchterung – nur eines der Dinger hat noch Akku. Schnelle Lagebesprechung und Sichtung der Karte. Es ist der Beginn einer Schnitzeljagd. 19 Cent kostet einer der Scooter in der Minute. Um die 20 Minuten sind es zu Fuß bis zur nächsten Basis. Da sie nicht zu viert auf den Roller passen und man bei der nächsten Basis auf genügend Fahrzeuge hofft, lassen sie das übriggebliebene Vehikel stehen.

Auf dem Rurdamm steht der nächste E-Scooter. Wieder ein einzelner. Es ist zwanzig vor neun. Einer der Freunde klagt Hunger und rennt vor, um sich das Ding zu sichern. Schnell ist der Code gescannt. Die Fahrt geht los. Kurz ist man enttäuscht, weil das Ding so schwerfällig geht. Dann gibt es fast einen Unfall, weil der kleine Gashebel direkt komplett durchgedrückt wird. Die beiden Senioren, die gerade ihren Abendspaziergang abhalten, finden die Beobachtung lustig. Die anderen Freunde auch. Ein erster Test: 20 Kilometer pro Stunde macht das Ding. Das finden die Senioren weniger witzig. Auf der Vogelstange wird der nächste Roller gefunden. Bei einem Freund hat das Handy kaum Internetempfang und Scooter lässt sich nicht entsperren. Der andere nimmt das Gefährt. Der ohne Internet muss zu Fuß weiter. Es ist ein bisschen zum Verzweifeln.

E-Scooter unter Wäschespinne geparkt. Foto: privat
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Die Schnitzjagd führt ins Heckfeld. 15 Minuten bis zum Kreis auf der Karte, der den nächsten Roller anzeigt. Die zwei fahren jetzt Schleife, weil der Rest zu Fuß so langsam ist. Eine Frau mit Hund schaut das Quartett böse an, so als würde man beabsichtigen, die Trethupe mit den Minireifen des Rollers bei nächster Gelegenheit plattzufahren. Will man natürlich nicht. Beim Kreis angekommen, das nächste Ärgernis. Der Scooter steht unter einer Wäschespinne. Der Zaun ist dazwischen. Man überlegt kurz, ob sich der Einbruch lohnen würde, man macht sich aber dann doch zum nächsten Kreis auf. Der eine Freund hat immer noch Hunger. Man bespricht, wann wohl die Küchen der Restaurants schließen. Fünf Minuten weiter ist der nächste Roller gefunden. Das Internetproblem besteht immer noch. Aber die Lösung ist schnell gefunden: Ein Hotspot wird eingeschaltet. Lustig zu beobachten ist nun, dass der Dritte in der Runde jetzt immer in der Nähe des zweiten Fahrers bleiben muss, weil sonst die Verbindung abbricht und der Roller sodann die Fahrt beendet. Das ist von außen betrachtet und zur allgemeinen Belustigung übrigens daran zu erkennen, dass der Scooter immer langsamer wird und – trotz der frustrierten Betätigung des Gashebels – schließlich stehen bleibt.

Dann endlich! In der Friedrich-Ebert-Straße steht ein vierter Roller. Die Uhr zeigt halb 10. Der mittlerweile Verhungernde fährt vor und sichert in der menschenleeren Straße den Scooter vor weiteren Interessenten. Nach einem kurzen Ärger mit dem Bezahlsystem – dieser Scooter mag PayPal dann doch nicht – ertönt der Piepston zum Beginn der Fahrt. Jetzt geht es eigentlich recht schnell, obwohl die erste Fahrt dann doch etwas Gewöhnung braucht. Jedes Schlagloch, jeder Ast, jeder Gullideckel fällt nun auf.

Im Nordviertel sind die Scooter vor der Saleskirche platziert. Foto: Dorothée Schenk

Auf Höhe des Krankenhauses wird der Dritte dann wieder langsamer, diesmal nicht wegen des Internets, sondern, weil der Akku den Geist aufgegeben hat. Glücklicherweise steht ein weiterer Scooter wie geplant parat. Nur noch ein paar Meter, am Pub vorbei, ist die nächste Basis. Die Roller werden abgestellt, nur das Beenden der Fahrt geht bei einem nicht, da der Standort des Rollers auf dem Handy des Vierten in einer Nicht-Parken-Zone steckengeblieben ist. Nach einem Neustart der App geht das schließlich auch. Die Freunde sind fertig und das Bier ist wohlverdient.

Der erste Freund hat über 25 Euro auf dem Tacho, die beiden anderen sind es um die 10 und der vierte, weil aus irgendeinem Grund beim Buchen des Rollers eine Gutschrift aufgetaucht ist, 2,30 Euro. Nach dem zweiten Getränk will das Team des Pubs in den verdienten Feierabend. Die Freunde rufen ein Taxi, welches übrigens mit zehn Euro für alle vier zu Buche schlagen wird.

Fazit: Eher für eine spontane Solofahrt absolut brauchbar. In der Gruppe außerhalb der Innenstadt wohl eher weniger zu gebrauchen, ob es viel zu Lachen gab und kleine Krisen dann doch zusammenschweißen.


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