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Die Gesetze des Drängelns entschlüsseln

Mit der Hilfe von mehreren Hundert Menschen testet ein Expertenteam des Forschungszentrums Jülich und der Bergischen Universität Wuppertal über drei Tage hinweg, wie sich Kräfte und Informationen in dicht gedrängten Menschenmengen fortpflanzen. Bei den noch bis heute laufenden Experimenten kommen spezielle Anzüge zum Einsatz, die über Sensoren Bewegungen des gesamten Körpers erfassen. Die Versuche sind Teil des Forschungsprojekts CrowdDNA und sollen dazu beitragen, die Sicherheit an überfüllten öffentlichen Orten und auf Massenveranstaltungen zu erhöhen.

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Drängel-Experiment im Projekt CrowdDNA Foto: CrowdDNA-Projekt
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Unvermutetes Schubsen kann sich schnell zu einem echten Sicherheitsrisiko auswachsen. Gefährlich werden kann es besonders dann, wenn Menschen dicht an dicht stehen, beispielsweise bei großen Events oder wenn sich Menschenmassen auf öffentlichen Plätzen tummeln. Mit dem EU-geförderten Forschungsprojekt CrowdDNA gehen Expert:innen des Forschungszentrums Jülich und der Bergischen Universität Wuppertal den vorherrschenden Kräften sowie maßgeblichen psychologischen Faktoren in einer solchen Menschenmenge auf den Grund. Gemeinsam mit Projektpartner:innen aus Frankreich, Spanien und Deutschland haben sie dazu unterschiedliche Experimente für mehrere Hundert Proband:innen an der Bergischen Universität Wuppertal vorbereitet.

Die Versuchsteilnehmer:innen müssen sich beispielsweise in Gruppen durch einen Einlass zwängen, sind plötzlichen Schubsern beim Schlangestehen ausgesetzt oder treffen in verschiedenen Konstellationen aufeinander. Die Forscher:innen wollen so einen tiefen Einblick in die physikalischen Kräfte gewinnen, die auf die Proband:innen wirken. Und sie wollen neue Erkenntnisse über die Ausbreitung von Informationen inmitten einer Menschenmenge erlangen, wie Menschen untereinander kommunizieren, in welche Richtung sie Informationen weitergegeben. Videoanalysen und spezielle Monturen zur Bewegungsmessung, Xsens-3D-Motion-Tracking-Anzüge, liefern dabei umfangreiche Daten, um ein hochaufgelöstes Bild des dynamischen Geschehens zu erfassen: Welche Körperstellen kommen in Kontakt? Wie breiten sich Schubser in einer Menge aus? Und wie wirken sich die Stärke des Stoßes, die Anordnung der Proband:innen und der Abstand zwischen den Personen auf das Körpergleichgewicht und damit auf das Sturzrisiko aus?

Experiment im Projekt CrowdDNA zur Weitergabe von Schubsern. Foto:
CrowdDNA-Projekt
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„Die Experimente sollen dazu beitragen, auf einer ganz grundlegenden Ebene das physikalische Verständnis der Dynamik von Menschenmengen zu verbessern“, erklärt Versuchsleiter Prof. Armin Seyfried vom Forschungszentrum Jülich und der Bergischen Universität Wuppertal. „Ziel ist es letztlich, ein skalenübergreifendes Verständnis zu erlangen, um aus leicht messbaren Größen wie der Bewegungsgeschwindigkeit oder Personendichte auf die vorherrschenden Kräfteverhältnisse und mögliche Gefahren für den Einzelnen rückschließen zu können.“

Die Erkenntnisse sollen den Grundstein legen für eine neue Generation von Crowd-Analyse- und Simulationssystemen, die weniger auf Erfahrungswerten basieren und die Dynamik von Menschenmengen anhand wissenschaftlich fundierter Merkmale präzise vorhersagen können. Im CrowdDNA-Projekt arbeiten dazu Expertinnen und Experten aus der Physik, Psychologie, Informatik und des maschinellen Lernens eng mit Unternehmen aus den Bereichen der Crowd-Simulation und des Crowd-Managements zusammen.


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