Start Magazin Geschichte/n Jülichs Zerstörung nicht “schicksalhaft”

Jülichs Zerstörung nicht “schicksalhaft”

Ein sichtlich bewegter Bürgermeister Axel Fuchs trat heute am Mahnmal zur Zerstörung Jülichs am 16. November 1944 an das Mikrophon. Er erinnerte an die Kriegsentscheidung der Alliierten am 30. Oktober 1944, die Operation "Queen", die besagte, dass die Städte Jülich und Düren als Verbindungszentren "ausgeschaltet" werden sollten. "Damit fiel der von Deutschland ausgerufene ,totale Krieg' im Wortsinne auf die beiden Städte an der Rur zurück." Als einen Endzeitlichen Einschnitt beschrieb Fuchs das Inferno. "Unsere Städte wurden buchstäblich aus der Welt gebombt."

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Mahnmal zum Gedenken an die Zerstörung Jülichs am 16. November 1944. Foto: Dorothée Schenk
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Das unvorstellbare Leid, das mit dieser Erfahrung verbunden sei, hätte jahrelang eine sachliche Auseinandersetzung überdeckt. Diese „Apokalypse“, wie Axel Fuchs das Bombardement nannte, sei von den Alliierten aus dem Gedanken der Befreiung Deutschlands geschehen, in der Erkenntnis, dass Deutschland die “Welt den totalitären Allmachtsansprüchen Hitlers unterwerfen wollte.” Fuchs ließ keinen Zweifel aufkommen: „Die nationalsozialistische Weltanschauung und der hierdurch provozierte Weltkrieg mit seinen mörderischen Rassenhass zurückzuführende Folgen muss immer im Fokus bleiben.“ Die Zerstörung der Städte Jülich und Düren sei nicht „schicksalhaft“, sondern Konsequenz der verbrecherischen Politik des Nationalsozialismus. Axel Fuchs mahnte, dass die Menschen sich die Mechanismen bewusst machen müssten, die zur einem totalitären System wie dem Nationalsozialismus führen können. „Das ist eine gewaltige Aufgabe.“

Und diese ist in der Gegenwart zu lösen und zwar nicht mit einem rückwärts gewandten Blick. Axel Fuchs zitierte Bundespräsident Walter Steinmeier: „Die Gefahren von gestern sind nicht die Gefahren von heute. Wer immer nur vor der Wiederkehr des Gleichen warnt, droht neue Herausforderungen aus den Augen zu verlieren. Aber: Erinnerung kann den Blick schärfen für neue Anfechtungen. Und die gibt es gewiss.“ In seiner Beschreibung des Status Quo in unserem Land führte Fuchs die Aggression und abnehmende Toleranz gegenüber Andersdenkenden an, die sich in den sozialen Medien in einer Verrohung des Sprachgebrauchs äußere, in körperlichen Übergriffen auf Juden, der zuletzt im terroristischen Angriff auf die Synagoge in Halle gipfelte.

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Schnell machte er deutlich: „Halle“ ist auch hier in Jülich. Man solle sich nicht der Illusion hingeben, dass man auf der „Insel der Glückseligen“ lebe. „Schockiert“ sei er über Kommentare in den sozialen Netzwerken, nachdem der Vorsitzende der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen den Angehörigen der Toten und der jüdischen Gemeinde nach dem terroristischen Akt in Halle kondolierte hätten. Zum Teil mit Klarnamen kommentierten Menschen „mit einer offensichtlichen Beziehung zu Jülich“ „Da sind doch keine Juden gestorben… waren doch nur Deutsche“, oder über die Pogromnacht „Das waren die Juden doch selbst schuld, weil der Jude in Paris den Attache erschossen hat“ außerdem werde ein Buch empfohlen, in dem der Holocaust geleugnet werde. „Das ist auch Jülich im Jahre 2019.“

Das persönliche Verhalten müsse zum Erhalt der Demokratie beitragen, „damit niemals wieder ein politischen System in Deutschland und Europa Fuß fasst, das in einen Krieg führt.“ Die europäische Einigung sei der Garant für eine dauerhafte Friedenslösung.

Eine Vielzahl an Jülichern war zu der Gedenkminute auf den Schlossplatz gekommen. „In den letzten vier Jahren waren noch nie so viele hier.“ Ein gutes Zeichen, das die Bürger gemeinsam setzten würden, sagte Bürgermeister Axel Fuchs.

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