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Ausgezeichnete Botschafter für Jülich

Emotionen, Zukunftsaussichten und offene Kritik: Der (Neu)Jahresempfang des Stadtmarketings, der pandemiebedingt in den April verlegt wurde, hatte viel zu bieten. Verfolgt wurden die Reden und Preisverleihungen von einem Plenum voller bekannter Gesichter der Herzogstadt.

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Der Stadtmarketing-Preis 2022 wurde Maria und Juan Fernandez verliehen. Foto: Arne Schenk
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Der Jahresempfang des Vereins Stadtmarketing, zu dem traditionell mit dem Bürgermeister eingeladen wird, ist zugleich Rückblick, feierliche Bestandsaufnahme und ein perspektivischer Austausch. Der Vorsitzende des Stadtmarketings, Wolfgang Hommel, erinnerte zu Beginn der Veranstaltung zunächst an die Preisträger der vergangenen Jahre. Im Besonderen an die Preisträger 2021: Peter Schmitz, welcher für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde und den Jazzclub Jülich, vertreten von dem Vorsitzenden Reinhold Wagner. Im letzten Jahr in der Schlosskapelle im Kreis von sechs Personen überreicht, ertönte der Applaus durch die Anwesenden in der Kulturmuschel nun im Nachhinein nicht weniger enthusiastisch.

Hommel eröffnete den Rückblick auf die vergangenen Jahre mit der Definition des Stadtmarketings. „Stadtmarketing heißt, man redet viel miteinander über langfristige Ziele und die Maßnahmen, die man macht.“ Langfristige Planungen seien in den letzten zwei Jahren allerdings beinahe monatlich weg- und durcheinander gemacht worden. Corona, das Hochwasser, unterschiedliche Probleme der Energieversorgung, Strukturwandel, Lieferketten und Inflation – man sei mehr und mehr von globalen Ereignissen anhängig, die ohne Vorwarnung Einfluss auf das kommunale Geschehen nähmen.

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Der Vorsitzende des Stadtmarketings äußerte im Fortlauf den Wunsch nach mehr Kommunikation und Beteiligung, auch im Hinblick auf das Integrierte Handlungskonzept (InHK). „Wir freuen uns jetzt auf das Ergebnis, was kommt. Die Innenstadt wird modernisiert und Schandflecken, wie sie leider nach der letzten Innenstadtsanierung drei oder vier Jahre später offenbar wurden, werden beseitigt.“

Besonders wichtig sei dem Stadtmarketing hierbei, was über dem Asphalt passiere, also die Dinge, die die Menschen in die Innenstadt locken. Hier richtete Hommel den Blick auf die Gewerbetreibenden. Seit 2014 hätten 90 Betriebe geschlossen, 70 seien hinzugekommen. Damit sei nicht jedes Angebot kompensiert worden. „Mein Appell heute ist: Wir müssen alles tun, um den langjährigen Betrieben die Sicherheit und Verlässlichkeit zu bieten, die die Rahmenbedingungen darstellen, um Investitionen zu treffen, um dazubleiben“, Hommel weiter. Wichtig sei hier, dass man sich informiere, zuhöre. „In dem Zusammenhang sind wir sehr froh, dass es die Hoffnung gibt, dass wir demnächst einen City-Manager haben, der sich darum professionell kümmert.“

Bürgermeister Axel Fuchs schlug in seinem Grußwort in dieselbe Kerbe: „Stadtmarketing ist ein Begriff, über den es ganze Abhandlungen gibt, aber wie immer in Jülich machen wir alles anders und vor allem sehr freundschaftlich und kooperativ.“ Er betonte die tolle Kooperation und den Austausch mit dem Stadtmarketing Verein. „Zum Verhältnis zur Stadtverwaltung und zum Bürgermeister gehört es nicht, dass man immer einer Meinung ist. Der Stadtmarketing e. V. darf seine eigenen Ideen haben und eigene Positionen bekunden und das hat er auch gemacht in der Vergangenheit, denken Sie an die Gestaltung des Marktplatzes, es war eine transparente Diskussion. Es ist eben anderes gekommen, als Vertreter aus dem Stadtmarketing e.V. es sich gewünscht hätten. Das ist Demokratie, aber auch es gehört dazu, dass man es zulässt, dass man verschiedene Meinungen hat. Ich denke das haben wir insgesamt gut hinbekommen.“ Das Verhältnis zwischen Stadt und Stadtmarketing, so der Bürgermeister, werde man in Zukunft noch intensivieren.

Herzogstadt im Wandel

Fuchs beleuchtete weiter die Entwicklung der Stadt, beispielsweise durch die Schaffung neuen Wohnraumes oder durch den Brainergy Park. All das zeige die Attraktivität Jülichs. Weiter bedankte der Bürgermeister sich bei den Kreistagsmitgliedern, davon einige auch im Plenum anwesend, für die positive Entscheidung für die Umbenennung des Kreises Düren in Rurkreis Düren-Jülich mit einer Mehrheit von 90 Prozent. „Ich habe heute noch ein Telefonat gehabt mit einem der Initiatoren der Gegner. Wir haben keinen Konsens finden können. Immer wird bemängelt, dass diese Umbenennung rund 30 000 Euro kosten wird. Seit heute Morgen gibt es eine Initiative, ich weiß nicht, ob Jan Schayen hier anwesend ist, dass wir diese Kosten selbst übernehmen. Die ersten 10 000 Euro haben wir schon gesammelt.“

Jülich im Herzen

Es folgte der Höhepunkt der Veranstaltung: Die Übergabe des Stadtmarketing-Preises, der in diesem Jahr an das Künstlerpaar Maria und Juan Fernandez übergeben wurde. Dorothée Schenk, Vorstandsmitglied des Stadtmarketing Vereins, hielt die Laudatio auf „die Botschafter von Jülich“. „Künstler als Ideengeber für das, was die Gesellschaft und das städtische Leben zusammenhalten, ist in Jülich ein bewährtes Modell“, sagte sie. Eng verbunden sei dies mit dem Namen Pasqualinis, der die Stadt neu gedacht habe. Das Paar arbeitet gerade an einer überlebensgroßen Statue Pasqualinis. „Es ist ein Besonderes, die städtischen Potentiale nicht nur zu sehen, sondern sie auch kreativ zu begleiten und sie auch zu formulieren. Das ist ein Anliegen, das die Beiden besonders haben“, so Schenk. Um den „Schatz Jülichs“ noch unverkennbarer zu machen, ist Maria Fernandez bereits tätig gewesen. „Maria Fernandez schenkte uns ein gut sichtbares Geschichtsbuch, nämlich die Mariensäule. Wenn man um sie herumgeht, kann man im kleinsten Rahmen Stadtgeschichte erlaufen und findet auch den Charakter der Stadt. Und der Wunsch, die Säule soll den Menschen dienen und ihnen Identität geben, der hat sich bis heute erfüllt.“ „Es ist eine große Freude und eine große Ehre für uns. Es gibt uns das Gefühl, ein Teil von Jülich zu sein. Jülich ist eine fantastische Stadt“, sagte Maria Fernandez und Juan Fernandez stimmte mit einem überzeugten „Ja!“ mit ein.

Sonderpreis für Krisenmanagement

„Aufgrund der Geschehnisse der letzten zwei Jahre haben wir uns das Recht herausgenommen, einen Sonderpreis zu vergeben. Wir waren einhellig der Meinung, wir sind gut durch die ein oder andere Krise geführt worden“, sagte Wolfgang Hommel und übergab das Mikrophon an das Vorstandsmitglied des Stadtmarketing Vereins Prof. Torsten Wagner. Dieser formulierte, dass es für eine Stadt kein besseres Marketing gebe als eine Verlässlichkeit der Sicherheitskräfte und der Stadtverwaltung in Krisenzeiten.

Er erinnerte an den Beginn der Corona-Pandemie. „Man sah: In Rekordzeit wurde etwas geschaffen, um schnell und unbürokratisch zu helfen. Von einer trägen Verwaltung, wie so oft behauptet, war nichts zu spüren, denn der Krisenstab trat in Aktion.“ Zudem erinnerte Wagner an das Hochwasser und auch an die Folgen des Krieges in der Ukraine, die von eben diesen Kräften gerade ebenfalls gemanagt wurden beziehungsweise werden. „Es gibt ein Sprichwort: Erst in der Not erkennst du deine Freunde. Für das Stadtmarketing bedeutet dies, in der Not zeigt eine Stadt ihr wahres Gesicht. Zusammenarbeit, Hilfe, Solidarität: Das ist das, was der Krisenstab vermittelte“, Wagener weiter, der deutliche Worte fand: „Es liegt in der Natur einer Katastrophe, dass diese nicht planbar ist. Es gilt, aus jeder Krise zu lernen. Diese konstruktive Selbstkritik ist der Grundpfeiler eines jeden Krisenmanagements und wer glaubt, dass das Krisenmanagement in Jülich dies nicht tut, der hat von Krisenmanagement wohl ehrlich gesagt keinerlei Ahnung. Wer immer noch glaubt, er könne es besser, den bitte ich im Laufe des Abends seine Telefonnummer dem Bürgermeister zu geben. Die nächste Krise kommt bestimmt.“

Stellvertretend für alle Organisationseinheiten der Stadt, den Rettungs- und Ordnungsdiensten, für alle Unternehmer, die helfen, wenn Hilfe gebraucht wird, galt der Sonderpreis dem Krisenstab der Stadt Jülich.

„Wenn wir keine große Krise haben, dann legen wir nicht die Beine hoch, dann machen wir unser Tagesgeschäft. Die Krisen sind viel und sie sind anstrengend, auf einem sehr hohen Stresslevel und man trifft natürlich nicht immer die richtigen Entscheidungen, aber man muss Entscheidungen treffen und immer an die Leute denken, die es betrifft. Nämlich an die Jülicher Bevölkerung“, sagte Beigeordneter Richard Schumacher in seinen Dankesworten, die er hörbar bewegt vortrug. „Die Leute, die hier stehen, repräsentieren auch wieder eine ganz große Summe von Menschen, die das getan haben. Landwirte, die gepumpt haben mit ihren Fahrzeugen oder die ganzen Ehrenamtler, die dem Aufruf gefolgt sind und die in Lich-Steinstraß zu Bürgerhalle gekommen sind. Die sich eine Weste angezogen haben und gesagt haben: ‚Ich bin hier, ich will helfen.‘“ Dies sei eine gesellschaftliche Leistung.

Wir > Ich

Die Neujahresrede wurde gehalten durch Prof. Christof Schelthoff, Prorektor der FH Aachen und dort zuständig als Jülicher für den FH Campus Jülich. Nach der Vorstellung der Fachhochschule sprach er von den Potentialen und auch von den Gefahren der Digitalisierung, um dann auf die Lehr- und Forschungslandschaft der Herzogstadt umzuschwenken: „Es ist viel in Jülich da, was eine gute Voraussetzung für die Zukunft ist, aber an ein paar Stellen können wir noch arbeiten.“ Er stellte zwei Artikel aus der Presselandschaft vor. In dem einen wurde erwähnt, wie unbekannt der Campus Jülich sei, in dem anderen wurde das größte Plus des Jülicher Standortes angepriesen: Studieren, ohne dass einer störe. „Es gibt also noch was zu tun“, resümierte Schelthoff und zeigte eine Karte auf der das Forschungszentrum, der Campus Jülich und die Innenstadt eingekreist waren und sagte: „Wir sind momentan noch ein bisschen isoliert in den einzelnen Einheiten.“ Sehen kann man das, wie Schelthoff demonstrierte, in Google Street View. Dort könne man, wie er ausführte, den Weg eines Studierenden des Campus zum Lynch’s Pub und wieder zurück sehen. Wirklich in Berührung mit der Stadt sei er allerdings hierbei nicht gekommen. Die Stadt muss folglich weiter zusammenwachsen. Abschließend schlug eine weitere Umbenennung vor: Jülich zu Jülwir.

Fotos: Arne Schenk und Mira Otto


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