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Preis-Werter Namenswechsel

Die Umbenennung des Kreises Düren in Rurkreis Düren-Jülich berührt das Grundverständnis der Menschen in vielen Facetten: Es geht ums Geld. Es geht um wirtschaftliche Interessen. Es geht um demokratische Verfahren. Es geht vor allem aber um Emotionen. Dieser Eindruck entsteht, wenn man sich faktisch und mit Abstand dem Thema nähert – unvoreingenommen, das sei direkt gesagt, ist die Autorenhaltung nicht. Ein sehr persönlicher Faktencheck.

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Nach der Ratssitzung im April unterschrieben die Anwesenden auf dem "Ortsschild". Foto: Dorothée Schenk
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Der demokratische Prozess

Am 7. Dezember wurde im Kreishaus Düren von den politisch gewählten Vertretern des Volkes die Entscheidung herbeigeführt: Die Umbenennung in Rurkreis Düren-Jülich sollte beantragt werden. 53 von 59 Mandatsträgern aller im Kreistag vertretenen Parteien haben mit „Ja” gestimmt. Anfang 2022 wurde dieser Beschluss vom Heimatministerium NRW genehmigt.
Kritische Stimmen merkten an, dass zum einen die Menschen im Kreis nicht befragt wurden – Stichwort Bürgerbeteiligung, und zum anderen hätte der Landrat zu kurzfristig und überstürzt die Entscheidung herbeigeführt.
Unser Demokratieverständnis beinhaltet schon immer, dass Entscheidungen delegiert werden. Das geschieht auf kommunaler Ebene ebenso wie auf Bundesebene: Das Volk wählt seine Vertreter im Verständnis, dass diese die besten Entscheidungen für sie treffen. Auch deshalb, weil die politischen Vertreter sich im Idealfall mit der Materie eingehender beschäftigt haben, als das im Alltag der Bürgerschaft möglich ist. Stichwort: Fehlendes Hintergrundwissen.
Zum demokratischen Prozess gehört natürlich auch die Erwiderung: Der Aldenhovener Frank Reiermann hat eine Petition gestartet, der sich über 4500 Menschen angeschlossen haben. Einer von ihm veröffentlichten Grafik zufolge stammen diese Menschen überwiegend aus dem Südkreis Düren. Legt man die Petition statistisch auf das Abstimmungsergebnis vom
7. Dezember um, wird das Votum bestätigt: 6 Prozent der Menschen im Kreis Düren halten eine Umbenennung für falsch.

Die Argumente

Zu teuer und zum falschen Zeitpunkt. Das sind die Argumente von Frank Reiermann gegen die Umbenennung.
Dem entgegen steht – Zitat aus der „Dafür-Petition” gestartet vom Jülicher Rüdiger Urban – „eine gewachsene wirtschaftliche und vor allem wissenschaftliche Stellung Jülichs international und national” sowie „die verstärkte Bedeutung der gesamten Rurschiene für Freizeit und Tourismus”. Argumentiert wird unter anderem „für Jülich” mit einer „Forschungsdichte, wie sie weltweit nur selten zu finden ist” mit internationaler Reputation gekrönt mit einem Nobelpreisträger und dem Brainergy-Park, der mit seinem Konzept für Wirtschaft und Energie „zu einem Treiber im Bereich des Strukturwandels in der Region entwickeln wird”.

Die Kosten

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Mit 30.000 Euro veranschlagt der Kreis Düren die Kosten für die Umbenennung. Ortschilder müssen nicht sofort erneuert werden. Ein Aufkleber soll bis zu einem ohnehin anfallenden Austausch auf die Umbenennung hinweisen. Neue KFZ-Kennzeichen sind nicht notwendig. Material von Kuli bis Briefpapier sollen erst dann ersetzt werden, wenn sie verbraucht sind. Angesichts der bundesweiten Aufmerksamkeit, die das Vorhaben Umbenennung in der Medienwelt erzeugt hat, ist vom Werbeeffekt gesehen die Umbenennung praktisch zum Nulltarif zu haben.

Auf Initiative des Jülicher Ratsherren Jan Schayen hat sich dazu am gestrigen Donnerstag, 28. April, eine neue Wendung gegeben, die eine Umbenennung kostenneutral für den Kreis Düren und seine Steuerzahler macht: Private Finanziers, Initiativen und Unternehmen werden die 30.000 Euro aufbringen. Bereits am ersten Tag kam nach Aussage von Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs ein Drittel der Summe zusammen.

Im Mai wird sich in einer Sondersitzung des Kreistags entscheiden, ob die Mandatsträger bei ihrem Votum für den Rurkreis Düren-Jülich bleiben. Wenn ja, kann ein Bürgerentscheid herbeigeführt werden, um diese Entscheidung zu kippen. Die Kosten für einen Bürgerentscheid belaufen sich auf mindestens 200.000 Euro. Das entspricht etwa dem Siebenfachen der Summe für eine Umbenennung. Sie entstehen durch Organisation, Personalkosten, Druck- und Versandkosten. 210.000 Briefe müssen inklusive Rückporto versandt werden. Abseits der Kosten: Erst wenn 10 Prozent der Wahlberechtigten im Kreis Düren ihre Stimme abgeben, wird der Bürgerentscheid „gewertet”. Wenn das Votum das Ziel „Nein” zur Umbenennung erreichen würde, kann der Kreistag erst nach zwei Jahren einen neuen Anlauf für einen Rurkreis Düren-Jülich nehmen.

Der Zeitpunkt

Zeit kommt bei der Umbenennung eine große Bedeutung zu. Die Region ist im Umbruch. Eine neue Marke soll gesetzt werden. Sie jetzt zu etablieren, ist angesichts des nationalen und internationalen Wettbewerbs eine Notwendigkeit. Es ist von Bedeutung, die Nase vorn zu haben beim – wie Prof. Hoffschmidt es gerne formuliert – Wettbewerb um die besten Köpfe.

Die Emotionen

Der Verdacht drängt sich auf, dass es bei dem Verfahren vor allem ums Gefühl geht. Denn ums Geld kann es nicht gehen und die Demokratie ist auch gewahrt. Die Vorteile schlagen argumentativ die Nachteile.
Die Aussage, dass ein Fehler von 1972 wiedergutgemacht werden solle, als bei der kommunalen Neugliederung Jülich den Kreistitel an Düren verlor, zieht dagegen als Argument nicht. Das ist Geschichte, nicht Zukunft. Gefühlt geht den patriotischen Jülichern aber das Herz auf, wenn der Stadtname wieder Eingang in den Kreisnamen findet. Beweis genug ist die Fülle der JÜL-Kennzeichen. Mehrere Jülicher Vereine haben sich zur Umbenennung bekannt und werben dafür. Der Stadtrat hat einstimmig eine Erklärung für den Namen Rurkreis Düren-Jülich verabschiedet. Die Jülicher sind – bis auf 0,3 Prozent, wenn man die Grafik von Frank Reiermann zugrunde legt – einfach dafür.

Eindeutige Zustimmung über alle Fraktionen hinweg. Foto: Dorothée Schenk

Der Schluss

Ein kluger Kollege rät bei der Überprüfung von Fakten stets: Dreh die Frage um! Wem schadet die Umbenennung? Das wäre also die Frage. Der neue Name würde niemandem etwas „wegnehmen”: Die Dürener behalten ihren „Titel”, die Rur verbindet von der Quelle in der Eifel bis Linnich das Kreisgebiet. Jülich darf sich wieder als Mit-Kreisstadt sehen, und wirtschaftliche und Standortinteressen werden der ganzen Region dienen.


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7 KOMMENTARE

  1. Ich hoffe das alle Kritiker diesen Bericht einmal lesen und sich dann hinterfragen, ob ihre Anti-Haltung noch Bestand hat

  2. Diese sehr persönliche Meinung mag einem Jülicher aus dem Herzen kommen, es ändert aber nichts an der Sache.

    Die Zahl der Kosten von 30000€ sind doch wohl an den Haaren herbeigezogen. Als wenn es mit dem Briefpapier getan wäre. Auch auf die Bevölkerung kommen Kosten zu, die hier tunlichst unterschlagen wurden.

    Die angesprochene Petition des Dr. Urban auf OpenPetition hat bisher 943 Unterschriften gesammelt. Die Petition des Herrn Reiermann 4.726 Unterschriften. Das im Internet. Das die Initiatoren auch 13000 Unterschriften auf Papier gesammelt haben, um überhaupt ein Begehren einzuleiten, wird auch tunlichst von der Autorin unterschlagen.

    Als Herausgeberin einer Werbezeitschrift kann ich den Artikel von Frau Schenk verstehen, den die Zeitschrift wird von Aufträgen aus der Gegend Jülich finanziert. Ein sachliches Auseinandersetzen ist der Artikel aber nicht.

  3. Man kann es drehen wie man will!
    Es gibt immer welche, die einfach nur DAGEGEN sind, egal was es ist! Gut das IHRE Meinung oben auch nur eine sehr persönliche Meinung ist.

  4. Die privaten Finanziers, Initiativen und Unternehmen könnten natürlich auch da spenden, wo Hilfe händeringend benötigt wird, zB für Ukraine-Flüchtlinge, Tierschutz, Obdachlose….nur mal so als Anregung….

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