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Dr. Peter Jöcken lebt nicht mehr

„Anderen Mut machen, selber tapfer vorausgehen, und Gott wird helfen!“ Das Zitat von Adolph Kolping nannte Pastor Dr. Peter Jöcken zu seinem goldenen Priesterjubiläum vor sechs Jahren als Leitwort seines Lebens. Am Donnerstag ist der überzeugte und überzeugende Seelsorger unerwartet im Alter von 81 Jahren gestorben.

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Dr. Peter Jöcken (1938-2020)
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Gott und den Menschen stets zugewandt, so kannten ihn die Jülicher sowie die vielen Wegbegleiter auch auf anderen Kontinenten und in anderen Religionsgemeinschaften. Im besten Sinne war er „aufsuchende Kirche“, ob als Seelsorger der Stephanusschule oder in früheren Jahren Hochschulseelsorger der Fachhochschule, an der er, der promovierte Theologe, auch Seminare gab, als Initiator des christlich-islamischen Gesprächskreises oder in Nigeria, wo er die Partnergemeinde in Umunumo, die die Weggemeinschaft Jülich-Süd seit 1999 pflegt, besuchte und dort Brunnen- und Schulbau selbst in Augenschein nahm.

Dr. Peter Jöcken pflegte die Gemeinschaft und genoss Auseinandersetzungen im besten Sinne. Ob theologisch, politisch oder gesellschaftskritisch: Diskussionen ging er nicht aus dem Weg. Immer war er klar im Wort: gegen unsoziale Politik, gegen rückwärtsgewandte Entscheidungen der Amtskirche, gegen die Entfremdung der Menschen von seinem Gott. Wenn nötig handelte er Messen mit den Mitgliedern von Maigesellschaften auch am Tresen aus. Schon als Gymnasiast hatte er nach eigenem Bekenntnis seine Berufung gespürt.

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An der Universität Bonn studierte Dr. Peter Jöcken Philosophie und Theologie – unter anderem mit Joseph Ratzinger, den Pastor Jöcken sich nicht scheute, als Papst Benedikt XVI. zu kritisieren. Stationen seines Lebens waren nach dem Priesterseminar und der Weihe in Aachen die Kaplanszeit in Düren und das Pfarrvikariat in Aachen-Forst. Seine zweite große Liebe galt der Musik. Leben konnte er, der bis zuletzt gerne zum Cello griff, sie als Rektor der Kirchenmusikschule St. Gregorius-Haus in Aachen und Lehrer für Liturgik und Religionslehre der Kirchenmusiker-C-Ausbildung.

Seit 47 Jahren war das Jülicher Land für den gebürtigen Krefelder der Lebensmittelpunkt. Hier wirkte Dr. Peter Jöcken als Priester zuletzt in den sechs Gemeinden der Weggemeinschaft Jülich-Süd, in Bourheim, Kirchberg, Koslar, Krauthausen, Schophoven und Selgersdorf. Geschont hat sich der Vollblut-Seelsorger nie. Neben den priesterlichen Diensten in der Gemeinde und Sakramenten, die er spendete, engagierte er sich als Mitglied in rund 20 Vereinen, interreligiösen Gesprächskreisen auf lokaler und regionaler Ebene, war unter anderem Gründungsmitglied der Hospizgesellschaft und im Vorstand der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz sowie Präses der Kolpingfamilie.

Ein tiefes Anliegen war ihm die Versöhnung der abrahamitischen Religionen. Bis zuletzt setzte er sich dafür ein, lernte sogar bei einem Imam arabisch mit dem Ziel, mit arabisch sprechenden Menschen Gottesdienst zu feiern. Wenn Pastor Jöcken etwas als seine Aufgabe erkannt hatte, wollte er sie 200-prozentig erfüllen. Für seine Vorträge und Predigten hatte er drei große Karteikästen mit Stichworten angelegt, in denen er Bücher und Artikel bibliographierte.

Atempausen fand Dr. Jöcken in der Benediktiner-Abtei Kornelimünster, wohin er sich auch gerne über die Karnevalstage hin zurückzog – nachdem er nicht wenige der Sitzungen der fünf Karnevalsgesellschaften besuchte, denen er in „seinen“ Gemeinden angehörte. Mit der Gitarre unter dem Arm „enterte“ er dort gerne die Bühne und stimmte selbstverfasste Schunkellieder an.

Auf seiner letzten Reise nach Indien hatte sich Pastor Jöcken einen Virus zugezogen, der einen langen Krankenhausaufenthalt erforderte. Schließlich schien er sich in einer Pflegeeinrichtung soweit erholt zu haben, dass er Anfang der vergangenen Woche nach Hause entlassen werden konnte. Dort ist er völlig überraschend gestorben.

„Ich bin sicher, irgendwann werden wir Dich vermissen: Deine Originalität, Dein Querdenkertum und Deine Kreativität“, hatte es Propst Josef Wolff zum goldenen Priesterjubiläum formuliert.

Um sich persönlich zu verabschieden, wird Dr. Peter Jöcken in der Kirche St. Martinus Kirchberg am Donnerstag, 30. Januar, von 11 bis 20 Uhr aufgebahrt. Um 18 Uhr wird zur Vesper die Totenwache gehalten. Das Auferstehungsamt wird in der Propstei- und Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt Jülich am Montag, 3. Februar, 14 Uhr, gefeiert, ehe die Beisetzung in Kirchberg um 15.30 Uhr stattfindet.


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1 KOMMENTAR

  1. Danke sage ich für den Nachruf zum Tode von Herrn Dr. Peter Joeken, der seiner Jülicher Zeit gerecht wird.
    Ich möchte an die Zeit mit „unserem“ Kaplan Peter Joeken in der Pfarre St. Josef, Piusstraße in Düren erinnern. Ich war 16 Jahre als mich eine Freundin zum Tanzen ins Pfarrheim mitgenommen hat und mich auch Herrn Joeken vorstellte. Das Aha-Erlebnis für mich war, daß er nur 10 Jahre älter war als wir. Er hatte immer ein offenes Ohr für uns und war stets präsent.
    Gerne erinnere ich mit an die tollen Veranstaltungen, die er alle organisiert und begleitet hat.
    Hervorheben will ich nur die Samstage in der Vorweihnachtszeit. Da wir alle berufstätig waren und teilweise auch am Samstag noch arbeiten mußten, war dieses Innehalten am späten Nachmittag in einem schön geschmückten Raum sehr wichtig um den Alltag für ein paar Stunden zu vergessen.
    Auf die schönste Exkursion möchte ich noch hinweisen:
    Es war das CAJ Treffen in Essen Pfingsten 1965. Tausende Jugendliche aus ganz Deutschland bevöllkerten sämtliche Turnhallen mit Schlafsäcken. Wir haben vorwiegend Jugendliche aus Bayern kennen gelernt, die in der Nachbarschule untergebracht waren.
    Der Abschlußgottesdienst dieser fantastischen Tage war in einem Fußballstadion. Dieses Gänsehautgefühl habe ich so nicht wieder erlebt. Es war einfach nur schön!!
    (Tatsächlich besuchten uns einige Jungendlich aus Bayern pünktlich zur Annakirmes.)
    Als ich 1978 nach Jülich kam, traf ich Peter Joeken wieder.
    Ich war überrascht, daß er genau wußte wer ich war und wo ich in Düren gewohnt habe.
    Für ihn war der Mensch immer das Wichtigste.
    Danke Peter Joeken

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