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Einer geht mit

Ein eingespieltes Team seit bald 25 Jahren: die Musikgruppe Akzente und ihr musikalischer Leiter Wolfgang Biel. Er führt nicht nur den Chor, sondern komponiert auch neue geistliche Musik. Diesmal ist es ein "österlicher" Liederzyklus.

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Das Heft zum Liederzyklus Emmaus von Wolfgang Biel. Foto: Dorothée Schenk
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„No – na – no“ und „Dubidubidubidubi – Dabdida“ klingt es in der ersten Etage des Roncalli-Hauses. Die Musikgruppe Akzente „macht sich warm“, um in die finale Probephase einzustimmen. Nach drei Messen, der Vertonung des Christina-Liedes für die Selige aus Stommeln, die in Jülich verehrt wird, legt der broterwerbstätige Physiker Wolfgang Biel jetzt eine Lieder-Sammlung mit dem Titel „Emmaus“ vor. „Um die Ausgangsszene klar zu machen: Der Fahndungsdruck und die Enttäuschung über den Tod des geliebten Meisters muss für die Jünger, die zurückblieben, auch eine enorme emotionale Belastung gewesen sein.“ Diese Szene ist das Zentrum des neuen Liederzyklus‘, der in zwei Wochen in Jülich uraufgeführt wird. Nur zwei Stücke sind aus dem reichen Fundus des Komponisten: „So sende ich Euch“ hat der Chor schon vor vier Jahren im Aachener Dom zur Aussendungsfeier des Pastoralkurses von Mareike Jauß gesungen, die bis 2018 als Pastoralassistentin in der Pfarrei Heilig Geist war, und das „Vater unser“. Sieben neue Stücke kamen hinzu.

„Manche Dinge fangen winzig klein an“, schmunzelt Wolfgang Biel und zieht ein beschriebenes Blatt Papier in der handelsüblichen Größe eines Notizblocks vom Schreibtisch aus der Tasche. „Mit diesem Zettel fing ,Emmaus’ an.“ Drei Jahre Homeoffice und drei Jahre Zoomkonferenzen: Da kommt ein Physiker, der zum Schreibtisch-Wissenschaftler werden musste, schon mal in Ruhephasen ins Nachdenken. Und immer dann hat sich Wolfgang Biel etwas auf seinem Zettel notiert. Da sammeln sich Fragen wie „Weißt Du noch?“, „Brannte uns nicht das Herz?“ oder „Musste es nicht so geschehen?“ und auch Aussagen: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“.

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Die Inspiration zur eigenen Komposition gab das Oratorium „Eins”, das zum ökumenischen Kirchentag im Frühjahr 2021 eingespielt wurde. Spontan begeistert ließ sich Wolfgang Biel Noten und Liedtexte kommen, stellte aber bald fest: „Das ist wunderbar, aber für uns eine Nummer zu groß: zu lang, zu schwer, die Töne zu hoch.” Die Geschichte des Gangs nach Emmaus zu vertonen „war für mich naheliegend, weil es eine Geschichte ist, die zwar jeder kennt, die aber doch in ihrer Kürze so viele wunderbare Facetten enthält. Ich finde in Emmaus grundlegende Wahrheiten unseres Glaubens.”

Proben im Roncalli-Haus. Foto. Dorothée Schenk

Im Herbst 2021 begann Wolfgang Biel seitenweise Gedanken, Sprüche, Halbsätze und Wortfelder zu sammeln. „Dann fange ich an, die Versatzstücke in eine Reihenfolge zu bringen, gucke, welcher Textrhythmus entsteht und erst danach kommt die Musik.“ Zwischen Weihnachten und Dreikönige 2022 komponierte Biel von morgens bis abends, als er „eine so schöpferische Phase wie noch nie” hatte. Mit seiner Frau und den beiden erwachsenen Kindern wurden die Lieder gesungen, und nach dem „Feinschliff“ als CD im Heimstudio aufgenommen. Es folgte noch „ein Jahr der Dürre“, in der keine geregelte Probenarbeit möglich waren. Seit Januar diesen Jahres probt Biel mit der Musikgruppe Akzente und Projektchor-Sängerinnen und Sängern. Das war nötig, weil auch „Akzente” in der Coronazeit an Personalschwund litt – und mangels öffentlicher Auftritte auch keine neuen Sangesfreudigen hinzukamen. So wurden aus Ameln einige „Stimmen“ rekrutiert, Kantor Christoph Rück singt mit und auch Pastoralreferent Raphael Schlecht. Inzwischen ist das Ensemble auf vier Tenöre und sechs Altstimmen angewachsen. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass das gut gelingt in St. Franz von Sales“, sagt Wolfgang Biel.

Die 25 Chormitglieder treffen sich, um die Lieder einzustudieren, die das Publikum dann vom Karfreitagsgeschehen – „Gott, wo bist Du?” – bis zum „Gang nach Emmaus” mitnehmen, währenddessen sich die Jünger unterhalten „Weißt Du noch?”, bis sich Jesus anschließt und der Chor singt: „Einer geht mit.” Letztlich gipfelt das Geschehen im Jubel und endet mit dem Übergang zu Pfingsten als Auftrag: Friede sei mit Euch.

Foto: Dorothée Schenk

Mit „Emmaus“ betritt Wolfgang Biel nach eigenem Bekunden Neuland: „Es ist keine Messe. Es ist das erste Mal, dass ich eine größere Sammlung von Liedern schreibe, die nicht dem strengen Schema Einführung – Gloria – Zwischengesang – entnommen ist.“ Die Corona-Zeit war nicht nur für den Chor eine Dürrezeit. Die Kirchenbesucher haben sich halbiert und parallel dazu kamen die Missbrauchs-Enthüllungen ans Licht. „Es gibt zwei Möglichkeiten: Man verharrt in der Verzweiflung, oder man macht sich auf den Weg“, war die Erkenntnis von Wolfgang Biel. „Mich bestärkt das Schreiben, aber noch mehr das Einüben der Lieder darin zu sagen: Ich bin Teil der Kirche, wenn wir Kirche als das Volk Gottes verstehen, das glaubt. Das kann mir kein Missbrauchsgutachten nehmen und das lass ich mir von niemandem nehmen.“

Der engagierte Christ Wolfgang Biel, der neben dem musikalischen Engagement elf Jahre im Pfarrgemeinderat der Propsteipfarre war und seit der Fusionierung zur Pfarrei Heilig Geist Jülich unter anderem im Vorstand des GdG Rates ist, möchte durch die Musik mit Grenzen brechen. „Mir ist es wichtig, eine Sprache zu finden und eine Musik zu wählen, mit denen man das Wort Gottes über das engere katholische Milieu hinaus unter die Leute bringen kann – salopp gesagt.“ Die Freude am Glauben ist das zentrale Motiv. Die gewählte Sprache ist konsequenterweise aktuell, nämlich „Pop und Jazz“. Neben dem Selbststudium durch Lektüre hat sich der Klavierspieler, der mit zwölf Jahren die ersten Akkorde griff, in Tages- und Wochenendkursen beim BDKJ in Köln fortgebildet. Bei den renommierten Vertretern der neuen geistlichen Musik wie Thomas Quast, Thomas Laubach und Michael Lätsch lernte er die wichtigsten Regeln, so Biel.

Wolfgang Biel im heimischen „Kompositions-Studio“. Foto: Archiv | Dorothée Schenk

Die Uraufführung des Liederzyklus wird nur mit Chor und Klavierbegleitung stattfinden – allerdings ist Wolfgang Biel dabei, auch die Noten für die Instrumentalbesetzung zu schreiben. Vielleicht, so der Komponist, ist dann eine zweite Aufführung denkbar. Kontakte zu Kirchenmusikern nach Erkelenz sind bereits geknüpft.

Premiere feiert „Emmaus” am Sonntag, 23. April, in einem Konzert-Gottesdienst um 16 Uhr in der Jugend- und Familienkirche St. Franz-von-Sales in Jülich. Der Eintritt ist frei. Spenden, die der Familienkirche „GeistReich” zugute kommen sollen, sind willkommen.


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