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Kirchenschätze im Blick

Guido von Büren ist ziemlich einzigartig. Einerseits, weil er als Muttkraat, wie gebürtige Jülicher genannt werden, zu einer aussterbenden Spezies gehört seit der Kreissaal des örtlichen Krankenhauses geschlossen wurde, andererseits, weil er bistumsweit der erste Kirchenkurator ist.

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Guido von Büren ist neuer Kirchenkurator der Pfarrei Heilig Geist Jülich. Foto: Dorothée Schenk
Guido von Büren ist neuer Kirchenkurator der Pfarrei Heilig Geist Jülich. Foto: Dorothée Schenk
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Im Amt ist der Historiker in der Pfarrei Heilig Geist Jülich seit einigen Monaten. Die erste Ausstellung „Alle um einen Tisch“ mit liturgischen Kirchenschätzen der 16 fusionierten Gemeinden im Westturm der Propsteikirche ist gerade zu Ende gegangen. Bestens vertraut ist ihm der Kirchturm, dessen Eingang Guido von Büren nicht nur zur Kommunion und Firmung durchschritten hat. Das allein qualifizieren ihn nicht. Vielmehr hat sich der „Jülicher Jung“ seit seinem 14. Lebensjahr in die Historie seiner Heimatstadt eingearbeitet. Mit 16 Jahren wurde er jüngstes Mitglied im Jülicher Geschichtsverein 1923, dessen Vorsitzender er inzwischen ist, und gehört als 43-Jähriger zum lebendigen Gedächtnis der Stadt. Hunderte Aufsätze hat er geschrieben, ist Referent, Rezensent, Herausgeber und Schriftleiter von Publikationen, Mitarbeiter des Museums Zitadelle und kuratierte unter anderem die Ausstellung „Christina von Stommeln“. Aber auch über die Grenzen der Heimatstadt hinaus hören die Fachleute den Ruf des Jülichers: Die renommierte Wartburg-Gesellschaft wählte ihn zum Nachfolger des Gründungsvorsitzenden Ulrich Großmann, Direktor des Nürnberg Nationalmuseums. Guido von Büren lebt Geschichte und kann sie darum auch lebendig erklären und vermitteln. Unvergessen ist seine Verkörperung von Herzog Wilhem V. zum 500. Geburtstag während einer Talkrunde im Renaissance-Garten der Zitadelle. Ein Glücksfall ist Guido von Büren für die Pfarrei Heilig Geist, der sein Credo so formuliert: „Warum muss das hundertste Werk über Dürer oder Michelangelo schreiben, wenn ich ein genauso spannendes Werk in der Kirche vor Ort stehen habe, bei dem der Erkenntnisgewinn viel größer ist.“

„Kirchen sind keine Museen, aber sie sind ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Gedächtnis‘. Diesen Schatz wieder zu heben ist der Punkt“, sagt von Büren, der das Kuratorenamt gegen eine Ehrenamtspauschale übernommen hat, und weiter: „Wir stehen als Gesellschaft vor der riesigen Herausforderung, dass durch die Migration auch ein Bevölkerungsanteil wächst, der mit diesen Schätzen gar nichts anfangen kann.“ Es geht eben nicht nur um Bewahrung, Schutz und Betreuung des Kunstbesitzes, die übrigens kirchenrechtlich seit dem 2. Vatikanischen Konzil vorgeschrieben aber für viele Gemeinden kaum leistbar ist. Von Büren sieht sich als Vermittler und will als nächsten Schritt, „dass man sie (die Kunstwerte, Anm.d.Red) auch in den katechetischen Bereich einbindet“.

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Konkret geht es jetzt darum „ein Konzept zu entwickeln, wie künftig mit den in den Kirchen hochrangigen Werten umgegangen wird.“ Es gelte eine Abstimmung über das Procedere auch mit dem Bistum Aachen zu finden. Bei den knappen personellen und zeitlichen Ressourcen stehe die Frage im Raum: „Was hat Priorität? Es kann ja nicht nach dem Motto laufen: wer am lautesten schreit, findet Gehör.“ Vorrang hat derzeit ein wurmbefallener spätgotischer Dreisitz und das spätgotische Retabel aus der Taufkapelle der Propsteikirche. Beide Werke sind derzeit Restaurierung. Auch hier ist Guido von Büren eingebunden. Seine guten Kontakte zum Lehrstuhl für Restaurierung in Köln will er nutzen, um einen Bachelor-Kandidaten für die Arbeit zu gewinnen.

„Die mangelnde Kenntnis und Erschließung von Material, das ist eine große Gefahr. Nur was ich kenne, kann ich auch bewahren“, sagt Guido von Büren. Diese Gefahr haben die Jülicher gebannt.

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