Stillsitzen ist ihre Sache nicht – Audrey Tamina Ngamou ist einfach gerne in Bewegung. „Ich liebe es einfach“, strahlt die Elfjährige, die sich für Sport im Allgemeinen und Fußball im Besonderen begeistert. Seit sie fünf Jahre alt ist, kickt Audrey im Verein. Angefangen hat sie in einer gemischten Mannschaft beim SC Stetternich 08, inzwischen schnürt sie die Fußballschuhe für den SV Viktoria 08 aus Koslar – auch hier in einem gemischten Team. „Aber ich bin das einzige Mädchen“, grinst sie achselzuckend, „meine Freundinnen tanzen alle.“ Das stört sie allerdings nicht im Geringsten, zu groß ist die Freude am Ballsport. Und doof findet es auch niemand, dass sie Fußball spielt. „Warum auch?“ kommt die rhetorische Frage, „Ich finde es ja auch nicht blöd, dass die anderen tanzen.“
Viel Zuspruch und Unterstützung gibt es auch innerhalb der Familie, ob nun von den Großeltern aus Kamerun und Moldawien oder von den Eltern und der älteren Schwester. Die Mutter war es denn auch, der Audrey den nächsten Schritt auf der sportlichen Karriereleiter zu verdanken hat: In der kommenden Spielzeit wird die jetzige Koslarer D-Jugendliche für die U13-Juniorinnen von Borussia Mönchengladbach auflaufen. „Mama hat auf dem Insta-Kanal von Borussias Frauen gesehen, dass es einen Talenttag gibt, und mich angemeldet“, erklärt die Fußballerin. Nicht lange nach diesem Tag klingelte das Telefon, und Audrey bekam eine Einladung zum Probetraining. Nach zwei Testläufen kam die Frage, ob sie künftig für Borussia spielen wolle. Lange überlegen musste die Schülerin angesichts dieser Chance nicht. „Ich hab‘ sofort ja gesagt!“ Schließlich ist die Borussia ihr Lieblingsverein, und außerdem bringt sie das ihrem großen Ziel, Fußballprofi zu werden, ein Stück näher.
Dafür ist sie gerne bereit, noch mehr zu trainieren als bisher. Aktuell spielt sie weiter mit ihrem Team von der Viktoria, alle zwei Wochen freitags wird zusätzlich in Mönchengladbach trainiert. Ab dem Sommer heißt es dann, dreimal in der Woche zum Training auf der Sportanlage Am Haus Lütz im Gladbacher Stadtteil Bettrath-Hoven zu fahren. Zu den anderthalb Stunden Training kommt noch eine gute Stunde Fahrt obendrauf – ganz schön viel Zeit, die für den geliebten Sport draufgeht, schließlich kommen dann am Wochenende auch noch die Spiele dazu. Wann bleibt denn noch Zeit für Schule, andere Hobbies und Freunde? Die Hausaufgaben seien meist schon in der Schule fertig, erklärt Audrey, die von sich sagt, mit dem Lernen gut klarzukommen. Und dann sind da noch die anderen Wochentage, an denen sie zum Beispiel im Schulchor des Gymnasiums Zitadelle singt. „Und sonntags hab‘ ich frei“, lächelt Audrey und scheint damit sehr zufrieden.
Die großen Vorbilder der linken Flügelspielerin sind Samuel Eto’o, Kylian Mbappé und Ronaldinho, und bei den Frauen möchte sie Alexandra Popp und der schottischen Nationalspielerin Samantha Kerr nacheifern. Und irgendwann einmal möchte sie bei ihrem „Traumverein“ FC Barcelona spielen. Dafür würde Audrey auch Spanisch lernen. Aber notfalls helfen sicher auch die Englischkenntnisse aus der Schule, immerhin ist Englisch neben Sport eines ihrer Lieblingsfächer. Die französische Muttersprache ihres Vaters würde sie ganz gut verstehen, sprechen sei etwas schwieriger. Auch das Rumänisch der Großmutter stellt die Elfjährige noch vor eine kleine Herausforderung, aber Audrey ist auch hier zuversichtlich. Ein positiver Blick in die Zukunft scheint die Sportlerin generell auszuzeichnen. Und was ist, wenn es mit dem Traumberuf Profifußballerin doch nicht klappt? „Dann gehe ich zum SEK (Spezialeinsatzkommando der Landespolizei, Anm. d. Red.)“, kommt die prompte Antwort, und weiter: „Früher wollte ich das immer unbedingt, das fand ich richtig cool.“



















