Diese Randlage Kirchbergs an der Tagebaukante könnte ein Vorteil sein: „Endlich raus aus dem Randgebiet“ – so brachte Christian Jungbluth aus Kirchberg Hoffnung und Optimismus an dem Abend auf den Punkt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich aktiv mit ihren Ideen an dem Workshop, wo es darum ging, ein Leuchtturmprojekt mitzugestalten, das auf dem ehemaligen Epsotech-Gelände entstehen soll und schon 2029 fertig sein könnte.
Ein Dorfgemeinschaftshaus soll entstehen, finanziert aus den Töpfen des Strukturwandels. Und zwar im Rahmenplan der Indesee Konzeption, für die durch sanften Tourismus und Naturraum zu prägende Nordkante. In Kirchberg – so der Plan – entsteht das „Tor zum Indesee“. Denn hier sei die „kürzeste Distanz für Jülich an die Wasserfläche“, so erklärte es Petra Dören-Delahaye, die bei der Stadt Jülich für Strukturwandelmanagement zuständig ist und stellvertretend für die Stadt Jülich anwesend war.
Bis zum 30. Juni werde die Indeland AG den entsprechenden Förderantrag bei den Geldgebern einreichen, kündigte Svenja Zeimetz von der Indeland GmbH an. „Die Chancen stehen gut“, verriet sie. „Der Wandel wird jetzt immer konkreter.“
Doch wie kam es überhaupt zu dem Projekt, warum hat es so gute Erfolgsaussichten? Hier seien zwei entscheidende Faktoren zusammengekommen, erklärte Dören-Delahaye: das freiwerdende Gelände durch die Insolvenz der Firma Epsotech und die Strukturförderung der Region, also entsprechend gefüllte Finanztöpfe. Die Indeland GmbH gehöre als gemeinnützige Organisation zu den drei Organisationen, die für diese Strukturförderung zuständig sind – eine Art Erfolgsgarant.
Es war offenbar alles sehr schnell gegangen hinter den Kirchberger Kulissen: Dören-Delahaye, die an den Plänen des Dorfentwicklungskonzeptes beteiligt war und somit den Wunsch nach einem Dorfgemeinschaftshaus in Kirchberg auf dem Schirm hatte, sah Ende letzten Jahres die Chance und habe die Hand gehoben, erklärt sie im Gespräch mit dem HERZOG. Dann habe es Gespräche der Indeland mit den zuständigen Stellen gegeben. Ergebnis: Positive Signale seitens der Bezirksregierung in Köln, dem zuständigen Landesministerium und sogar der Stabsstelle für Strukturwandel im Bundeswirtschaftsministerium, erklärt Dören-Delahaye.
Die Finanzplanung sehe eine Kostenverteilung vor, in der 90 Prozent der Gesamtsumme durch den Bund, 7,5 Prozent vom Land Nordrhein-Westfalen und 2,5 Prozent von der Indeland GmbH als Eigenleistung aufgebracht werden müssten für ein solches Haus. Geplant werde es nach Bedarf, und diese Summe stehe dann im Förderantrag, so Dören-Delahaye zur Finanzplanung. „Für die Indeland ist das ein wichtiges Projekt“, beteuerte Daniel Albrecht, bei der Indeland GmbH zuständig für Kommunikation.

Die Veranstaltung diente in erster Linie der Bürgerbeteiligung, die so wichtig sei, wie die Veranstalter immer wieder betonten. „Das Dorfgemeinschaftshaus selbst ist ein Teil eines größeren Projektes, um die nördlichen Kommunen an den See anzubinden“, erklärte Indeland Projektleiterin Maren Krätzschmar den Rahmen.
Fritz Keuthen vom beauftragten Kölner Architekturbüro News erklärte: Architekten seien Geburtshelfer. „Die großen Fehler werden am Anfang gemacht.“ Daher sei eine hohe Bürgerbeteiligung so wichtig. Er lobte die hohe Beteiligung in Kirchberg. Das erlebe er nicht gerade überall.
Er und ein Team von der Indeland GmbH führten gemeinsam durch eine Präsentation, die schon konkrete Pläne für das Indesee-Tor und das Dorfgemeinschaftshaus enthielt. Darin stellte Architekt Keuthen drei Varianten vor, wie das Dorfgemeinschaftshaus auf dem Gelände platziert werden sollte. Allen gemeinsam war erstens, dass es von Dorfbewohnern, Vereinen und „sanften“ Touristen gemeinsam genutzt werden solle und zweitens die verkehrsmäßige Anbindung mit einer Parkplatzzufahrt von Osten. Die Planungen sehen jeweils einen eingeschossigen Bau vor, mit Foyer und Multifunktionssälen, die zusammengeschaltet werden können und 200 bis sogar 300 Menschen beherbergen könnten. Ein Zeitstrahl zeigte, dass das Projekt ab dem vierten Quartal dieses Jahres bereits in die Bewilligung und Umsetzung gehen soll,
„Kirchberg bleibt ein ruhiger Ort“, versprach Keuthen. Allerdings werde es auf dem Gelände eine Nachbarschaft zu einer Industrie, die für Arbeitsplätze im Ort sorge. Genaueres konnte niemand an dem Abend verraten, nur dass der potenzielle Investor ebenfalls großes Interesse an dem Projekterfolg habe, so wusste Albrecht.
Anschließend ging es in die Workshops, wo Bürger ihre Ideen einbrachten: Neben Grillplatz und Biergarten für Erwachsene zeigten auch die Jüngsten Kreativität – zeichneten einen Mal- und Tischtennisraum sowie Klettergerüst, Kegelbahn, Trampolin und Bühne in die ausliegenden Pläne. Am stärksten thematisiert worden seien der Saal und die Gastronomie, kombiniert mit dem Wunsch, nach draußen in die umliegende Natur zu gehen, so Keuthen.
Der nächste Schritt sei jetzt eine Veranstaltung in Jülich Ende April, dann mit einem breiteren Fokus auch auf die umliegenden Landschaften.
Insgesamt stieß der Abend und die Planungen auf sehr positive Rückmeldungen: Andreas Nogga von der Dorfgemeinschaft Zukunft Kirchberg lobte: „Es war beeindruckend, dass die Architekten schon heute drei Planungen vorstellen konnte.“ Der Verein selbst habe sich immer wieder aktiv um ein Dorfgemeinschaftshaus bemüht. Auch der 17 Jahre alte Nevio Sass hätte nie gedacht, dass diese Pläne so schnell Realität werden würden und wünscht sich für die nächste Generation einen Kinder- und Jugendtreff.
„Ich denke dass das für Kirchberg überhaupt die letzte Chance ist, ein Bürgerhaus zu bekommen“, schätzt Korinna Schmitz. Thomas Jelen von der Dorfgemeinschaft, selbst Bauingenieur, findet: „Ich halte das für eine sehr gute Planung, der Standort ist nun mal gegeben vor dem Hintergrund des Industriegeländes, vielleicht nicht der attraktivste Standort, aber letztendlich ein optimaler Standort aus Lärmschutzgründen zum Beispiel.“



































