Start Stadtteile Jülich “Stimmt so” – von Trinkgeld und Sparfüchsen

“Stimmt so” – von Trinkgeld und Sparfüchsen

Passend zum “Welttrinkgeld-Tag” appelliert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten daran, beim Trinkgeld in der Gastronomie nicht in den Sparmodus zu schalten. Herzog-Praktikantin Judith Volkmer hat sich gemeinsam mit Marta Matzerath in Jülicher Lokalen umgehört.

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Foto: NGG | Tobias Seifert
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„Der Rest ist für Sie!“ – Ein Satz, den jeder Kellner im Restaurant oder Biergarten im Kreis Düren gerne hört. „Denn Trinkgeld kommt immer gut an. Vor allem, wenn es bei dem ‚Rest‘ nicht nur um 20 oder 50 Cent geht“, sagt Tim Lösch von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Zum heutigen „Welt-Trinkgeld-Tag“ appelliert die Gastro-Gewerkschaft, beim Trinkgeld „nicht zu knausrig zu sein“. Immerhin gibt es nach Angaben der NGG Aachen im Kreis Düren rund 3490 Beschäftigte in Biergärten, Gaststätten, Restaurants und Hotels, für die das Trinkgeld ein wichtiger „Portemonnaie-Füller“ ist.

Die Gewerkschaft empfiehlt in der Gastronomie ein Trinkgeld von etwa 10 Prozent der Rechnung, 15 Prozent seien ebenfalls angemessen. Trinkgeld sei für alle Kellner und Kellnerinnen sowie Köche und Köchinnen im Kreis Düren wichtig. „Immerhin verdienen sie nicht wirklich üppig“, so Tim Lösch. Etwas sparsam blickt der Geschäftsführer der Gewerkschaft auf Gäste, die ihr Portemonnaie lieber zuhalten: „Klar, Pfennigfuchser gibt es auch. Die sind dann mit 5 Prozent dabei. Und oft genug geben echte Geizkragen auch gar nichts – leider.“

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Der Herzog hat sich in Jülich zum Thema Trinkgeld umgehört: Welche Meinungen vertreten Gastronomie-Personal und Gäste? Koch Markus Rose aus dem Bauernhofcafé erzählte, er empfinde die Menschen in Jülich nicht als „Sparfüchse“ oder sehr geizig. Die Gäste in Jülich gäben meist fünf bis zehn Prozent Trinkgeld. Für ihn ist das Trinkgeld ein wichtiger Bestandteil des gastronomischen Lebens. Er selbst gäbe meist bis zu 25 Prozent Trinkgeld. Bei der Kartenzahlung im Bauernhofcafé gibt es keine festgelegten Trinkgeldbeträge zum Auswählen, dennoch erlebt auch er es so, dass die meisten bei Kartenzahlung weniger dazugeben.

Anders sieht es bei Alessandro Capizzi aus der Pizzeria Ca-Pizza aus. Dort bezahlen und bestellen die meisten Gäste online, sodass es eher selten bis kaum Trinkgeld gäbe. Im Café Fleur wurde Inhaberin Trude Eggen befragt: Auch sie und eine ihrer Mitarbeiterinnen sind mit dem Trinkgeld zufrieden. Trotzdem erlebe auch sie es so, dass bei der Kartenbezahlung einige Gäste eher geizig seien. Sie selbst gäbe immer über zehn Prozent Trinkgeld. Dies sei aber natürlich trotzdem auch vom Service abhängig. Trude Eggen wünscht sich ganz allgemein mehr Wertschätzung für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Gastronomie.

Auch zwei Frauen, die im Fleur zusammensaßen, erzählten, sie fänden es angemessen, Trinkgeld zu geben. Dies auch bei Kartenzahlung. Allerdings merkten sie an, es sei unpassend, dass die Trinkgeldbeträge im Kartenlesegerät vorkategorisiert werden. Sie würden es lieber von der Bedienung abhängig machen, wie viel Trinkgeld sie geben wollen. Bei Fast-Food-Restaurants findet die im Vergleich jüngere Dame es unüblich, Trinkgeld zu geben. Ihre ältere Begleiterin berichtete, sie besuche keine Fast-Food-Restaurants. Sie selbst empfänden dies als ein Beispiel für Generationen und ihre Unterschiede. Ein weiterer Café-Gast sagte, sie gäbe ebenfalls immer Trinkgeld, egal ob Karten- oder Barzahlung, und auch in Fast-Food-Restaurants. Dafür runde sie den Betrag immer auf und gäbe dann noch etwas dazu.

Im Eiscafé Panciera äußerte sich ein Mitarbeiter positiv gegenüber dem Trinkgeld, dort gäben zwar die meisten Gäste an der Eistheke kaum Trinkgeld, jedoch im Café immer um die 10 Prozent. Ähnlich beschrieb auch die Nobis-Mitarbeiterin Michelle Wüllenweber dies. In der Bäckerei würden die meisten Gäste den Betrag aufrunden, jedoch gäben die meisten Kunden auch hier bei Kartenzahlung kein Trinkgeld.

Die kleine Umfrage zeigt, dass die meisten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Gastronomie in Jülich mit dem Trinkgeld ihrer Gäste sehr zufrieden sind. Jülichs Kunden seien nicht besonders geizig. Bestätigt wird allerdings die Aussage der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, dass bei der Kartenzahlung meist am Trinkgeld gespart wird.

Trinkgeld solle immer zusätzlich zum Lohn gezahlt werden und dürfe nicht mit dem Gehalt verrechnet werden. Häufig werde es im Team aufgeteilt, damit auch Küchenhilfen und Minijobber profitieren. Kritisch sieht die NGG die Trinkgeld-Vorschläge auf dem Display von Kartenlesegeräten, da viele Gäste dadurch eher gar nichts geben. Besonders wenig Trinkgeld gebe es laut Gewerkschaft in Fast-Food-Restaurants. Gleichzeitig fordert die Gewerkschaft für Beschäftigte im Gastgewerbe eine Lohnerhöhung von 6 Prozent bei den kommenden Tarifverhandlungen mit dem Deutschen Hotel- und Gaststätten-Verband DEHOGA. „Trinkgeld hat null Einfluss auf die Rente. Daher lieber Lohn rauf: Am Tariflohn führt schon deshalb kein Weg vorbei“, so der Geschäftsführer der Gastro-Gewerkschaft.

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