Allmonatlich lädt die Pfarrei Hl. Maria Magdalena zur geistlichen Führung ein. Passend zum Marienmonat Mai trafen sich Interessierte zunächst mit Pfarrer Hans-Otto von Danwitz in der Kirche, wo er verschiedenen Mariendarstellungen vorstellte, ehe es auf den Kirchplatz ging. Hier erläuterte Josefine Meurer Wissenswertes über den Marienbrunnen, insbesondere die Zeitspiralen der Säule. Eine kleine Anleitung zum Selbsterleben.
Was sicher viele Jülicher nicht wissen: Ursprünglich war die Propsteikirche St. Mariae Himmelfahrt dem heiligen Martin geweiht. Im 14. Jahrhundert bestand das heutige Gotteshaus zunächst nur aus einem einfachen Holzbau. Dieser diente früher als militärischer Stützpunkt sowie als römischer Opferaltar. Nachdem die Christen den Ort übernommen hatten, wurde der Holzbau zunehmend erweitert und prachtvoll ausgestaltet. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche erfolgte am 2. August 945. Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche im romantischen Stil ausgebaut. Der Kirchturm ist bis heute erhalten geblieben, da ein Teil davon den zweiten Weltkrieg überstand. Am 16. November 1944 wurde jedoch trotzdem ein großer Teil der Kirche zerstört, weshalb später an den erhaltenen Turm angebaut wurde.
Die erste Mariendarstellung befindet sich direkt über dem romanischem Rundbogenportal des Haupteingangs der Propsteikirche. Dort ist Maria mit dem Jesuskind im Arm dargestellt. Wer das Portal durchschritten hat begegnet Maria ein zweites Mal: Sie steht um Zentrum des Altarbildes auf der rechten Kirchenseite. Eigentlich, so klärt Pfarrer von Danwitz auf, handelt es sich dabei um einen Josefaltar. Vor dem Altar stehen Blumen und Kerzen, die zum Beten einladen. Besonderen Charme hat das Marienbildnis, weil das Jesuskind im Arm ihre Hand festhält. Flankiert werden Mutter und Kind von zwei Engel.
Und noch eine „Maria“: Der Altarraum der Kirche wurde im Jahr 2001 von der weit über Jülichs Grenzen hinaus bekannten Künstlerin Maria Fernandez neu gestaltet. Als Relief im Ambo findet sich eine Mariendarstellung, die zu Pfingsten passe. Wer genau hinguckt entdeckt auch auf dem Osterleuchter eine Mariendarstellung, ebenso auf dem Seitenaltar mit Tabernakel, welcher an Gründonnerstag genutzt wird. In Szene gesetzt hat die Künstlerin die Verkündung Mariens: Gabriel als Bote Gottes sagt ihr, dass sie ein Kind, den Sohn Gottes bekommen wird. Umgeben wird die Darstellung von den vier Evangelisten: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die schützend um Maria stehen.
Die Kirchenpatronin Maria taucht außerdem in den Fensterbildern von Anton Wendling auf. Auch hier ist das Motiv: Maria mit Kind.
Aber auch im Außenbereich ist die Gottesmutter Maria präsent. Der Marienbrunnen auf dem Kirchplatz wurde am 14. Juni 1998 durch den ehemaligen Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff eingeweiht, wie Josefine Meurer berichtet. Die Idee zur Errichtung eines neuen Marienbrunnens auf dem Kirchplatz bestand jedoch bereits einige Jahre zuvor. Er sollte an die im zweiten Weltkrieg zerstörte Mariensäule erinnern, die am 8. September 1929 von Oberpfarrer Dechant Johannes Brandts eingeweiht und der „Regina Pacis“, der „Königin des Friedens“ gewidmet worden war. Heute hingegen zeigt die Säulenbekrönung einmal mehr Mutter und Kind.
Wie die Inschrift des Marienbrunnens zeigt, wurde dieser anlässlich des silbernen Priesterjubiläums von Propst Heinrich Bongard errichtet, das bereits am 1. März 1994 gefeiert worden war. Einmal mehr ist hier ein Werk von Maria Fernandez zu sehen. Gestalterisches Vorbild war für sie die Trajanssäule in Rom. Maria trage weder ein prunkvolles Diadem noch aufwendige Gewänder, sondern erscheine bewusst schlicht und bescheiden. Mit liebevollem Blick, wie Josefine Meurer formuliert, schaue sie auf die Menschen und die Stadt Jülich herab. Auch verborgene Botschaften enthält der Brunnen: Die Form ist ein Achteck. Die Zahl 8 steht, so war zu erfahren, dabei für das Göttliche. Die Zahl 4 dagegen symbolisiert das Menschliche. Sie findet sich in den vier Wasserspeiern wieder, die zugleich auf die vier Evangelisten verweisen. Wer genau hinsieht entdeckt die Symbole der Evangelisten: Den Engel für Matthäus, den Löwen für Markus, den Stier für Lukas und den Adler für Johannes.
Die Säule des Brunnens besteht aus einer zweiteiligen Geschichtsspirale. Sie erzählt umlaufende – beginnend mit der Schöpfung Gottes – die Geschichte Jülichs. Neben Gebäuden und Personen sind es vor allem auch Symbole, die auf die reiche Historie hinweisen. Von alleine kommen Betrachtende nicht unbedingt auf den tieferen Sinn, den Josefine Meurer erläuterte – und übrigens im Buch von Uwe Cormann „Der Marienbrunnen auf dem Kirchplatz der Propstei-Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in Jülich“ nachzulesen ist, das vom Jülicher Geschichtsverein herausgegeben wurde.
Fotos Volker Goebels
In die frühe Steinzeit führen die Grundrissen von Häusern, dem Spuren menschlichen Lebens in Form von Stein- und Knochenwerkzeugen beigegeben sind. Römische Amphoren verweisen auf die Stadtgründerväter, Zu sehen ist auch die Fernhandelsstraße von Köln nach Bologne sur Mer, die Jülich zur Römerzeit erst in den Fokus gerückt hat. Auf die mittelalterliche Siedlung verweist ein Palisadenzaun, de die Stadt schützte und umgab. Ein wichtiger Punkt in Jülichs Stadtgeschichte: Die Vergabe der Stadtrechte 1234. Sie wird auf der Säule als Siegel mit der Jahreszahl dokumentiert. Graf Wilhelm IV. hatte den Ort zur Stadt erhoben – auch zu sehen im repräsentativen Stadtsiegel von 1238 mit Architekturelementen wie dem Stadttor sowie einem Löwen der als Zeichen der Jülicher Grafen diente.
Die Blüte erreichte Jülich unter Herzog Wilhelm V. Gezeigt wird hierzu der Ausbau Jülichs zur Residenzstadt. Es überschneidet sich mit der zweiten Geschichtsspirale und unterstreicht damit die Bedeutung dieser „zweiten Stadtgründung“. Dargestellt sind unter anderem der Umriss der Zitadelle sowie der Baumeister Pasqualini, der seine architektonischen Pläne im Jahr 1549 verwirklichte. Dass das gelingen konnte, dafür sorgte der
großen Stadtbrand von Jülich im Jahr 1547. Flammenverschlungene Häuser verdeutlichen die verheerenden Folgen dieses Ereignisses.
Für das religiöse Leben Jülichs von Bedeutung ist die eigene „Stadtselige“: Christina von Stommeln. Sie findet sich in der bildnerischen Erzählung zur Überführung der Gebeine der Seligen. Ihr Schrein mit Reliquien wurde 1586 nach Jülich gebracht. In unmittelbarer Nachbarschaft sind das Jesuitenkloster und Sepulchrinerinnenkloster zu finden. Zusätzlich sieht man das Wappen der zweiten Pionierin des ehemaligen Sepulchrinerinnen Kloster der Margaretha Theresia Nickel. Die Lebensaufgabe der Schwestern bestand vor allem in der Erziehung von Mädchen. Unterrichtet wurden unter anderem Religion, Latein, Französisch, Deutsch, Handarbeiten sowie in geringerem Umfang auch Naturwissenschaften. Apropos „de Nickel“ Goswin Nickel aus Koslar war erster Deutscher Generaloberer des Jesuitenordens, der „Gesellschaft Jesu“. Auch er darf natürlich nicht fehlen. Ein weiterer prominenter Geistlicher, der zu finden ist: Der heiligen Bernhard von Clairvaux, der um das Jahr 1147 in Jülich gepredigt haben soll.
Schlüsselübergaben spielen außerdem eine große Rolle, wie der große Stadtschlüssel zeigt. Zunächst ging die Stadt als Erbe an den Herzog, später an den spanischen König und schließlich an Napoleon während seines Besuches im Jahr 1804. Der französische Kaiser inspizierte den Bau des Festungswerk Brückenkopf, der am 13. Juni 1799 begonnen worden war und selbstverständlich zu sehen ist. Was eine einzelne Uhr auf der Säule zu suchen hat? Sie erinnert an das tägliche Glockenläuten der Propsteikirche um zweiundzwanzig Uhr, das bis heute beibehalten wurde. Dieses Läuten verweist auf die damalige Schließung der Stadttore zu dieser Stunde. Bürgerinnen und Bürger, die sich noch außerhalb der Tore befanden, mussten rechtzeitig in die Stadt zurückkehren, um nicht über Nacht ausgesperrt zu werden.
Direkt neben der Uhr befindet sich die Synagoge. Diese wurde am 9. November 1938 geschändet und niedergebrannt. Die Darstellung erinnert bis heute daran, dass in Jülich, mit der Unterbrechung während der Zeit des Nationalsozialismus, über lange Zeit eine lebendige jüdische Gemeinde bestand.
Jülich wuchs: Ein geteiltes Wappen mit Andreaskreuz erinnert an die Umsiedlungen sowie Eingemeindungen der Jülicher Vororte. Bereits 1916 begann südlich von Jülich der Bau des Eisenbahnausbesserungswerks. In diesem Zusammenhang wurden Selgersdorf sowie Altenburg und Daubenrath nach Jülich eingemeindet. 1936 kam Krauthausen hinzu, das jedoch 1972 wieder an Niederzier zurückfiel. Im Zuge der kommunalen Neugliederung von 1972 wurden weitere Orte wie Kirchberg, Koslar, Barmen, Merzenhausen, Broich, Mersch, Pattern, Güsten, Welldorf und Stetternich Teil der Stadt Jülich. Durch den Braunkohleabbau musste später zudem die Orte Lich und Steinstraß aufgegeben werden und wuchsen im so genannten Möhnewinkel als jüngster Stadtteil Lich-Steinstraß zusammen.
Kirche und Stadtteile gehören zusammen: Der Ausbau des Jülicher Nordviertels sowie die Errichtung der Kirche St. Franz Sales ist zu sehen, ebenso der heilige Rochus mit seinem Hund, der an den Bau der Stadtteil-Kirche im Heckfeld 1962 / 63 erinnert. Symbolehaft sind schließelich auch Fortschritt und Zukunft gezeigt, die insbesondere die Bedeutung des Forschungszentrums Jülich hervorhebt, der als größter Arbeitgeber die Entwicklung der Stadt maßgeblich prägt. Mit einem Wappen schließt sich endlich der Kreis der ersten Geschichtsspirale. Es ist der Dank der Künstlerin an Propst Heinrich Bongard, den damaligen Hausherrn und Auftraggeber der einstigen Pfarre St. Mariä Himmelfahrt
Was natürlich auch auf keinen Fall fehlen darf: Die traditionsreiche Mutkrate als Sinnbild der Jülicher Bürger und Bürgerinnen. Nach ihr muss man etwas suchen. Sie sitzt ganz oben unter dem Säulensims mit Blick in Richtung Kirchenpforte.
Im zweiten umlaufenden Band, dass sich in einzelnen Motive mit der ersten Zeitspirale überschneiden, sind vertiefende Szenen zur römischen Geschichte, Mittelalter, Stadtbrand wie auch zur seligen Christina von Stommeln als Person, die Gründung des Kreises Jülich, Industriealisierung und die nahezu völlige Auslöschung Jülichs am 16. November 1944 bis zum Wiederaufbau. Zuweilen führt der Blick auch ins Detail: wie der Triglyphenfries am herzoglichen Schloss der Zitadelle, welches ein dekoratives Steinband mit typischen rechteckigen Formen der antiken Baukunst ist.
Die geistliche Führung wird an jedem 2. Samstag des Monats in oder an der Propsteikirche angeboten.
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