Der Weg zum Ersatzbau für das Neue Rathaus in Jülich war lang – und politisch umkämpft. Die Erkenntnis, dass eine Sanierung oder ein Neubau notwendig sein werden, liegt fast 20 Jahre zurück. Als Ende 2023 die Heizung im Verwaltungsbau ausfiel und der Mitarbeiterstamm in Heimarbeit geschickt wurden, wurde die Dringlichkeit bewusst und der Prozess erneut angestoßen. Nach längerer Vorlaufzeit steht die notarielle Unterschrift endlich bevor. Es kann losgehen.
Für Martin Jungmann, Geschäftsführer der SEG Stadtentwicklungsgesellschaft Jülich, markiert das Projekt nun den Übergang von der Planungs- in die Umsetzungsphase. „Es war noch kein Auftrag erteilt, da gruben die Archäologen schon“, unterstreicht er den Anspruch der SEG, das Vorhaben voranzutreiben, um keine weitere Zeit zu verlieren. Nach Monaten des Abstimmens, Prüfens und Verhandelns konnte Ende Mai nun schließlich der Vertrag mit dem Bauunternehmen und in Kürze die notarielle Unterschrift unter den Kaufvertrag erfolgen. Jetzt kann es dann wirklich losgehen.
Ein kleiner Rückblick
Der Stadtrat beschloss nach einer Kosten-Nutzen-Abwägung in der Sitzung vom 25. September 2024 mehrheitlich den Bau eines Bürogebäudes für maximal 240 Arbeitsplätze als Ersatzbau der Stadtverwaltung während der Sanierungsarbeiten des Rathauses an der Großen Rurstraße. Er soll als Übergangs- beziehungsweise Zwischenlösung für die Stadtverwaltung dienen. Die Verwaltung wurde offiziell beauftragt, eine solche Lösung auszuschreiben und zu realisieren. Parallel dazu liefen und laufen weiterhin politische Beratungen über die Zukunft des bisherigen Rathausstandortes und mögliche Bürgerangebote in der Innenstadt.
Dass das Projekt überhaupt so lange dauerte, hatte mehrere Gründe. Nach Angaben der Projektverantwortlichen mussten zahlreiche Herausforderungen bewältigt werden. Ursprüngliche Angebote verloren durch internationale Krisen – insbesondere infolge des Irankrieges – ihre Gültigkeit. Preissteigerungen und Gestaltungsvorgaben des Bebauungsplans erschwerten die Kalkulation zusätzlich. Schließlich wurde ein europaweites Vergabeverfahren notwendig, das den Zeitplan weiter streckte. Zudem mussten zahlreiche mögliche Standorte untersucht werden. Insgesamt seien zehn Grundstücksoptionen in Jülich geprüft worden. Am Ende fiel die Entscheidung auf den Brainergy Park. Dort entsteht nun das Projekt mit dem Arbeitstitel „Temporary City (Hall) Jülich“, kurz TCJ. Die Lage gilt aus Sicht der SEG als optimal. Nachdem zunächst beschlossene Sache war, dass die Verwaltung „auf jeden Fall“ in die Innenstadt zurückziehen müsse, wie von verschiedenen Parteien betont wurde, wird der Brainergy Park künftig wohl für die Mehrzahl der Ämter Stammsitz werden. Die Politik hatte jüngst enschieden, dass nach energetischer Sanierung des Rathauses „nur noch“ die bürgernahen Dienstleistungen an den alten Standort in der Innenstadt zurückverlagert werden sollen.
Geplant ist ein modernes L-förmiges Gebäude mit verbindenden „Gelenk“-Foyer aus Glas. Die Visualisierungen zeigen einen viergeschossigen Verwaltungstrakt, Dachterrasse sowie großzügige Fensterflächen. Ergänzt wird das Ensemble durch ein separates Parkhaus mit mehr als 90 Stellplätzen. Auch Behindertenparkplätze unmittelbar vor dem Gebäude sind vorgesehen. Bereits die Präsentation der SEG hebt hervor, dass die offene System-Parkgarage bewusst flexibel und wirtschaftlich konzipiert wurde.
Der Bau soll rund 5600 Quadratmeter Fläche umfassen und direkt am Hub, dem Herzstück des Brainergy Parks, liegen. Die Investitionssumme für das Rathaus belaufen sich auf rund 28 Millionen Euro. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung beabsichtigt die SEG Jülich weitere Kosteneinsparungen im weiteren Verfahren zu identifizieren, um möglichst wirtschaftlich zu handeln, ohne den Weiterverkaufswert zu mindern.
Die Projektverantwortlichen von Stadtverwaltung und SEG Jülich betonen zudem, dass Nachhaltigkeit und flexible Nutzung zentrale Leitgedanken des Vorhabens sind. Vorgesehen sind Photovoltaikanlagen, Dachbegrünungen, ein energieeffizientes (und nahezu CO2-neutrales) Versorgungssystem, ein Gebäude nach dem KfW-40-Standard sowie wandelbare Bürostrukturen. Der Ratssaal soll mit Blick ins Grüne entstehen, während offene Büroflächen später problemlos an andere Nutzer angepasst werden könnten. Die Baugenehmigung liegt bereits vor.
Die geplante Bauzeit beträgt etwa zwei Jahre – so lange müssen die für die Stadt Jülich und seine Bewohnerschaft arbeitenden Menschen gegebenenfalls mit dicken Jacken im Winter tätig sein.
















