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Erster Aufschlag vor 75 Jahren

Seit 75 Jahren Tischtennis von Rang in Jülich: Vom TTC Jülich e.V. zum TTC indeland Jülich 1948 e.V.

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Bundesliga-Flair in der Sporthalle Berliner Straße. Foto: Archiv TTC
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Als am 1. Dezember 1948 16 Herren im Jülicher Hotel-Restaurant Heitzer den TTC Jülich e.V. aus der Taufe hoben, konnten sie nicht ahnen, welche Erfolgsgeschichte damit ihren Anfang nahm. Gut 70 Jahre später stehen bedeutende nationale und internationale Titel auf der Habenseite des Vereins. Die Profimannschaft nimmt in der ewigen Tabelle der Tischtennis-Bundesliga den vierten Platz ein. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass der Jülicher Tischtennisclub Sportgeschichte geschrieben hat.

Tischtennis hatte schon vor 1948 in Jülich Anhänger gefunden. Innerhalb des als Fußballverein bekannten SC Jülich 1910 e.V. hatte es eine Tischtennisabteilung gegeben, die aber 1948 aufgelöst wurde. Dies war der Anlass zur Gründung eines eigenständigen Tischtennisvereins am 1. Dezember 1948. Auf Kreisebene konnte der Verein rasch erste Erfolge vorweisen. Anlässlich des 10-jährigen Bestehens veranstaltete der TTC vom 11. bis 19. Oktober 1958 eine internationale Sport- und Werbewoche in Jülich, die schon andeutet, dass man überregionale Anerkennung suchte.

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Seit 1962 spielte die 1. Herrenmannschaft in der neu eingeführten Bezirksliga, aus der sie nur kurzzeitig wieder in die Bezirksklasse abstieg. In den 1970er-Jahren ging dann der Aufstieg über die Landes-, Verbands- und Oberliga bis schließlich 1977 in die Bundesliga. Auch die Damenmannschaften waren erfolgreich. Als Beispiel sei die 2. Damenmannschaft genannt, die in der Spielsaison 1966/67 Bezirksmeister wurde.

Erfolgreiche Damen. Foto: Archiv TTC

Die Arbeit des TTC beruht heute auf drei Säulen: der Profiabteilung, die organisatorisch ausgegliedert ist, dem Amateurbereich und der Jugendabteilung. Vor allem für die zahlreichen Jugendlichen im Verein sind die Profispieler ein nicht zu unterschätzendes Vorbild und Antriebsfeder für den eigenen Erfolg. Die große integrative Kraft von Sport für Jugendliche in die Gesellschaft, die Arnold Beginn mit dem 1998 begonnenen Projekt „Turnhalle statt Straße“ aufgegriffen hat, darf dabei nicht unterschätzt werden. Sie ist denn auch letztlich wichtiger als die Entdeckung einzelner Talente, die das Zeug zum Profi hätten.

Die zur Nordschule gehörende Turnhalle an der Berliner Straße ist die Heimat des TTC. Hier werden auch die Ligaspiele ausgetragen. Die internationalen Spiele in den 1980er- und 1990er Jahren fanden teilweise im Pädagogischen Zentrum im Schulzentrum an der Linnicher Straße statt. Damals berichtete der Fernsehsender RTL live von den Spielen, was heute durch die Dominanz anderer Sportarten kaum mehr vorstellbar ist.

Arnold Beginn zur aktiven Zeit als kritischer Beobachter. Heute ist er Ehrenvorsitzender des TTC. Foto: Archiv TTC

Lange Jahre befand sich das Vereinsheim in den Baracken an der Ecke Berliner/Linnicher Straße, die am Anfang der 1960er-Jahre für die in Aufbau befindliche Staatliche Ingenieurschule (heute Campus Jülich der FH Aachen) errichtet worden waren. Diese brannten jedoch 1988 teilweise ab, was den Verein vor große Herausforderungen stellte. Eine neue Heimstatt fand man in der Stadthalle in der Düsseldorfer Straße, nachdem das dortige Restaurant endgültig geschlossen worden war. Heute hat der Verein seine Geschäftsstelle im Haus der Arbeiterwohlfahrt in der Jülicher Promenade untergebracht. Beim Brand wurden auch die älteren Vereinsunterlagen weitgehend vernichtet, was die Geschichtsschreibung über den Verein sehr erschwert. Glücklicherweise verfasste Joachim Brockob, der 1949/1950 und von 1958 bis 1972 Vereinsvorsitzender war, zum Bundesligaaufstieg 1977 eine detaillierte Vereinsgeschichte, die die ersten knapp drei Jahrzehnte abdeckt.

Sie erlaubt auch eine interessante Binnensicht, die im Fall des TTC mit Blick auf die Vorstandsmitglieder eine starke Verwurzelung in der Jülicher Stadtgesellschaft zeigt und den unermüdlichen Einsatz der Aktiven deutlich werden lässt.

Dem stehen die Notwendigkeiten des Profibereichs entgegen, in dem Spieler aktiv sind, die keinen örtlichen Bezug haben. Das galt vor allem in den 1990er-Jahren für Spieler aus China, dem Tischtennisland schlechthin. Für Jülich standen an der Platte: Ma Wenge (Weltmeister), Wang Tao (Weltmeister), Lu Lin (Weltmeister und Olympiasieger), Wang Hao (Teamweltmeister), Kong Linghui (Olympiasieger), Wang Liquin (Weltmeister und Olympiasieger) sowie schließlich Liu Guoliang (Weltmeister und Olympiasieger). Letzterer ist heute General-Cheftrainer der chinesischen Tischtennis-Nationalmannschaft.

Nachdem der TTC in den letzten beiden Spielzeiten (2018/19 und 2019/20) noch einmal in der 1. Tischtennis-Bundesliga gespielt hat, dort aber durchweg chancenlos war, startet er in der aktuellen Spielzeit 2023/24 wieder in der 2. Liga. Den Aktiven ist zu wünschen, dass sie den Spagat zwischen Profi- und Amateurbereich weiterhin schaffen und ein wichtiger Imageträger von Jülich und der Region bleiben. Die Faszination, die die Dynamik der schnellen Ballwechsel auslöst, wird auch weiterhin viele Menschen in ihren Bann ziehen.

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Guido von Büren
Eine echte Muttkrat und mit unbändiger Leidenschaft für Geschichte und Geschichten, Kurator mit Heiligem Geist, manchmal auch Wilhelm V., Referent, Rezensent, Herausgeber und Schriftleiter von Publikationen, Mitarbeiter des Museums Zitadelle und weit über die Stadtgrenzen hinaus anerkannter Historiker, deswegen auch Vorsitzender der renommierten Wartburg-Gesellschaft

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