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Eva Behrens-Hommel

Von Bergjuffern und Zöbbelsdeeren. 
Sammlerin von fabelhaften Sagen des Jülicher Landes.

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Eva Behrens-Hommel. Foto: la mechky +
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Vormoderne Zeiten verbinden wir mit einem engen Weltbild der Menschen, deren Leben von einem tief verwurzelten Aberglauben geprägt war. Erst das Licht von Humanismus und Aufklärung sowie die Errungenschaften der Französischen Revolution „befreiten“ den Menschen von Irrglauben und Irrationalität, wobei die Trennung von Staat und Kirche sowie das allmähliche Zurückdrängen der Volksfrömmigkeit mit zur „Entzauberung“ der Welt beigetragen haben. Gleichwohl zeigen uns in der Gegenwart Verschwörungstheorien und der Glaube an übernatürliche Phänomene, dass die Rationalität nicht als Sieger der Geschichte hervorgegangen ist.

Auch das Jülicher Land war in der Vergangenheit von zahlreichen Sagengestalten bevölkert, die Mal böser Mal guter Natur waren. Die Diplompädagogin Eva Behrens-Hommel, die von 1985 bis 2019 mit ihrem Mann Wolfgang die Buchhandlung Fischer geführt hat, gab 1996 erstmals eine Sammlung von „Sagen und Überlieferungen des Jülicher Landes“ heraus. Damit brach sie Mitte der 1990er Jahre in eine nahezu vollständige Männerdomäne ein, die bis dahin die heimatkundliche Literatur darstellte. Die Sammlung war so erfolgreich, dass 2015 im Heimatverlag Jos. Fischer eine erweiterte Neuausgabe erschienen ist. Darin hat die Herausgeberin mehr als 150 Sagen, Legenden und Überlieferungen zusammengestellt, die mit Orten des Jülicher Landes verbunden werden. Sie konnte dabei auf ältere Sammlungen zurückgreifen und vor allem auf die „Rur-Blumen“, die von 1921 bis 1944 als Wochenendbeilage zum Jülicher Kreisblatt erschienen sind.

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Das Aufzeichnen von Sagen und Legenden hat eine lange Tradition, wobei man unterscheiden muss zwischen den Texten, die sich auf Heilige oder wundertätige Ereignisse im christlichen Kontext beziehen und solchen, deren Quellen eher heidnischen Ursprungs sein sollen. Aus historisch-kritischer Perspektive ist gerade bei Letzteren eine gewisse Vorsicht geboten. Die scheinbar über einen langen Zeitraum mündlich überlieferten Erzählungen sind nicht selten literarische Produkte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Das ändert aber nichts am Reiz der Texte, die bekannte Örtlichkeiten mit schauerlichen Geschichten verbinden.

Eve Behrens-Hommel hat auf älteren Sammlungen aufbauend die Texte thematisch gegliedert: Juffern, Heinzelmännchen, Truglicht, Geisterführer, Hexen, Werwölfe und Zubbelsdeere, Ritter, Heilige, Bockreiter, versunkene Burgen, das wüste Leben und Nachleben der Jülicher Grafen, Soldaten, Wunderheiler sowie Narren. Die Juffer, Jungfer, „ist eine einzelne Frau von Stand, die durch ein schuldhaftes Versäumnis zu Lebzeiten zu mitternächtlichem Umgehen verurteilt ist.“ Das Zubbels- oder Zöbbelsdeer (Zotteltier) ist eine ganz besonderer Unhold, ein zotteliges, schwarzes Tier, das Menschen anspringt und sich von diesen tragen lässt. Es gehört damit zu den „Aufhockern“. Ganz selten wird in unserer Region eine Verbindung zu Werwölfen hergestellt, dass also das Zubbelsdeer eigentlich ein Mensch ist, der sich zeitweilig in den tierischen Unhold verwandelt.

Die älteste Quelle für Sagen und Legenden aus unserem Raum ist das 1222 erschienene Buch „Dialogus miraculorum“ (Zwiegespräch über Wunder) des Zisterziensermönchs Caesarius von Heisterbach (um 1180–nach 1240). In Form eines Dialoges zwischen einem Mönch und einem Novizen werden insgesamt 746 Geschichte erzählt. Einige davon kreisen dabei um Graf Wilhelm II. von Jülich (1176–1207), von dem ein sehr negatives Bild gezeichnet wird. Der Hintergrund hierfür war ein politischer, befand sich doch der Graf unter den zeitgenössischen Gegner des Papstes. Selbstredend war nach Caesarius Wilhelm II. nach seinem Tod in der Hölle gelandet, wo er unsägliche Qualen erleiden musste.

Wir verdanken Eva Behrens-Hommel noch eine weitere Zusammenstellungen von Texten aus der näheren Heimat: 1997 erschien die 320 Seiten umfassende „Mundartsammlung des Jülicher Landes“, die Texte von 25 Mundartautoren aus den Rur-Blumen wieder zugänglich gemacht hat. Auch dies eine interessante Lektüre!

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Guido von Büren
Eine echte Muttkrat und mit unbändiger Leidenschaft für Geschichte und Geschichten, Kurator mit Heiligem Geist, manchmal auch Wilhelm V., Referent, Rezensent, Herausgeber und Schriftleiter von Publikationen, Mitarbeiter des Museums Zitadelle und weit über die Stadtgrenzen hinaus anerkannter Historiker, deswegen auch Vorsitzender der renommierten Wartburg-Gesellschaft

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