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Fred Oellers

Ein "heißer Typ", der Mangel(n) beherrscht.

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Fred Oellers. Foto: la mechky plus
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Die Heißmangel hat ihren Namen mehr als verdient: Fast 200° Celsius schafft das gigantische Gerät. Kein Wunder, dass es im Betrieb von Fred und Angela Oellers in Koslar auch bei herbstlichen Temperaturen schweißtreibend warm ist. „Mir macht das nichts aus“, meint Oellers überzeugt, überprüft mal kurz, ob der Trockner seinen Job macht, und erklärt, warum es so heiß sein muss. Die riesigen Walzen nehmen „klatschnasse“ Wäsche in die Mangel. „Je nasser, desto glatter“, weiß der Fachmann und erläutert, dass 50 % Restfeuchte im Wäschestück für ein glattes Ergebnis optimal sind. Direkt aus der Waschmaschine – auch diese sind in Oellers‘ Betrieb eine Spur größer als im eigenen Haushalt – wandern Tischtücher, Bettlaken und alles andere, was faltenfrei zum Besitzer zurückkommen soll, in die Mangel. Nur Hotelbettwäsche bekommt eine Extrarunde im Trockner. Durch die drei Lagen des typischen „Hotelverschlusses“ klappt es sonst mit der Restfeuchte nämlich nicht.

Wäsche waschen und auch mangeln sind eine Wissenschaft für sich, weiß der Experte. Dabei begann das Berufsleben des Fred Oellers statt zwischen den heißen Maschinen unterm gläsernen Dach der Gewächshäuser in einer Zierpflanzengärtnerei. Auch dort ist es übrigens ganz schön warm, verrät der Wäscheprofi schmunzelnd. Nach seiner Ausbildung zum Zierpflanzengärtner stellte Oellers recht schnell fest, dass die zarten Pflänzchen doch nicht ganz das Richtige für ihn waren, und schlug einen ganz anderen Weg ein. „Ich war Soldat“, erzählt Oellers und verrät, dass ihm das eigentlich ganz gut gefallen habe. Wieso er dann letztlich doch die elterliche Wäscherei samt Heißmangel übernommen hat, kann er gar nicht so ganz genau erklären, doch Tatsache ist, dass Oellers und seine Frau bereits seit 1989 den Betrieb führen. Zu Spitzenzeiten arbeiteten 17 Angestellte dort zwischen Waschmaschinen, Trockner und Heißmangel. Heute reinigen, bügeln und mangeln noch vier Mitarbeiter gemeinsam mit dem Ehepaar Oellers hier tonnenweise Wäsche und liefern sie anschließend auch wieder aus – faltenfrei, versteht sich. „Alleine würde ich das nicht schaffen“, weiß Fred Oellers voller Überzeugung. „Ohne meine Frau wäre ich verloren. Sie ist das eigentliche Herz des Betriebs.“ Von montags bis samstags steht Oellers mit seiner Frau hier zwischen den Wäschebergen. Viel Zeit für Freizeit und Hobbys bleibt da nicht, vom Urlaub ganz zu schweigen. Der letzte richtige Urlaub ist schon lange her. „Da waren die Kinder noch klein“, überlegt er. Wofür Oellers allerdings immer Zeit findet, ist der große Hund, mit dem er von Koslar aus bei Wind und Wetter losspaziert: „Alleine würde ich das nicht machen, aber mit dem Hund immer. Und das tut richtig gut, sich die frische Luft um die Nase wehen zu lassen. Das macht den Kopf frei.“ Früher waren Hund (damals noch ein anderer) und Herr sogar beim Hundesportverein in Jülich aktiv, aber heute genügt ihm der tägliche Spaziergang vollends.

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Viel frische Luft hat Fred Oellers auch in seiner „Karriere“ als Fußballtrainer geschnuppert. Als die jüngere Tochter ihren Spaß am Spiel entdeckte, wurde der Vater zum Trainer und verbrachte fortan „viel Zeit“ auf dem Rasen der Viktoria in Koslar. „Das war eine schöne Zeit. Ist doch super, wenn man mit seinem Kind die Freizeit verbringen kann“, freut er sich noch im Nachgang, auch wenn das Trainerdasein natürlich auch ein paar Nerven gekostet hat, wie er lächelnd zugibt.

Nervenschonender ist da die andere Leidenschaft des Fred Oellers: Der Eisenbahnmodellbau hat es ihm angetan. Einen Hobbyraum hat der Koslarer schon mit Schienen und Bahnen ausgestattet. Demnächst soll eine zweite Bahn folgen. „Wo die Kids ausgezogen sind, bau ich noch eine neue“, freut er sich schon darauf und erklärt auch gleich warum: „Ich bau mir da meine eigene heile Welt.“ Dort könne er abschalten und finde einen Ausgleich „zu den vielen schlechten Nachrichten in der Welt“. Das Radio möge er schon fast nicht mehr anschalten, tut es dann aber doch, wenn er mit der gemangelten Wäsche im Transporter unterwegs ist. Vor allem die beständige Diskussion um steigende Preise für Strom und Gas treibt den Wäscherei-Inhaber um: „Wenn ich die Energiekosten sehe, wird mir übel.“ Ein sorgenvoller Blick gilt angesichts dieser Worte den riesigen Maschinen, die garantiert eine Menge Energie fressen, um so richtig heiß zu laufen.


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