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Jülich zwischen den Kriegen

Seit vielen Jahren ist sie Insidern nur als „Kintzen-Chronik“ bekannt, benannt nach dem langjährigen Bürgermeister Jülichs Johannes Kintzen. Tatsächlich war sie aber eine Gemein-schaftsarbeit von mehreren Mitarbeitern der Stadt. Jetzt ist die Chronik – auch als Gemeinschaftsprojekt – als kommentierte Edition veröffentlicht worden.

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Mitarbeitende der Stadtverwaltung Jülich beim Besuch des Schützenhauses im Jahr 1927. Foto: Stadtarchiv Jülich, 015, Nr. 158, nachträglich koloriert
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Das Abfassen von Verwaltungsberichten hat eine lange Tradition. Seit 1856 schrieb die Rheinische Städteordnung einen jährlichen „Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten“ vor. Außergewöhnlich an dem jetzt veröffentlichten Verwaltungsbericht – denn das ist die „Chronik“ tatsächlich – ist der lange Berichtszeitraum von 23 Jahren. Die Drucklegung des Verwaltungsberichtes über die Jahre 1914-1937 ermöglicht nun tiefe Einblicke darin, wie die Verwaltung unter drei unterschiedlichen politischen Systemen Kaiserreich, Weimarer Republik und NS-Diktatur mit den Herausforderungen der Zeit umging.

In den insgesamt 21 Kapiteln erfährt man nicht nur etwas über die Arbeit der Verwaltung, sondern auch viele Details zur Stadtgeschichte, so zur Garnison, dem Ersten Weltkrieg und der Besatzungszeit. Dabei wurde schon damals für Recherchen das Archiv der Stadt genutzt. In vielen Kapiteln wird die Geschichte der Institutionen ausführlich vorangestellt (zum Beispiel Feuerwehr, Krankenhaus, Sanitätskolonne und Schlachthof). Der Bericht beschreibt die Entstehung von Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk, daneben die städtebauliche Entwicklung der Stadt mit dem Ausbau neuer Wohngebiete (Heckfeld), aber auch die Entstehung zahlreicher Kultureinrichtungen wie Heimatmuseum, Stadtarchiv, Stadtbibliothek und Stadttheater. Die Entwicklung der Schulen – hier besonders die Entstehung der Berufsschule – und des städtischen Kindergartens werden behandelt. Im Bereich Sport werden die in dieser Zeit entstandenen Sportanlagen beschrieben und drei Sportvereine (Sportclub Jülich 1910, Turnverein und Wassersportverein) porträtiert. Weitere Themen sind Wohnungs- und Verkehrswesen (darunter auch Post und Reichsbank) sowie das Fürsorgewesen.

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Der Bericht enthält eine große Zahl zusammengestellter Daten, so Statistiken zu Einwohnerzahlen, zu Bevölkerungsbewegungen, die Wahlergebnisse aller Wahlen von 1919 bis 1933, Informationen über die Steuereinnahmen, eine umfangreiche Kriminalstatistik und Schulstatistiken. Daneben wird in umfangreichen Listen das gesamte Personal der Verwaltung aufgeführt, werden die Mitglieder des Stadtrates für den ganzen Berichtszeitraum namentlich genannt oder die Besetzung der verschiedenen Ausschüsse und das Lehrpersonal an den Schulen aufgelistet. Damit ist der Band auch eine Fundgrube für Familienforscher, bietet aber auch für weitere Forschungsgebiete eine wichtige Grundlage: Wirtschaftsgeschichte, Aspekte der Sozialgeschichte, Verwaltungsgeschichte, Militärgeschichte oder für die Erforschung der Stadtentwicklung.

Für die Veröffentlichung wurde der im Original 626 Seiten umfassende maschinengeschriebene Verwaltungsbericht durch ein Team von insgesamt zehn Personen mit Kommentaren versehen. Sie erklären unverständliche Begriffe, geben Hinweise auf weitere Quellen im Stadtarchiv oder auf weiterführende Literatur. Damit ist die Edition auch ein Wegweiser zum erst kürzlich vollständig erschlossenen Bestand III (Jülich 1907-1944) und den anderen noch erhaltenen Quellen aus dieser Zeit. In Kombination mit den Beständen des Stadtarchivs bieten sich noch einmal ganz neue Forschungsansätze.

Das Herausgeberteam setzt sich aus Mitgliedern der Jülicher Arbeitsgruppe des „StadtRäume“-Projektes des Jülicher Geschichtsvereins zusammen. Außerdem konnten zwei weitere externe Experten gewonnen werden. Zahlreiche Abbildungen vermitteln ein lebendiges Bild über die Geschichte von Jülich zwischen den Kriegen. Der Band ist ab sofort im örtlichen Buchhandel und im Stadtarchiv erhältlich.

Foto: Verlag

Susanne Richter (Hrsg.): JÜLICH ZWISCHEN DEN KRIEGEN Verwaltungsbericht 1914 bis 1937 – Edition unter Mitarbeit von Eva Behrens-Hommel, Guido von Büren, Jacek Grubba, Alexander Holz, Wolfgang Hommel, Elke Janßen-Schnabel, Peter Nieveler, Horst A. Wessel, Klaus Wölfle | 464 S. | 155 Abb. | ISBN 978-3-945025-90-1 | Ammianus-Verlag Aachen | Preis: 29,90 Euro


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