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Marianne Lohmer

Auszubildende sein und im Ruhestand? Klingt ungewöhnlich, ist aber kein Scherz! Marianne Lohmer hat sich dazu in der Corona-Zeit entschieden. Sie lernt das Handwerk des Clown-seins.

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Marianne Lohmer. Foto: la Mechky plus
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Sportlich und aktiv wirkt sie, mit einem Lächeln in den Augenwinkeln, aber dennoch eher etwas zurückhaltend. „Clown“ wäre nicht das Erste, was einem bei einer Begegnung einfallen würde. Das mag daran liegen, dass sie sich für eine besondere „Bühne“ entschieden hat. Marianne Lohmer wird Klinik-Clown. Sie besucht Kinder und Erwachsene, Schwer- und Schwerstkranke, dem Tode Geweihte, ist in Krankenhäusern und auch immer mehr in Senioreneinrichtungen bei Demenzkranken im Einsatz. Bei diesen Begegnungen sind es nicht die großen Schenkelklopfer und Effekthaschereien, die zählen. Die wichtigste Frage sei anfangs immer: „Darf ich reinkommen?“

Im Ausbildungsgang in der „TuT – Schule für Tanz, Clown & Theater“ heißen die Kurse im Programm Clown für Anfänger etwa „Die Kraft des Lachens“, „Clownerie und Entspannung“ und „Humor hilft heilen“. „Letzteres ist immer dabei und steht über allem“, sagt die Azubi, die bereits sechs Blockseminare in der Hannoverschen Clownschule absolviert hat. „Das Wichtigste ist“, lautet ihre Erkenntnis, „dass man erst mal weiß, wer man selbst ist. Mit allen Facetten.“ Erst später lerne man, wie man mit Alltagsgegenständen – etwa einem Kissen, einem Fenster oder gar einer quietschenden Türe – einen magischen Moment erzeugen kann.

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Wie kommt man auf eine solche Idee, Clown zu werden? „Ich liebe Zirkus!“, sagt Marianne Lohmer, und das Strahlen in den Augen lässt keinen Zweifel aufkommen, dass es genau so ist. Mit etwa acht Jahren sei sie das erste Mal in Bad Godesberg in einem Zirkus gewesen, und seitdem habe sie die Faszination nicht mehr losgelassen: „Diese besondere Atmosphäre, diese Verzauberung – ich hab‘ es geliebt und liebe es noch heute.“ Dabei war der Weg vom Logensitz bis zur Entscheidung, sich als Clown selbst vor Publikum zu wagen, ein langer.

Wer schon viele Jahre in Jülich lebt und Kulturfan ist, der kennt Marianne Lohmer: 1992 wurde die Absolventin der Verwaltungsakademie nach der sogenannten Familienphase und dem gelungenen Wiedereinstieg ins Berufsleben vom damaligen Dezernenten Joachim Krause aus dem Sozialamt ins Kulturamt geholt. Offenbar ein Erfolgsmodell, denn dort blieb Marianne Lohmer bis zur Pensionierung 2009 – zuletzt als Amtsleitung. Sie hat dem Theaterstarter in Jülich eine Bühne gegeben, für den sie bis heute in Aachen ehrenamtlich tätig ist – hatte beim furiosen Zitadellenfest mit der Aufführung der „Jülicher Hochzeit“ mit Guido von Büren die Federführung und war auch in der Geburtsstunde des Kulturbahnhofs für den damals noch als „soziokulturelles Zentrum“ titulierten „KuBa“ zuständig.

Schon ehe sie sich aus dem Berufsleben verabschiedete, wurde sie von einer Freundin ihrer Tochter, die bei dem Aachener Verein „Klinikclown“ aktiv war, zum Mitmachen aufgefordert. Zehn Jahre lang sorgte Marianne Lohmer nach dem Einstieg ins Leben als Pensionärin für die Organisation hinter den Kulissen, war für die Akquise zuständig und sorgte für „gute Presse“. Um zu wissen, was die Arbeit bedeutet, hat sie schon zu dieser Zeit Klinikclowns begleitet bei ihren… Nein! Auftritten trifft es nicht… Bei ihren Engagements! Und in der Coronazeit kam dann Marianne Lohmer die Frage: „Warum machst Du das eigentlich nicht selbst?“

Jetzt ist sie Matita. Das lautmalerische Wort, das sie im Italienisch-Kurs gelernt hat, gefällt ihr. „Es heißt übersetzt Bleistift“, schmunzelt sie, „aber ich schreibe und lese ja auch gerne.“ Wenn man einen Namen hat, was trägt man denn so als „Clown“? „Das ist ein Geheimnis, aber meine Figur ist auch noch nicht ganz fertig“, sagt die Azubi im dritten Lehrjahr geheimnisvoll. Der Clown, erklärt Marianne Lohmer, ist eine Figur. „Das bin nicht mehr ich. Ich schlüpfe in eine Rolle.“ Dazu setzt sie sich zuerst in einem Zeremoniell ihre Clownsnase auf. Dann könne sie alles sein: ein Tröster, ein Abwartender. „Ich muss nicht sofort in Aktion treten, sondern kann mir erst einmal die Situation anschauen. Ich reagiere nur auf das, was mir begegnet, und daraus mache ich eine Situation, die den anderen erleichtert, entspannt, zum Lächeln bringt… Tröstet. Das ist eine wunderbare Erfahrung!“


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