Start featured TrinkSprüche: Keramik der Renaissance

TrinkSprüche: Keramik der Renaissance

Im 16. und 17. Jahrhundert machte ein Exportschlager aus dem Rheinland europaweit Furore. Das Rheinische Steinzeug entwickelte sich zum absoluten Spitzenprodukt im Bereich Keramik. Es zeichnete sich durch die Vielfalt an Gefäßformen und die opulente, fantasiereiche, oft verspielt wirkende Reliefverzierung auf den Gefäßen aus.

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Lazarus-Schnellen. Foto: Horst Kolberg, Neuss
Lazarus-Schnellen. Foto: Horst Kolberg, Neuss
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Das Aufkommen des Rheinischen Steinzeugs ist dem Zusammentreffen von zwei historischen Entwicklungen geschuldet. Auf technischer Ebene hatten Töpfer im Spätmittelalter entdeckt, dass durch die Zugabe von Salz beim Brennen mit hohen Temperaturen eine Glasur auf der Gefäßwand entsteht, die sie praktisch wasserdicht werden lässt. Diesen Prozess nennt man Sinterung. Die Tone, die sich in rheinischen Lagerstätten wie Frechen und Siegburg finden lassen, eignen sich in ihrer Zusammensetzung besonders gut dafür. Daher wurden hier Trink- und Schankgefäße gefertigt, die zu den qualitativ hochwertigsten Keramikprodukten in Europa zählten, bis 1708 auch hier das Geheimnis der Porzellanproduktion gelüftet wurde.

Auf ästhetischer Ebene brach sich in den Steinzeuggefäßen die Epoche der Renaissance mit ihrem gesteigerten Interesse an künstlerischer Gestaltung Bahn. Die reich verzierten Gefäße zeigen demzufolge meist Motive aus der griechisch-römischen Antike. Gleichzeitig sind sie oft auch Spiegel der tief empfundenen Religiosität der Zeit, die von Konfessionstreitigkeiten und intensiver Frömmigkeit geprägt war.

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Das Rheinische Steinzeug war durch sein reiches Dekor geradezu prädestiniert dafür, als repräsentatives Tischgeschirr an renaissancezeitlichen Höfen zu dienen. Daher ist es nur passend, dass eine Auswahl von besonders schönem und aufwändig gestaltetem Steinzeug aus der Sammlung Karl und Petra Amendt nun im Schlosskeller der Zitadelle Jülich zu sehen ist. Hier befand sich nämlich u.a. auch die Küche der Jülicher Residenz, wo das Geschirr zum Einsatz gekommen ist.

Die Krefelder Sammler Petra und Karl Amendt haben in den vergangenen Jahrzehnten eine der bedeutendsten Privatsammlungen Rheinischen Steinzeugs aufgebaut. Stücke aus ihrer Sammlung befinden sich in vielen namhaften Museen im Rheinland und darüber hinaus. Im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums des Museums Zitadelle Jülich haben sie nun einige ausgewählte Stücke zur Verfügung gestellt, die seit dem 9. September 2018 in der Ausstellung „TrinkSprüche“ im Schlosskeller der Zitadelle zu bewundern sind und sich in hervorragender Weise mit den eigenen Beständen des Museums Jülich ergänzen.

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