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„Wir haben einen Auftrag“

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Von der bunten Vielfalt in die anonyme Gruppe. Der Marsch der Figuren von Ernesto Marques. Foto: Dorothée Schenk
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Eine Vielzahl von Figuren strebt in geordnet-ungeordneten Reihen auf einen Glaskasten zu. Die stilisierten Menschen sehen in ihrer Buntheit freundlich aus, fast dekorativ. „Sie sind ja auch hübsch“, sagt Künstler Ernesto Marques selbst über seine farbenfrohen Skulpturen und lächelt. Aber sie erzählen vom Gegenteil. Von Menschen, denen ihre Würde genommen wurde. Im Glaskasten stehen sie dicht gedrängt, inzwischen farblos. Das Individuum hat seine Einzigartigkeit verloren, wird zur Masse. Bilder im Kopf entstehen, und schon beginnt die Diskussion über Ausgrenzung, Krieg und Verfolgung und die Frage, wie wir heute miteinander umgehen.

Im Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich hat jetzt der erste Teil der dreiteiligen „Kunstroute der Toleranz“ eröffnet. Es ist ein ungewöhnliches Ausstellungsprojekt sowohl inhaltlich als auch räumlich. Die Route verbindet drei Kulturorte im Kreis Düren: das Deutsche Glasmalerei-Museum mit dem Thema „Zerbrechlichkeit“, das Burgenmuseum Nideggen mit „Würde“ und die Internationale Kunstakademie Heimbach mit „Befreiung“. Das große übergreifende Thema: die Demokratie in unserer Zeit – drei Orte bieten drei Blickwinkel. „Wir sind gerade in schwieriger Stimmung und wir müssen ein Zeichen setzen“, ist der gebürtige Portugiese Ernesto Marques überzeugt. Er sieht hier auch Künstler in der Pflicht: „Wir haben einen Auftrag, das zu tun.“

Künstler Ernesto Marques ist seit über 25 Jahren im Jülicher Land zu Hause und weit über die Grenzen seiner Wahlheimat hinaus durch seine Werkschauen und Installationen bekannt. Foto: Dorothée Schenk

Den nimmt er auf vielfältige Weise an. Marques zeigt einerseits Werke und lädt gleichzeitig ein, sich selbst als Teil der Ausstellung auf das Thema einzulassen – selbst zerbrechlich zu werden. Besucher können beispielsweise einen telefonzellengroßen transparenten Raum betreten. Plötzlich ist der einstige Betrachtende ein Exponat. Man kann beobachten, ist aber gleichzeitig sehr sichtbar und zugleich isoliert. Ein beklemmendes Gefühl, das Ernesto Marques ganz bewusst erzeugen möchte. Und: „Es ist auch ein Sinnbild, dass wir in der heutigen Zeit der Sozialen Medien selbst auch ,gläsern‘ sind.“

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Eindrucksvoll ist auch der „Infinity-Raum“, der die Waggons in die Konzentrationslager symbolhaft darstellt. Die Frage „Wie zeigt man diese unvorstellbare Zahl von 6 Millionen Ermordeten?“ wird nicht nur optisch gelöst. Hintergrundgeräusche vervollständigen das Bild. Besonders wichtig ist dem in Broich lebenden Künstler der interaktive Ansatz. Besucher können ihre Gedanken auf Karten schreiben und sie an einer „Wäscheleine“ Teil der Ausstellung werden lassen. Oder sie senden eine Audio- oder Videobotschaft, die sie selbst aufnehmen und die dann ebenfalls in der Ausstellung zu sehen und hören ist. Denn auch davon ist Marques überzeugt: Jeder Einzelne kann etwas tun. Meinungsvielfalt ist ihm ein Anliegen. Denn: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

AUSSTELLUNG BIS 28|02|2027 Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich | Rurstr. 9-11 |

Eröffnung der Ausstellung in Nideggen zum Thema „Würde“: Sonntag, 27. September, 11.30 Uhr, Burgenmuseum Nideggen.
Der Künstler greift das Thema als fundamentalen Wert unseres Lebens auf. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Dieser erste Satz unseres Grundgesetzes ist kein abstrakter Text. Er ist das Fundament unseres Zusammenlebens. In einer Welt, die zunehmend von Polarisierung geprägt ist, bringt die „Kunstroute der Toleranz“ diesen Kernwert mitten in unseren Alltag. Warum wir das Thema Würde sichtbar machen: Als Schutzschild gegen Hass: Würde verbindet uns alle, unabhängig von Herkunft, Glaube oder Lebensentwurf. Die Exponate machen die Verletzlichkeit, aber auch die unbändige Kraft der menschlichen Würde emotional greifbar. Als Kompass für Zivilcourage: Würde ist kein Zustand, sie ist eine tägliche Aufgabe.

Eröffnung der Ausstellung in Heimbach zum Thema „Befreiung“: Sonntag, 8. November, 11.30 Uhr, Internationale Kunstakademie Heimbach.
Toleranz erschöpft sich nicht im bloßen Erdulden von Unterschieden. Sie ist ein aktiver, lebendiger Prozess, der Brücken baut und Räume öffnet. Die „Kunstroute der Toleranz“ widmet sich daher in der Internationalen Kunstakademie in Heimbach ab dem 08. November bewusst nicht nur dem Aufzeigen von Missständen oder historischen Kämpfen. Sie stellt die befreiende Kraft, die Freude und die Hoffnung in den Mittelpunkt des künstlerischen Schaffens. Die Befreiung: Kunst bricht Ketten Die „Kunstroute der Toleranz“ lädt Sie ein, diese hellen, kraftvollen Facetten des Zusammenlebens zu entdecken. Die Kunstinstallation „Befreiung“ vermittelt Zuversicht und regt dazu an, eine von Toleranz geprägte Zukunft aktiv mitzugestalten.

Abschließend soll 2027 im Kreishaus Düren eine Präsentation gezeigt werden und ein Gesamtkatalog die Eindrücke der Ausstellungen sowie die Rückmeldungen des Publikums.

Zur Ausstellungstrilogie gibt es auch eine „Sammelkarte“. Wer alle drei Orte besucht und sich einen Stempel geben lässt, der kann an einer Verlosung teilnehmen. Zu gewinnen gibt es eine der Figuren von Ernesto Marques.

Hintergrund
Die „Kunstroute der Toleranz“ verbindet Kunst, Erinnerung und gesellschaftliche Verantwortung. Unter dem Leitgedanken „Nie wieder ist Jetzt!“ setzt sich das Projekt des Künstlers Ernesto Marques mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinander und schlägt zugleich den Bogen zu aktuellen Fragen von Ausgrenzung, Diskriminierung, Nationalismus und gesellschaftlicher Spaltung. Im Mittelpunkt stehen Offenheit, Vielfalt, Menschenwürde und die Verantwortung jedes Einzelnen für eine tolerante Gesellschaft.

Künstlerisches Bindeglied sind graue und farbige Figuren von Ernesto Marques. Während Grau für Spaltung, Diskriminierung und den Verlust von Individualität steht, verkörpern die bunten Figuren Vielfalt und Freiheit. Im Verlauf der Route entwickelt sich daraus eine Bewegung „von Grau zu Bunt“ – von Unterdrückung und Ausgrenzung hin zu Befreiung, Individualität und einem respektvollen Miteinander.

Begleitet werden die Ausstellungen von Workshops, Künstlergesprächen, Lesungen, Führungen und weiteren Mitmachangeboten. Damit soll die „Kunstroute der Toleranz“ nicht nur erinnern, sondern Menschen aller Altersgruppen zum Dialog und zum eigenen Nachdenken und Handeln anregen.

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