Start Magazin Kunst & Design Stabwechsel im Glasmalerei-Museum Linnich

Stabwechsel im Glasmalerei-Museum Linnich

Im Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich kündigt sich ein Stabwechsel an: Nach 13 erfolgreichen Jahren als Museumsdirektorin wird Dr. Myriam Wierschowski zum Ende des Jahres ihre Tätigkeit im Museum auf eigenen Wunsch beenden.

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Unter ihrer Leitung konnten Retrospektiven namhafter Glasmaler des 20. Jahrhunderts realisiert werden, darunter Johan Thorn Prikker (2007), Wilhelm Teuwen (2008), Anton Wendling (2010), Hubert Spierling (2010), Gottfried von Stockhausen (2011), Georg Meistermann (2011), Ludwig Schaffrath (2012), Heinrich Campendonk (2014) und Jochem Poensgen (2017). 2016 fand eine Ausstellung zu den Glasgemälden von Markus Lüpertz auf Initiative des Kreises Düren statt. Auch jüngeren Glaskünstlern wurde ein Ausstellungsforum geboten, wie beispielsweise Bernard Huber (2007), Raphael Seitz (2009), Tobias Kammerer (2013) und Thierry Boissel (2015). Der enge Austausch mit Glasmalereiwerkstätten führte zu weiteren Ausstellungen (Dr. Heinrich Oidtmann, 2008 und Hein Derix/Kevelaer, 2010). Begleitend zu den Sonderausstellungen erschienen wissenschaftliche Publikationen mit der Auswertung von Künstler- und Werkstattarchiven.

Die umfangreichen Künstlernachlässe von Maria Katzgrau und Erich Feld wurden während Dr. Wierschowskis Zeit im Museum aufgearbeitet und jeweils mit einer Ausstellung und einem Katalog dokumentiert.

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Des Weiteren engagierte Dr. Wierschowski sich für den Aufbau einer im Bestand bisher gänzlich fehlenden Sammlung der Klassischen Moderne mit Glasgemälden aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, u.a. von Johan Thorn Prikker, Anton Wendling, Georg Meistermann und Wilhelm Teuwen. Diese Sammlungslücke konnte durch gezielte Ankäufe und durch zahlreiche Schenkungen geschlossen werden.
Zu den bedeutsamen Schenkungen der letzten zwei Jahre zählen u.a. die beiden monumentalen Vanitas-Stillleben von Markus Lüpertz, das berühmte „Musikfenster“ von Johannes Schreiter, ein umfangreiches Konvolut von Glasarbeiten von Jochem Poensgen, zwei Glasgemälde Thorn Prikkers aus den 1920er Jahren, die aus der Sammlung des aufgelösten niederländischen Glasmalereimuseums in Ravenstein stammen und eine glasmalerische Inkunabel der Kunstgeschichte: Der dreiteilige „Kreuzigungszyklus“(1920) ebenfalls von Johan Thorn Prikker.

Neue Museumsdirektion wird Luzia Schlösser, die das Haus am 01. Januar 2019 übernehmen wird. Sie leitet bereits seit 15 Jahren erfolgreich das Burgenmuseum Nideggen und wird zukünftig für beide Museen verantwortlich sein.
Luzia Schlösser freut sich auf diese Aufgabe: Im Kontext ihrer Arbeit im Burgenmuseum befasste sie sich vor allem mit dem Handwerk der Glasherstellung und der Glasmalerei des Mittelalters sowie der Renaissance auf Burgen und Kirchen. Während vergangener Kooperationen zwischen dem Deutschen Glasmalerei-Museum und dem Burgenmuseum wurde ihr die Disziplin der Glasmalerei und der Glaskunst immer vertrauter. Besonders die Wechselausstellungen des Glasmalerei-Museums in den Räumen des Burgenmuseums, welche die Glasmalerei des 19. bis 21. Jahrhunderts repräsentierten, begeisterten sie zunehmend.

„Im Mittelalter waren die farbenprächtigen Glasmalereien häufig auch die `Biblia Pauperum ́, die Bibel der armen Bevölkerung, welche nicht lesen und schreiben konnte. Sie beinhalteten erzählende Botschaften und Werteorientierung. Die Notwendigkeit solcher Darstellungsweisen hat sich natürlich im Laufe der Jahrhunderte verändert. Gerade die faszinierenden Werke vieler Künstler in der Glasmalerei des 20. und 21. Jahrhunderts unterstreichen die Bedeutung der Glasmalerei als herausragendes Kunst- und Kulturgut.“, so Schlösser.
Ein wichtiges Anliegen ist es ihr, dass das Deutsche Glasmalerei-Museum als deutschlandweit einziges Museum für Flachglasmalerei wegweisende Kunstwerke dieses exklusiven Genres nicht nur ausstellt, sondern dass die Ausstellungspräsentation für verschiedene Zielgruppen einen besonderen und wiederkehrenden Anziehungspunkt darstellt.

Eine Besonderheit und ein guter Anknüpfungspunkt besteht darin, dass die Glasmalerei uns an vielen Orten unseres Lebens begegnet und so den Alltag verschönert und bereichert: in Kirchen, in Privathäusern, in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäusern und Seniorenheimen bis hin zu repräsentativen kommunalen Gebäuden, wie Rathäusern oder Gebäuden der Industrie.
Deshalb ist es wichtig, die herausragenden Werke des Deutschen Glasmalerei-Museums und ihre Botschaften mittels kunst- und museumspädagogischer Darstellungsformen und Methoden an viele Menschen zu transportieren.

„In den letzten Wochen habe ich viele Gespräche geführt und an einigen Veranstaltungen Linnichs sowie des Museums teilgenommen. Das Engagement und die Kooperationsbereitschaft haben mich sehr berührt und ich freue mich auf die vielfältigen Formen der Zusammenarbeit, um die Tore des Deutschen Glasmalerei-Museums Linnich für viele Menschen zu öffnen.“, resümiert Luzia Schlösser.

Luzia Schlösser wurde 1962 im Kreis Düren geboren. Sie studierte Religionspädagogik, Theologie und Pädagogik. Ihre Themenschwerpunkte waren die Kirchengeschichte vom Frühen Mittelalter bis zur Renaissance und die Botschaften und Aufklärung sakraler Kunst in der Kirchengeschichte sowie die Bedeutung der Kunst in Bildung und Ethik. Sie absolvierte außerdem eine Ausbildung zur Informatikkauffrau, was ihr im Umgang mit technischen Medien, aber auch in der Auseinandersetzung und Kommunikation mit verschiedenen grafischen und digitalen Kunstsparten nutzt. Viele Jahre arbeitete sie mit Studierenden und Lehrenden an Themenschwerpunkten wie der Kunst und der kulturellen Prägungen in der Wertevermittlung und Ethik sowie deren Notwendigkeit in Alltag.

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