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Ausschlag – Was ich noch sagen wollte…

Manchmal ist das ja so eine Sache mit dem Ausschlag

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Also sowohl mit dem willkommenen als auch mit dem unwillkommenen; mit dem, den man selber verschuldet hat und dem, gegen den man sich nicht wehren kann. Aber der Reihe nach. Der akut auftretende Hautausschlag ist natürlich selten willkommen und als pickeliger Teenager war auch ich kaum mit dem Argument zu beruhigen, dass dieser temporäre Zustand doch immerhin eine herbeigesehnte Marke sei auf dem Weg zum langfristig angestrebten Ziel des Erwachsenenseins. Nur wenige Jahre zuvor war mir – noch als Kind – zum Wort Ausschlag immer nur der völlig harmlose Witz eingefallen: Woran man denn merke, dass der Frühling die gefährlichste aller Jahreszeiten sei? Und ohne eine Antwort abzuwarten habe ich prustend erklärt, dass das bestimmt daran liege, dass der Salat schieße und die Bäume ausschlagen. Nun ja, spätestens, wenn die Pointe nur noch ein müdes Lächeln hervorruft, weiß man: Die Zeit des pubertierenden Ausschlags steht kurz bevor. Zeit und Ausschlag passen wirklich gut zusammen: Ich habe sofort Pendeluhren vor Augen und vor allem im Ohr – nicht nur den schwingenden Gong, sondern auch das röchelnd-rasselnde Geräusch, das den Ausschlag ankündigt und provoziert. Mehr oder weniger unmoralische Angebote kann man selber ausschlagen; sich selbst ins Auto gefahrene Beulen können nur Experten ausschlagen. Fair verlaufende Verhandlungen folgen Ausschlag gebenden Argumenten, in unfairen gibt es schon mal ausgeschlagene Zähne. Auf der Suche nach einer allumfassenden Umschreibung für das Wort Ausschlag stoße ich auf eine interessante Definition: Die „Verschiebung einer Marke an einer Skale bei Analogmessgeräten“. Zur Pendeluhr in meinem Kopfkino gesellen sich nun auf einmal auch noch das Fieberthermometer, die Tanknadel, das Tachometer, der Blutdruckmesser, die Waage und ein paar andere Gesellen, die charakteristisch „stufenlose und kontinuierliche Werte messen ohne den Einsatz von Digitalelektronik.“ Mit allen Vor- und Nachteilen. Ich lese vom Vorteil der „schnelleren und leichteren Wahrnehmung von Tendenzen und Schwankungen des Messwertes“. Stimmt tatsächlich, weil selber erprobt: Während eine Digitalwaage mir gnadenlos das tatsächliche Gewicht immer und immer wieder anzeigt und schlimmstenfalls auch noch vorliest, kann man auf der analog messenden Waage tatsächlich nach einer Rechts-Schwankung des Körpers mit einem Blick von rechts auf den Zeiger recht schnell einen verblüffenden Effekt beobachten: Binnen weniger Augenblicke nimmt man eine Tendenz des Messwertes zum Leichteren wahr! Nach links hat es leider den umgekehrten Effekt. Vielleicht kommt daher auch der Begriff „gelinkt“ werden…  Als weitere Nachteile analoger Messgeräte – neben diesem möglichen „Ablesefehler“ – werden zudem eventuelle Schäden durch thermische Überlastung oder die Gefahr mechanischer Überlastung aufgeführt, wenn Zeiger beim Hinausschießen über den Vollausschlag Schaden nehmen. Also wenn ein Flüssigkeits-Glas(fieber)thermometer über 42 Grad hinausschießt und das Röhrchen gesprengt wird oder der Zeiger eine Personenwaage unter der Last zusammenbricht, dürften weitaus größere Probleme vorliegen als jeweils ein kaputtes Messgerät…  Schlagen Sie sich gut durch den März.

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Gisa Stein
Aus dem Herzen der Lutherstadt Wittenberg in die Herzogstadt gekommen und angekommen: "Wenn ich erlebe, dass Menschen weite Wege gehen, gar von anderen Kontinenten anreisen, um die Jülicher Zitadelle zu besichtigen, entwickle selbst ich als "Immi" eine gewissen Stolz..."

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