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Kandidaturrede von Marco Johnen

Bewerbungsrede um die Landtagskandidatur 2027 von Marco Johnen bei der Delegiertenversammlung am 1. Juli 2026.

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Marco Johnen. Foto: privat / Archiv HZGM 2022
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Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

es ist kein Geheimnis, dass ich Patricia Peill und ihre Arbeit sehr schätze. Und ganz offen gesagt: Ich hätte mir gewünscht, über eine mögliche Nachfolge erst in einigen Jahren nachzudenken.
Aber die Situation ist nun eine andere. Die Entscheidung steht früher an. Und deshalb habe ich mir sehr bewusst die Fragen gestellt:
1. Kann ich mir eine Kandidatur wirklich vorstellen und steht meine Familie dahinter?

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2. Bin ich der Richtige für diese Aufgabe?
Zur ersten Frage gehört für mich mehr als ein einfaches Ja.
Ich habe intensive Gespräche mit meiner Frau geführt. Wir haben sehr offen darüber gesprochen, was dieses Amt für den Alltag, für die Familie und für die gemeinsame Zeit bedeutet.
Das klare Ergebnis ist: Meine Frau unterstützt mich und steht voll hinter einer Landtagskandidatur.
Mehr noch, wir haben dieses Thema zu unserem gemeinsamen Projekt gemacht.
Besser können die Voraussetzungen kaum sein.
Die zweite Frage ist ebenso entscheidend: Bin ich geeignet für diese Aufgabe? Bringe ich das mit, was jetzt gebraucht wird?

Ich bin seit 2005 Mitglied der CDU und damit seit über 20 Jahren kommunalpolitisch aktiv. Zehn Jahre Ratsmitglied, fünf Jahre als Fraktionsvorsitzender und seit letztem Jahr stellvertretender Vorsitzender unserer Kreistagsfraktion.
In all diesen Jahren wurde mir Schritt für Schritt mehr Verantwortung übertragen. Diese Erfahrungen aus der Kommunalpolitik prägen meinen Blick auf Politik.

Und, meine Damen und Herren, ich sage auch ganz offen: In vielen Jahren aktiver Politik habe ich sicherlich nicht immer alles richtig gemacht. Es gab Entscheidungen, die ich heute vielleicht anders treffen würde.
Das ist nicht schön – aber es gehört dazu. Entscheidend ist: Man lernt daraus.
Und ich habe gelernt. Aus Fehlern, aus Kritik und aus Erfahrung. Und dieser Lernprozess hört nie auf.

Im Januar werde ich 40 Jahre alt und stehe mitten im Leben. Viele der Themen, über die wir sprechen, erlebe ich ganz konkret – in der Kita unserer Tochter, auf der Arbeit oder im Alltag.
Ich sehe, wo es gut läuft, aber auch, wo es hakt. Und die Menschen erwarten zu Recht, dass wir nicht nur Probleme beschreiben, sondern Lösungen entwickeln.
Und genau mit diesem Anspruch trete ich an.
Mit meiner Motivation, meinen Erfahrungen und meinen Kompetenzen möchte ich dazu beitragen, dass wir zu guten Entscheidungen kommen.

Unsere politischen Mitbewerber setzen stark auf weiche und soziale Themen. In diesen Bereichen müssen auch wir Christdemokraten kompetent und glaubwürdig sein.
Gleichzeitig gehört zur Ehrlichkeit in der Politik aber auch, Grenzen zu benennen. In Zeiten knapper Haushalte und stagnierenden Wirtschaftswachstums lässt sich nicht jedes Problem mit immer mehr Geld und immer höheren Ausgaben lösen.
Wenn Staat und Kommunen leistungsfähig bleiben sollen, braucht es klare Prioritäten. Und es braucht den Mut zur Aufgabenkritik.
Nicht alles, was gut gemeint ist, ist dauerhaft auch finanzierbar. Genau diese Ehrlichkeit erwarte ich von verantwortungsvoller Politik.

Wir leben in einer Zeit großer Umbrüche. Diese Veränderungen bleiben nicht ohne Folgen. Sie verunsichern Menschen, stellen Gewissheiten infrage und fordern sogar unsere liberale Demokratie heraus.
Und all das geschieht nicht irgendwo. Nicht in Berlin. Nicht in Brüssel. Sondern hier bei uns.
Wir sehen es in der Jülicher Innenstadt, deren Geschäftsleben sich sichtbar verändert.
Wir erleben es in Aldenhoven, Inden, Langerwehe, Niederzier und Merzenich, wo mit dem Ende der Braunkohleförderung eine ganze Epoche zu Ende geht.
Wir sehen es in Nörvenich, Titz und Vettweiß, wo Landwirtschaft, Energieversorgung und Flächennutzung neu gedacht werden müssen.
Und wir erleben es in Linnich, wo mittelständische Unternehmen sich im internationalen Wettbewerb immer wieder neu behaupten müssen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie gestalten wir diesen Wandel? Wie schaffen wir neue Chancen, ohne Menschen zurückzulassen?
Genau darauf muss Politik Antworten geben. Nicht irgendwann, sondern jetzt!

Denn, meine Damen und Herren, die wirtschaftliche Lage in unserem Land ist ernst. Wir erleben eine besorgniserregende Entwicklung – von der Industrie über den Mittelstand bis hin zu kleinen Handwerksbetrieben.
Aufträge gehen zurück, Kosten steigen, Investitionen bleiben aus. Das gefährdet Arbeitsplätze und unseren Wohlstand insgesamt.
Und das bleibt nicht abstrakt. Das hat konkrete Folgen für die Menschen. Für diejenigen, die jeden Tag arbeiten und trotzdem immer stärker unter Druck geraten.
Für Familien, bei denen am Ende des Monats kaum noch etwas übrig bleibt.
Für Menschen, die sich ernsthaft fragen: Kann ich mir meine Wohnung noch leisten?
Das ist keine Randerscheinung. Das ist Realität. Und deshalb müssen wir handeln.
Wir müssen den Wohnungsbau wieder stärken: Schneller, einfacher und bezahlbarer machen.
Weniger Bürokratie. Schnellere Verfahren. Klare Rahmenbedingungen. Das ist jetzt gefragt!
Denn Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Und es darf nicht zur sozialen Frage unserer Zeit werden.
Genau deshalb braucht es eine starke NRW-CDU mit überzeugenden Kandidatinnen und Kandidaten, die diese Probleme erkennen und angehen.

Ein zentrales Thema ist für mich die Situation unserer Kommunen. Das drängendste Problem ist die drohende Überschuldung nahezu aller Städte und Gemeinden im Land.
Die kommunale Ebene ist das Fundament unseres Staates. Hier entscheidet sich, ob Politik bei den Menschen ankommt.
Doch genau diese kommunale Selbstverwaltung wird durch die finanzielle Lage immer stärker eingeschränkt.
Es ist in der Regel keine Frage mangelnder Sparsamkeit, sondern ein strukturelles Problem, wenn alleine die Kosten für Pflichtaufgaben und Umlagen die eigenen Einnahmen übersteigen.
Als Kommunalpolitiker erlebe ich das seit vielen Jahren. Ich weiß, wovon ich spreche und wie dringend wir hier gegensteuern müssen.

Ein zweiter Schwerpunkt ist der Strukturwandel.
Unsere Region steht mitten in tiefgreifenden Veränderungen. Dabei muss es natürlich um Wirtschaft und Arbeitsplätze – gerade im Mittelstand – gehen.
Aber in unserer besonderen Region geht es immer auch um Wissenschaft und um Innovation.
Wir haben hier drei aktive Braunkohletagebaue und gleichzeitig einige der bedeutendsten Forschungs- und Innovationseinrichtungen unseres Landes.
Diese Kombination ist Chance und Verpflichtung zugleich.
Dazu gehört ausdrücklich auch die Landwirtschaft, die unsere Region seit jeher prägt. Sie ist ein unverzichtbarer Teil unserer wirtschaftlichen und kulturellen Identität. Strukturwandel heißt für mich, Zukunft und Tradition, Wirtschaft und Natur zusammenzudenken.
Diesen Transformationsprozess habe ich seit Jahren nicht nur kommunalpolitisch begleitet. Er ist auch bereits länger ein Schwerpunkt meiner Arbeit in der Kreisverwaltung des Rhein-Erft-Kreises.
Ich kenne die Prozesse, die Herausforderungen und die handelnden Personen. Das hilft, wenn es darum geht, Projekte wirklich voranzubringen.

Mir ist wichtig: Strukturwandel-Fördergelder dürfen nicht sinnlos versickern.
Sie müssen unserer Bevölkerung und unseren Unternehmen zugutekommen. Deshalb müssen sie in der zweiten Förderperiode viel stärker in kommunale und wirtschaftsnahe Infrastruktur fließen. Denn gerade dadurch entsteht die Grundlage für Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität in unserer Heimat.

Außerdem muss der „Förderdschungel“ dringend gelichtet werden!
• Unterschiedliche Zuständigkeiten,
• komplexe Verfahren,
• Vorgaben, die an der Realität vorbeigehen.
Das bremst uns aus! Das kostet Zeit, Geld und Vertrauen.
Das muss endlich einfacher, schneller und praxisnäher werden. Und dazu möchte ich beitragen.

Ein weiteres Herzensthema ist der Bevölkerungsschutz.
Die letzten Jahre haben uns deutlich vor Augen geführt, wie wichtig funktionierende Strukturen in Krisensituationen sind.
Resilienz entscheidet darüber, wie gut wir vorbereitet sind und wie handlungsfähig wir bleiben, wenn es besonders darauf ankommt.
Seit der letzten Wahl habe ich mich bewusst und mit großem Interesse in dieses Themenfeld eingearbeitet und werbe seitdem aktiv für seine Bedeutung.
In den vergangenen Haushaltsberatungen wurde auf meine Initiative hin ein Antrag unserer Fraktion beschlossen, um den Katastrophenschutz im Kreis gezielt zu stärken und weiterzuentwickeln. Der Kreistag hat dafür 100.000 Euro zur Verfügung gestellt. Das ist ein wichtiger Schritt, aber eben auch nur ein erster.
Und schließlich ist da das Ehrenamt. Es ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Ob in Vereinen, bei der Feuerwehr, im sozialen Bereich oder im Brauchtum: Dieses Engagement prägt unsere Dörfer, Städte und Gemeinden.
Gleichzeitig sind die Rahmenbedingungen schwieriger geworden:
• Steigende Kosten
• mehr Bürokratie
• und leere kommunale Kassen, was häufig zur Streichung von Zuschüssen führt.
Und zusätzlich steigen die Sicherheitsauflagen.
Das stellt viele Ehrenamtler vor große Herausforderungen. Für viele Vereine ist es schon existenziell schwierig geworden.
Deshalb müssen wir uns immer wieder bewusst machen: Wenn das Ehrenamt wegbricht, entsteht ein Problem, das der Staat nicht ersetzen kann.
Das vielfältige ehrenamtliche Engagement in unserem Land darf nicht weiter belastet werden. Wir müssen hier stattdessen wieder stärker unterstützen. Und das, meine Damen und Herren, ist klassische CDU-Politik!

All diese Themen…
• starke Kommunen,
• gelingender Strukturwandel,
• Sicherheit,
• bezahlbarer Wohnraum,
• und ein starkes Ehrenamt
…entscheiden darüber, wie gut unser Zusammenleben vor Ort funktioniert.
Genau dafür trete ich an.

Unser Wahlkreis ist groß und vielfältig. Er reicht von Nörvenich und Vettweiß im Süden bis nach Linnich und Titz im Norden. Zehn Städte und Gemeinden mit unterschiedlichen Herausforderungen, aber mit einem gemeinsamen Anspruch: gehört zu werden.
Ich möchte für diesen Wahlkreis ein verlässlicher Ansprechpartner sein. Vor Ort präsent, nah an den Menschen und gleichzeitig ein starker Interessenvertreter in Düsseldorf.
Die Themen aus unseren Kommunen sind mir schon heute gut bekannt. Ich bin im Austausch mit Bürgermeistern, dem Landrat, Landtagsabgeordneten und mit vielen Mitstreiterinnen und Mitstreitern aus der gesamten Region. Diese Nähe ist kein Versprechen für später, sondern schon heute gelebte Praxis.
Mein Ansatz ist: zuhören, verstehen und handeln.
Nicht Politik über die Menschen hinweg, sondern mit ihnen gemeinsam. Betroffene zu Beteiligten machen. Das ist mein Anspruch.

Dabei ist mir auch wichtig, wie Politik gemacht wird.
Ich bin kein Freund lauter Worte und schneller Polarisierung. Ich stehe für Klartext ohne Polemik. Besonnen, aber klar in der Sache.
Und wenn Entscheidungen notwendig sind: entschlossen.
Gerade in herausfordernden Zeiten braucht es eine politische Kultur, die Probleme ernst nimmt, ohne zusätzlich zu spalten.

Auch beruflich bringe ich umfassende Erfahrungen in den aktuell entscheidenden Themenfeldern und im Umgang mit Menschen mit.
Schon während meines Studiums an der RWTH Aachen habe ich 8 Jahre für den damaligen Landtagsabgeordneten Josef Wirtz gearbeitet. Hier und später in meiner Funktion als Regionalmanager der LEADER-Region habe ich die Belange der Menschen in den Kommunen unseres Wahlkreises kennengelernt.
Der anschließende berufliche Wechsel zum Rhein-Erft-Kreis eröffnete mir die Möglichkeit, noch tiefer in die Themen der Regionalentwicklung einzusteigen und Verwaltungsprozesse aus nächster Nähe kennenzulernen.
Auf die Tätigkeit als Referent für Strukturwandel folgte die Berufung zum Abteilungsleiter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. In diese Zeit fiel auch die Hochwasserkatastrophe 2021.
In dieser außergewöhnlichen Lage durfte ich die so wichtige Kommunikation der Behörde koordinieren und praktisch umsetzen. Viele erinnern sich sicher an die bedrückenden Bilder und Ereignisse, die bis heute nachwirken.
Heute arbeite ich als Amtsleiter beim Landrat des Rhein-Erft-Kreises Frank Rock.

Menschen zusammenbringen, Interessen ausgleichen und tragfähige Lösungen entwickeln – das ist es, was ich einbringen kann. Und genau das wird in den kommenden Jahren mit entscheidend sein.
Meine Damen und Herren, ich bin überzeugt, dass ich Ihnen – und hoffentlich im nächsten Schritt auch den Wählerinnen und Wählern – ein überzeugendes Gesamtpaket anbieten kann: inhaltlich klar, menschlich verbindend und mit der nötigen Erfahrung, Verantwortung zu übernehmen und Dinge umzusetzen.
Ich gehe diesen Schritt mit Demut und Überzeugung. Mit Demut, weil ich weiß, welche Verantwortung damit verbunden ist. Mit Überzeugung, weil ich weiß, dass wir als CDU die Kraft haben, diese Herausforderungen zu meistern.
Dafür bitte ich heute um Ihr Vertrauen und ich verspreche Ihnen: Ich werde dieses Vertrauen mit vollem Einsatz rechtfertigen.
Vielen Dank.


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