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Politisches Gewicht für die Jugend

Wie oft kommt es vor, dass man als junger Mensch das Gefühl hat, es gäbe in der eigenen Stadt keine Angebote für seine Altersklasse? Wer genug vom Nörgeln hat und sich für tatsächliche Veränderung einsetzen möchte, der kann sich in Jülich an das Jugendparlament wenden. Seit der Sitzung im März 2023 hat es nun auch das erste Mal in der Parlamentsgeschichte einen Vorsitz, um noch schneller und effektiver Ideen und Projekte planen und umsetzen zu können.

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Die Doppelspitze im Jugendparlament: Paula Grün und Liam Franken. Foto: Ariane Schenk
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Die beiden Vorsitzenden Liam Franken und Paula Grün könnten von ihrer Freizeitgestaltung her kaum unterschiedlicher sein und doch beschreiben sie sich als gutes Team, das sich so gut wie täglich mit neuen Ideen austauscht. In Rücksprache mit der städtischen Geschäftsführerin des „JuPaJü“ Sevdije Haxha wird erarbeitet, was dann im Parlament vorgestellt wird. Arbeitsgruppen zwischen den offiziellen Sitzungen machen möglich, dass nicht nur die politische Weiterbildung, sondern auch die Umsetzung in Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedern funktioniert. Insbesondere die AGs zu politischer Bildung und Diskussionsrunden, so Haxha, sind wie auch die Sitzungen für Interessierte offen. Und auch über eine kurze Nachricht beispielsweise an den Instagram-Account des Jugendparlaments kann gegebenenfalls schon etwas bewirkt werden. Somit muss man nicht einmal gewählt werden oder auf die nächste Wahl warten, um sich beteiligen zu können – Liam berichtet, dass er nach einem neugewonnenen politischen Interesse in der neunten Klasse bis zur nächsten Wahl gewartet hat, weil er nicht wusste, dass er sich auch nicht gewählt hätte beteiligen können.

Als Jugendparlamentsmitglied muss man sich nicht einmal besonders mit Politik auskennen, wie es beim 16-jährigen Overbacher der Fall ist, der sich nicht nur einen Beruf in der Politik vorstellen kann, sondern zusätzlich zum Jugendparlament auch parteipolitisch aktiv ist. Paula Grün sagt, dass es auch schon um ein Interesse an der Stadt geht und erzählt von vielem Lachen und lustigen gemeinsamen Abenden in entspannter Atmosphäre. Das Jugendparlament wolle auch zeigen, dass Politik nicht immer „mega kompliziert und formell“ sein müsse.

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Das spiegelt die 17-jährige Zitadellenschülerin auch in ihrem Alltag wider: Sie beschreibt eine Freizeitgestaltung zwischen Tennis, Lesen und stundenlangem Musikhören. Als selbstbezeichneter Familienmensch mit religiösem Interesse ganz anders als Liams Teilnahme an Jugend Forscht und dem Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten sowie Mitgliedschaft bei der Freiwilligen Jugendfeuerwehr. So unterschiedlich können die Menschen sein, die sich einsetzen möchten – und so wichtig ist das auch: Wenn keine neuen Ideen und Probleme eingebracht werden kann das Parlament nicht arbeiten, betont der Overbacher.

Und dennoch geht es natürlich auch um das Erlernen parlamentarischer Demokratie. Es habe Ende des letzten Jahres eine Umfrage gegeben, in der die Mitglieder zurückgemeldet hätten, dass darauf auch ein größeres Augenmerk gerichtet wird und insbesondere mehr Gremien besucht werden sollen. Und, wie der Vorsitz zurückmeldet: Es ist merkbar, dass die Erwachsenen Abgeordneten der Ausschüsse und des Stadtrates viel und immer mehr Wert auf die Meinung und Aussagen der Jugendlichen legen und sie automatisch angesprochen würden. Das ist auch deswegen wichtig, weil das Jugendparlament nicht tatsächlich in Ausschüssen oder Rat stimmberechtigt ist. Für den „kurzen Dienstweg“ sind auch Sozialdezernent Thomas Mülheims und Amtsleiter Florian Hallensleben in den Sitzungen des JuPaJü vertreten, die ganz professionell im großen Sitzungssaal des Rathauses stattfinden. Wenn man ein Anliegen an die erwachsenen Abgeordneten oder Verwaltungsmitglieder hätte, dann hätte man auf jeden Fall Relevanz, meint Paula Grün. Einbezogen wurden die Jugendlichen auch erst kürzlich in das Projekt der sanierten Bolzplätze des Sportamts. Welche Bolzplätze sind am sinnvollsten und was ist für die Jugendlichen dafür wichtig? Diese Fragen gingen unter anderem ans Parlament, die Antworten wurden erarbeitet und darüber abgestimmt. Aktive Teilhabe an der Stadtgestaltung, insbesondere für diejenigen, die die Maßnahme betrifft; das Jugendparlament als „Vermittlungsbrücke“ zwischen der Jülicher Jugend und „der Politik“, wie es Paula nennt.

Rathaus Jülich. Foto: Stadt Jülich / Gisa Stein

Das Jugendparlament ist eine Vertretung der Jugend, weil „nicht jeder für sich selbst sprechen kann“, sagt Liam und ordnet ein, dass Jugendliche zwar einen großen Teil der Bevölkerung ausmachten, aber nicht wählen könnten. Daher sei das Jugendparlament eine wichtige Möglichkeit, vertreten zu werden und politisch Gewicht zu bekommen. Dass alle an einem Strang ziehen und er sich für seine Altersgenossen einsetzen kann macht ihm bei der Arbeit und seinem generellen Interesse für Politik besonders Spaß. Auch seine Partnerin berichtet, dass es spannend sei, mehr Einblick nicht nur in die Politik generell, sondern auch in die Kommunalpolitik zu erhalten. Teilweise bekäme man auch lange, bevor die Informationen öffentlich würden, neue Pläne mit. Dadurch habe man auch mehr Einfluss auf die Entscheidungen. Mithilfe des Jugendparlaments könnten Jugendliche ernster genommen, sie und ihre Meinungen mehr in die Politik integriert und da jedes Mitglied einen anderen Hintergrund habe auch vieles berücksichtigt werden. Beide berichten auch begeistert vom Austausch mit anderen Parlamenten und beispielsweise Projektideen, die daraus übernommen werden können.

Neben dem Heranführen der Jugendlichen an die Politik und dem Errichten einer Feedback-Kultur, um das Handeln des Vorsitzes bewerten und auf Grundlage der Meinung der Mitglieder gestalten zu können wie Liam erklärt, soll ein weiterer Stempel des historisch ersten Vorsitzes sein, dass das Jugendparlament bekannter wird. Die Zitadellenschülerin, die bereits als Achtklässlerin von ihrem Politiklehrer für das Parlament ausgewählt wurde und nun in ihrer zweiten Amtszeit ist, erzählt, dass es seit ihrer Anfangszeit schon deutlich mehr Menschen gebe, die wissen, dass es das Parlament gibt und was es macht. Erst in der letzten Sitzung hat Liam als Sitzungsleitung den Vorschlag eingebracht, das Wahlverfahren zu reformieren, um das Jugendparlament noch demokratischer und die Politik näher an der Jugend zu gestalten.

Sevdije Haxha sagt, dass die Idee eines Vorsitzes schon länger im Raum stand, aber aufgrund von Bedenken – etwa, dass dann nicht jeder mal „drankommen“ könnte, wenn die Sitzungsleitung nicht pro Sitzung neu gewählt wird – erstmal zögerlich agiert habe. Dennoch sei sie überzeugt: „Die Jugendlichen können das.“ Die bisherige Arbeit des Vorsitzes scheint das zu bestätigen.

Das Jugendparlament ist auf Instagram über den Account @jugendparlament_juelich, seine Website https://www.juelich.de/jupajue und per e-Mail an [email protected] erreichbar. Außerdem stehen die gewählten Mitglieder jederzeit bei Fragen und Ideen zur Verfügung, fast alle Jülicher Schulen sind im Parlament vertreten. Die Sitzungen sind immer öffentlich.


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