Start Nachrichten Region Von Ökokonten, „FoodValley“ und Brainergy-Park

Von Ökokonten, „FoodValley“ und Brainergy-Park

Zur bereits sechsten Auflage eines gemeinsamen Arbeitsgespräches luden der Landrat des Kreises Düren, Wolfgang Spelthahn, und der Kreisbauernvorsitzende, Erich Gussen, alle Landwirte des Kreises ein, mit dem obersten Verwaltungschef die aktuellen Entwicklungen innerhalb des Kreises, aber auch die allgemeinen Sorgen und Nöte des landwirtschaftlichen Berufsstandes im Kreis Düren zu diskutieren. Erstmalig waren zu diesem Format auch die Bürgermeister aller Kommunen im Kreis geladen, die sich ebenso zahlreich einfanden wie auch in die Diskussionen einbrachten, die unmittelbare kommunale Interessen berührten. Schließlich ließ es sich auch die Landtagsabgeordnete für den Dürener Nordkreis, Dr. Patricia Peill, nicht nehmen, an diesem Gespräch teilzunehmen und landespolitische Gedanken und Sichtweisen in den Meinungsaustausch einzubringen.

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Wichtiger Dialog zwischen Verwaltung, Kreisbauernschaft und den Bürgermeistern im Kreis Düren. Foto: Kreisbauernschaft
Wichtiger Dialog zwischen Verwaltung, Kreisbauernschaft und den Bürgermeistern im Kreis Düren. Foto: Kreisbauernschaft
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Bereits in seiner Einführung machte Erich Gussen als Vorsitzender der Kreisbauernschaft deutlich, welche Themen die Dürener Landwirte zurzeit am meisten beschäftigen: Der zunehmend diskutierte Strukturwandel im Rheinischen Revier sowie die weiterhin nicht enden wollende Problematik des Flächenverbrauches stellte der Vorsitzende in den Vordergrund seiner Ausführungen. Gussen sparte nicht mit deutlicher Kritik an den aktuellen Verfahrensweisen bei der Eingriffs- und Ausgleichsregelung bei Planvorhaben einzelner Kommunen. Er forderte von der Verwaltung, auf vorhandene Ökokonten zurückzugreifen, anstatt weiterhin wenig sinnhaft und pauschal Flächen der landwirtschaftlichen Produktion dauerhaft zu entziehen.

Der Vorsitzende stellte weiterhin dar, welchen weiteren immensen Flächenbedarfen die Landwirtschaft zukünftig ausgesetzt sein werde, verursacht auch durch die anstehenden Umsetzungen von Strukturentwicklungsmaßnahmen, Stromtrassen oder den ständigen Forderungen nach der Ausweisung von neuen Gewerbegebieten. Der Kreisbauernschafts-Vorsitzende forderte deutlich, dem weiterhin anhaltenden Verbrauch hochwertiger landwirtschaftlicher Flächen nachhaltig Einhalt zu gebieten. Die Notwendigkeit einer nachhaltigen Strukturentwicklung des Kreises – insbesondere vor dem Hintergrund der großen Herausforderungen für die Zeit nach der Braunkohleförderung – werde selbstverständlich auch von Seiten der Landwirtschaft erkannt und akzeptiert. Gleichwohl sei auch die Umsetzung dieses Zieles über ein intelligenteres Flächenmanagement, etwa die Inanspruchnahme von Industriebrachen, deutlich flächenschonender zu erreichen. Diese Forderung richtete der Vorsitzende dann auch unmittelbar an die anwesenden Vertreter der Kommunen, trotz der bestehenden Flächen- und Entwicklungsbedarfe auch die Belange der Landwirtschaft nicht aus den Augen zu verlieren. Es könne etwa nicht sein, dass in vielen Kommunen derzeit wahllos Anträge über Neuaufschlüsse von Kiesabgrabungen gestellt werden, ohne dass sich hierzu eine Kommune gegenüber planungsrechtlich verwahre, so Gussen.

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Der Strukturwandel könne schließlich nur dann erfolgreich sein, wenn es gelingt, im Rheinischen Revier neue und innovative Wertschöpfungen zu etablieren. Hierzu könne gerade die Landwirtschaft in Kooperation mit der Forschung in unserer Gunstregion im Sinne eines „FoodValley“ insbesondere im Bereich der Bioökonomie einen wesentlichen Beitrag leisten, unterstrich der Vorsitzende schließlich den Anspruch des Berufsstandes auf eine Mitgestaltung des weiteren Entwicklungsprozesses.

Landrat Spelthahn griff in seinen Ausführungen sodann den Schwerpunkt der Diskussionen auf und betonte zunächst, wie wichtig er diesen Dialog mit der Landwirtschaft empfinde. Die Landwirtschaft sei weiterhin eine der tragenden Säulen des Kreises Düren als ländlich geprägte Region. Der Kreis Düren sei ohne Landwirtschaft nicht vorstellbar, so der Landrat. Spelthahn dankte daher auch für die gegenseitige Wertschätzung, die eine solche Veranstaltung ausdrückt, denn es könne schließlich nicht wertvolleres geben, als wenn Menschen sich Zeit füreinander nehmen.

Der Landrat thematisierte sodann die aktuellen politischen Diskussionen zum beschlossenen Kohleausstieg und die damit verbundenen Auswirkungen für den Kreis Düren. Er stellte dabei heraus, dass der Kreis Düren mit seinen drei noch aktiven Tagebauen durch den Ausstiegsbeschluss die flächenmäßig am stärksten betroffene Region in Deutschland sei und mit dem nunmehr anstehenden Strukturwandel die bedeutendste und wichtigste Aufgabe und Herausforderung in den kommenden Jahren zu meistern habe. Der Landrat beschwor hierbei nicht zuletzt den gemeinsamen Schulterschluss aller beteiligten Akteure, könne es doch nur so gelingen, erfolgreiche Entwicklungen zum Wohle aller im Kreis Düren herbeizuführen.

An dieser Stelle griff Spelthahn dann auch die Planungen zu neuen Gewerbeansiedlungen etwa den „Brainergy Park“ in Jülich oder den Campus Aldenhoven auf, bei deren jeweiliger Planung es vorbildlich gelungen sei, verschiedene kommunale Interessen zu bündeln und auch im Sinne eines gemeinsamen Flächenschutzes bereits vorhandene „Altflächen“ einzubinden.

Der Landrat machte darüber hinaus nochmals deutlich, dass zwar grundsätzlich der zukünftigen Sicherung von Arbeitsplätzen im Kreis Düren bei allen Überlegungen rund um den Strukturwandel weiterhin Rechnung getragen werden müsse. Allein dürfe dieses nicht dazu führen, den hiesigen landwirtschaftlichen Gunststandort auf Dauer abzuschaffen. Alle Planungen und Entwicklungsziele seien daher letztlich nur in einem engen Dialog mit der Landwirtschaft zu verwirklichen.

Im Weiteren bezog der Landrat schließlich auch zu den Vorgängen rund um den Hambacher Forst eindeutig Stellung: Grundsätzlich haben auch Natur- und Umweltschutzgruppierungen ihre berechtigten Interessen und treten hierfür zweifelsfrei mit Nachdruck ein. Grenzen müsse ein solches Eintreten aber spätestens dort erfahren, wo zur Durchsetzung der jeweiligen Interessen ganz bewusst gegen geltendes Recht und Ordnung verstoßen werde, positioniert sich der Landrat eindeutig gegen ein solches Verhalten. Es dürfe nicht sein, dass der Rechtsstaat machtlos zusehe, wenn etwa selbsternannte „Aktivisten“ ein mehrtägiges Trainingslager abhalten, in dem unterrichtet werde, wie man das Eigentum anderer größtmöglich schädigen kann, so Spelthahn weiter. Bei diesen Ausführungen spielt der Landrat nicht allein auf die dauerhafte Besetzung des Hambacher Forstes an. Er verurteilt vielmehr auch das Verhalten zahlreicher weiterer „Aktivisten“, die das Umfeld des Hambacher Forstes wiederholt nutzen, um weitere Straftaten zu verüben, wie etwa die kürzlich stattgefundene Besetzung des Dürener Schlachthofes.

Nach dieser eindeutigen Kritik, für die der Landrat unter den Teilnehmern uneingeschränkte Zustimmung erfährt, stellt Spelthahn aber auch nochmals heraus, dass sich bei allen Diskussionen und Problemen, die sich rund um den Ausstieg aus der Kohleverstromung ergeben, letztlich die Chancen nicht aus den Augen gelassen werden dürfen, die sich auch zukünftig für den Kreis Düren ergeben werden. Er informiert die Teilnehmer insoweit darüber, dass der Kreis Düren etwa dabei sei, insbesondere auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung von Wasserstofftechnik eine Vorreiterrolle einzunehmen. Spelthahn appelliert in diesem Zusammenhang auch an die Landwirtschaft, sich dieser Technik zu öffnen und diese konstruktiv zu begleiten.

Mit großer Zustimmung nahmen der Vorsitzende und die Anwesenden die Ausführungen des Landrates zur Kenntnis. „Wir leben in einer Zeit mit großen Herausforderungen, die wir letztlich nur gemeinsam meistern können“, warb Gussen schließlich für eine weiterhin konstruktive Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Verwaltung und dankte sowohl dem Landrat als auch den anwesenden Bürgermeistern für ihre stets offenen Ohren rund um die Belange des Berufstandes.

Die Teilnehmer erhielten in der weiteren Diskussion die Gelegenheit, zahlreiche weitere Themen anzusprechen, die sie persönlich oder vor Ort bewegen. Auch hier stand der Landrat geduldig für Rede und Antwort bereit und sagte dort, wo er konnte, eine zeitnahe Abhilfe zu.

Zum Abschluss der Veranstaltung zog Gussen ein außerordentlich positives Fazit. Er bedankte sich nochmals beim Landrat und den Bürgermeistern für ihre Bereitschaft, den ständigen Dialog mit dem Berufsstand zu pflegen und stellte nicht zuletzt zufrieden fest, dass die Ausführungen des Landrates doch zeigen, dass man sich der gemeinsamen Verantwortung bei der weiteren Entwicklung unseres Kreises bewusst sei und sich den Herausforderungen dann auch gemeinsam stellen wolle.


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