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Bunte Bildungspartnerschaft

Das Forum Aachener Tor vereint seit fast einem Jahr sowohl formal als auch inhaltlich die Volkshochschule Jülicher Land, das Stadtarchiv und Museum. Die drei Leitungen erklären, warum es für die Institutionen und die Menschen ein gelungenes Miteinander ist: Claudia Schotte (VHS), Susanne Richter (Archiv) und Marcell Perse (Museum) im Austausch.

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Forum Aachener Tor. Foto: Volker Goebels
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Marcell Perse: Du zuerst, Du bist die Protagonistin für Bildung allgemein.

Claudia Schotte, Leiterin der VHS. Foto: Volker Goebels

Claudia Schotte: Ich sehe einen großen Vorteil darin, dass durch die Nähe, die Kontakte viel unmittelbarer sind. Bildungsveranstaltungen eventuell mit Personal aus Museum und Archiv können wir bei uns viel unkomplizierter anbieten. Das können beispielsweise Vorträge sein, die im Rahmen des Geschichtsvereins gelaufen wären, und so schneller zu uns finden und auch bei uns dann bekannt gemacht werden können. Wir erreichen durch den gemeinsamen Standort andere Menschen, weil hier ohnehin das Publikum hinkommt, das Weiterbildung sucht.

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Marcell Perse: Die VHS hat bereits den Weg, Angebote an die Menschen zu bringen. Bereiche, die wir betreuen – sachlich: Führungen; inhaltlich: Vorträge, aber auch Kreativworkshops, wie sie die Museumspädagogik anbietet – gibt es bei der VHS ja schon. Wir stellen uns vor, dass wir unsere Angebote verschränken können und im VHS-Programm mit vertrieben werden können. Es ist ja nicht so, dass wir uns etwas „wegnehmen“. Im Gegenteil: Bei der VHS ist eine komplette Infrastruktur für Vertrieb, Anmeldung, Kursbetreuung, Fragen, Verträge mit Dozenten als Expertise schon da. Das müssen wir nicht neu erfinden, sondern bringen einen Teil der Inhalte ein. Das hilft auch den Horizont zu weiten und aus unserem Einzeldasein herauszukommen.

Claudia Schotte: Wir bereichern unsere Angebotspalette durch Angebote, die aus Archiv und Museum kommen. Alleine hätten wir Referenten gesucht und jetzt haben wie die Referenten zum Teil „auf der Türe“.

Susanne Richter, Leiterin des Stadtarchivs. Foto: Volker Goebels

Susanne Richter: Wir alle haben einen Bildungsauftrag. Das eint uns und darin können wir uns unterstützen. Wir sind als Archiv der kleinste Partner, auch was das Personal angeht. Ich werde immens profitieren. Ein Beispiel: Wenn ich eine neue Archivsoftware habe und einen Kurs anbieten möchte, wie man diese richtig nutzt, wäre es für mich sehr aufwändig, diesen zu entwickeln, zu bewerben usw. Jetzt ist es für mich ein Glücksfall, wenn ich zu Claudia Schotte gehen kann und sie bitte, das zu übernehmen. Dann kann ich mich ganz entspannt zurücklehnen. Es geht aber nicht nur um Veranstaltungen. Ich würde sagen, dass wir uns auch inhaltlich eine Tiefe geben, dass die VHS auch historisch einen Schwerpunkt bilden wird und dadurch vielleicht auch der regionalen Bezug zunimmt und wir uns so gegenseitig befruchten können.

Marcell Perse, Leiter des Museums. Foto: Dorothée Schenk | Archiv

Marcell Perse: Das ist ein Signal: Die Zusammenarbeit ist nicht nur Zufall, sondern Absicht. Das Archiv hat auch bisher schon seine Inhalte an Menschen gebracht, ebenso wie das Museum. Wir werden aber häufig als Archiv und Museum mehr als Einrichtungen gesehen, die vor sich hin forschen und nur mal abends etwas davon erzählen. Aber es ist natürlich eine Gleichgewichtigkeit: Wir müssen die Inhalte erforschen, aber auch vermitteln. Wenn wir jetzt an einer Stelle sitzen, an der die Weitergabe von jeher Hauptprogramm ist, werden die Menschen, die sich von solchen Angeboten ansprechen lassen, auch uns verstärkt wahrnehmen und mitbekommen.
Claudia Schotte: Davon gehen wir auch aus. Wir haben natürlich auch Laufpublikum…

 

Susanne Richter: …und damit ein anderes Klientel…

Claudia Schotte: … und das wird sich einfach besser durchmischen.

Susanne Richter: Genau. Ich glaube, dass jetzt die Ausstellung „1700 Jahre jüdisches Leben“ ein ganz anderes Publikum sehen wird als an einem anderen Standort. Ob das Integrationskurse sind, basteln oder Yoga – es kommen Menschen, die nicht zum klassischen Museums- und Archivpublikum gehören. So kann aus den Köpfen der Menschen die Frage verschwinden: Darf ich da überhaupt hingehen. Wir können zeigen: Wir sind ein offenes Haus. Auch in ein Stadtarchiv darf jeder kommen, dafür braucht man keine Berechtigung, kein Studium. Man sollte natürlich schon eine Fragestellung haben. Die kann aber auch lauten, dass man etwas über seine Großmutter erfahren möchte oder zur Geschichte des eigenen Hauses. Durch die Laufkundschaft kann man Barrieren abbauen. Vielleicht traut sich der eine oder andere dann eben doch, zu kommen. Das ist das Schöne an diesem Standort: Das sich unsere Zielgruppe weitet, dadurch, dass wir Barrieren abbauen.

Marcell Perse: Kurz gesagt: Eine bunte Bildungspartnerschaft in einem offenen Haus.

Es gibt bereits am 17. März einen Recherchekurs des Stadtarchivs bei der VHS mit Susanne Richter: K02-201 – Vom Suchen und Finden im Stadtarchiv – Einführung in die Archivrecherche mit dem Besuchermodul von ActaPro


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