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Feuerwehren werden aufgerüstet

Bei der Feuerwehr in der Herzogstadt steht ein riesiges Projekt an. Zahlreiche Feuerwehrgerätehäuser werden verändert. Die Wache in Jülich zieht in wenigen Jahren um. Manche Löschgruppen ziehen komplett um und/oder sollen Freundschaften vertiefen.

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Foto: Mira Otto
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Die Feuerwehren in der Herzogstadt sollen umgebaut, neu gebaut beziehungsweise saniert werden und das müssen sie auch, denn die aktuelle Ausrüstung der hiesigen Feuerwehr entspricht nicht dem aktuellen Brandschutzbedarfsplan, also den Bestimmungen, die die Sicherheit der Bevölkerung gewährleisten sollten. Neues Gerät soll beispielsweise angeschafft und Umkleiden und Fahrzeughallen sicherer gemacht werden. Nicht zuletzt soll auch die Situation für die Feuerwehrleute verbessert werden.

„Es gibt einen erheblichen Sanierungsstau“, sagte der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Jülich, Swen Henseler. Einige Gebäude, beispielsweise das Feuerwehrgerätehaus in Barmen, haben bauliche Mängel. Teilweise ist die Trennung von der Einsatzkleidung von der privaten Kleidung nicht möglich. Urinale sind vom restlichen Raum nur durch einen Vorhang abgetrennt. Ausbildungsräume bieten keinerlei Möglichkeit, digitale Medien zu nutzen. Es muss eine gewisse Anzahl an Parkplätzen geben. Einsatzfahrzeuge müssten eigentlich in naher Zukunft ausgetauscht werden. Die Liste ist lang.

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Und die Verbesserung kostet Geld. Um die städtischen Kassen etwas zu entlasten, wurde im Stadtrat dementsprechend die Beantragung von Fördergeldern beschlossen. Die Anträge werden zum Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW geschickt und beziehen sich auf den „Sonderaufruf Feuerwehrhäuser in Dörfern 2022“. Gefördert werden höchstens eine viertel Millionen Euro oder, wenn die Gesamtkosten geringer sind, 50 Prozent. Ob die Anträge bewilligt werden, ist unklar. Gewiss ist, dass der Brandschutzbedarfsplan in den nächsten Jahren umgesetzt werden muss. Die Maßnahmen an den Feuerwehrgerätehäusern werden also auf jeden Fall kommen.

Broich

Foto: Mira Otto

Eines der größten Projekte, das die Stadt nun vor der Brust hat, ist der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Broich. Hier soll das alte Gebäude abgerissen und ein neues, nebenan auf der Alten Dorfstraße 43, auf 2.034 Quadratmetern hingesetzt werden. Geplant ist ein zweistöckiges Gebäude mit beispielsweise einer Fahrzeughalle auf 160 Quadratmetern. Insgesamt ist das Gebäude dann 549 Quadratmeter groß.

Hier ist das Untergeschoss zu sehen. Quelle: Öffentliche Sitzungsunterlagen der Stadt Jülich

Besonders die Zweigeschössigkeit war immer wieder Thema in der kommunalen Politik. „Dass wir da ran müssen, ist klar. Aber zwei Millionen Euro ist schon eine ganze Menge. Warum ist es in dieser Preisklasse und warum ist es zweigeschossig?“, fragte so Harald Garding (SPD). Richard Schumacher, Dezernent der Stadt Jülich, antwortete: „Wir setzen uns gemeinsam mit dem Planungsbüro intensiv mit den Möglichkeiten auseinander. Die Kosten stecken vor allem in der Haustechnik und wir müssen schauen, dass uns die Kosten nicht weglaufen, weil die Materialien von Jahr zu Jahr teurer werden. Wir haben uns auch eine eingeschossige Variante angeschaut und die zweigeschossige war tatsächlich kostengünstiger.“

Insgesamt kostet dieses Vorhaben gute zwei Millionen Euro. Darin eingerechnet sind auch die Kosten für den Abriss des alten Gebäudes, die sich auf 190.000 Euro belaufen sollen. Preissteigerungen sind bei allen geplanten Gebäuden möglich. Auch, weil die Preise für Baustoffe steigen.

Koslar 

Foto: Mira Otto

Das Feuerwehrgerätehaus in Koslar soll umgebaut werden. 330.000 Euro soll das kosten. Da unvorhergesehen weitere Kosten entstehen können, beantragt die Stadtverwaltung nach der Empfehlung des Planungsbüros eine Förderung von 200.000 Euro und kalkuliert mit 400.000 Euro.

Auch hier ist wieder das Erdgeschoss zu sehen. Quelle: Öffentliche Sitzungsunterlagen der Stadt Jülich

In der anliegenden Wohnung, die dann weiteren Platz für die Löschgruppe Koslar bieten soll, soll dann ein Schulungsraum, ein Löschgruppenführerbüro und ein Aufenthaltsraum sein. Im Erdgeschoss kommen Umkleiden für Feuerwehrmänner und -frauen hin. Das Dasein einer Dusche als Lager soll enden und eine Dusche für Frauen werden. Darüber hinaus soll in der Fahrzeughalle eine Abgasabsauganlage installiert werden.

Barmen

Foto: Mira Otto

Im Barmen wird ein ähnliches Bauvorhaben geplant. Auch hier wird eine anliegende Wohnung zum Raum für die Feuerwehr. Dort soll ein Schulungs- und ein Aufenthaltsraum, ein Büro sowie eine Küche entstehen. Im Erdgeschoss soll beispielsweise in der Fahrzeughalle ein rutschfester Boden aufgebracht werden. Das Vorhaben wird auf 270.000 Euro geschätzt.

Auch hier ist das Erdgeschoss zu sehen. Quelle: Öffentliche Sitzungsunterlagen der Stadt Jülich

Stetternich 

Foto: Mira Otto

Ein deutlich kleineres Projekt wird die Instandsetzung des Feuerwehrgerätehauses in Stetternich sein. Hier sollen die Sanitäreinrichtungen umgebaut und eine Abgasabsauganlage in der Fahrzeughalle installiert werden. Die Stadt rechnet mit Kosten von 52.000 Euro. Auch hier wird eine Förderung für 50 Prozent der Kosten beantragt.

Der Grundriss des Feuerwehrgerätehauses in Stetternich. Quelle: Öffentliche Sitzungsunterlagen der Stadt Jülich

 

Kirchberg

Foto: Mira Otto

Für Kirchberg steht bereits fest, dass die Förderung nicht übernommen wird. Deswegen laufen hier die Planungen für den Umbau bereits auf Hochtouren. Während des Planungs-, Umwelt- und Bauausschusses wurden diese durch das Architekturbüro Mario Albrecht vorgestellt. Und in Kirchberg gibt es viel zu tun. Sanitäranlagen und Umkleiden für weibliche Feuerwehrleute gibt es aktuell nicht. Darüber hinaus gibt es auch keinen Aufenthaltsraum und das Leitungssystem des Feuerwehrgerätehauses muss erneuert werden. Auch die Fahrzeughalle sei „ein großes Defizit“.

Lösung: Neuplanung der Toiletten und Umkleiden. Mit einem Anbau soll Raum für die Jugendfeuerwehr geschaffen werden. In einer anliegenden 75 Quadratmeter große Mietwohnung soll ein weiter Aufenthaltsraum, eine Küche, ein Erste-Hilfe-Raum und eine kleine Abstellkammer geschaffen werden. „Das ist ein Mindestanspruch“, so die Planer. Auch Richard Schumacher betonte: „Man hat deutlich zu verstehen gegeben, dass die aktuellen Zustände nicht akzeptierbar sind. Es kann nicht sein, dass möglicherweise mit Giftstoffen kontaminierte Einsatzkleidung von der eigenen Kleidung nicht getrennt wird.“ Außerdem machte er auf eine weitere Aufgabe aufmerksam: „Während der Bauphase suchen wir noch nach einer Ersatzunterbringung für die Feuerwehr.“

Nach der ausführlichen Vorstellung herrschte zunächst Stille in den Reihen der kommunalen Politik. Mit 1,2 Millionen auch ist auch das Feuerwehrgerätehaus in Kirchberg ein finanziell aufwendiges Vorhaben. Nebenbei – der Neubau wurde auf 1,8 Millionen Euro geschätzt. Die Politiker stimmten dem Umbau einstimmig zu.

Weitere Änderungen bereits ins Auge gefasst 

Foto: Mira Otto

In der Feuerwache Jülich ist das hauptamtliche Personal der Jülicher Feuerwehren untergebracht. Mittlerweile sind aus den sechs „Hauptamtlern“, die beispielsweise die Atemschutzmasken und die Wasserschläuche überprüfen und warten von anfänglich sechs auf 12 angewachsen. Der Bau aus den 50er-Jahren ist damit mittlerweile zu klein. Geplant ist, dass die Wache in Richtung Stetternich nahe dem Wasserwerk neu angesiedelt wird. Hintergrund des Ortswechsels sind darüber hinaus die sogenannten Hilfsfristen. Das ist die Zeit, in der die Feuerwehr den Einsatzort erreichen muss. „Wir haben eine Auswertung der Fahrzeiten machen lassen und haben festgestellt, dass wir gerade im Bereich Königscamp diese Fristen nicht halten können. Deswegen wird der Standort umlegt“, erklärte hierzu Swen Henseler. Laut Brandschutzbedarfsplan soll dies im Jahr 2023 geschehen. Von diesem Umzug ist dann auch die Löschgruppe Lich-Steinstraß betroffen. Diese wird dann in der neuen Wache ebenfalls ihr Zuhause finden.

Ebenfalls näher zusammenrücken werden die Löschgruppen Welldorf und Güsten. Ein Grundstück für den Bau sei, so Henseler, bereits anvisiert. „Die beiden Löschgruppen werden bereits jetzt gemeinsam alarmiert und führen auch gemeinsam Übungen durch. Die beiden Löschgruppen sollen zusammenwachsen“, so Henseler. „Beide Feuerwehrgerätehäuser sind sanierungsbedürftig und platzen aus allen Nähten. Wir haben schon länger beschlossen, aus zwei eins zu machen.“

Platz gesucht

Übrigens: Wenn die Feuerwehrgerätehäuser umgebaut werden, heißt das nicht, dass es nicht mehr zu Bränden kommen kann. Das heißt, dass die Feuerwehr dann auch in dieser Zeit „funktionieren“ muss. Vielerorts wird deswegen nach Hallen oder größeren Flächen gesucht, in oder auf denen die Löschgruppen im jeweiligen Ort unterkommen können.


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