Start Unsichtbar Neujahrsempfang 2023: Die Laudatio

Neujahrsempfang 2023: Die Laudatio

Laudatio von Bürgermeister Axel Fuchs auf den Stadtmarketing-Preisträger 2023: Das Forschungszentrum Jülich.

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Bürgermeister Axel Fuchs. Foto: Dorothée Schenk
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Sehr geehrte Damen und Herren,

heute darf ich Sie nicht nur als Hausherr hier im großen Saal im Neuen Rathaus der Stadt Jülich begrüßen, sondern habe auch die ehrenvolle Aufgabe, die Laudatio auf den diesjährigen Preisträger zu halten. Dabei sollte ich besser sagen, auf die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger, denn obwohl die Jury im Jahr 2023 den Jülicher Stadtmarketing-Preis nur einmal vergibt, ist er mehr als 7000 Menschen gewidmet.

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Denn, der Stadtmarketing-Preis 2023 wird verliehen an das Forschungszentrum Jülich. Nun passen ja leider nicht alle dort beschäftigten Menschen in unseren Sitzungssaal. Umso mehr freue ich mich stellvertretend den Vorstand des Forschungszentrums heute Abend hier begrüßen zu können: Herrn Vorstandsvorsitzenden Prof. Marquardt, Herrn Beneke, Frau Prof. Lambrecht, Herrn Dr. Peter Jansens und Frau Prof. Melchior.

Mit dem vom Verein Stadtmarketing Jülich e.V. gestifteten Jülicher Stadtmarketing-Preis sollen Einzelpersonen oder Organisationen gewürdigt werden, die mit bemerkenswerten Aktivitäten zu einer nachhaltigen Steigerung der Attraktivität Jülichs als Wirtschaftsstandort, Wohn- oder Einkaufort sowie als touristisches Ziel beitragen.

Die Geschichte des Forschungszentrums ist Ihnen allen bekannt.
1956 beschloss die Landesregierung der Bau einer Atomforschungsanlage. Nach langen Beratungen einigte man sich dann im November 1957 auf den Standort Stetternicher Forst. Wilhelm Johnen (CDU), der damalige Landrat des Kreises Jülich, hatte großen Anteil an dieser Entscheidung. Der Wissenschaftspolitiker Leo Brandt (SPD) wurde erster Leiter der Anlage. Skeptisch und neugierig wurden die Anfänge der Kernforschungsanlage von den Menschen in Jülich begleitet.

„Et Atom“, wie einige Jülicherinnen und Jülicher heute immer noch sagen, wuchs und wächst schnell und Jülich wächst mit.

Gerade zu Beginn kamen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von weither. Sie wollten hier wohnen, deshalb entstand in den 1960er Jahren das heutige Nordviertel. Von dort brachten Busse die Menschen täglich zur Arbeit. Der Ausbau dieser Verbindung als U‑Bahn war allerdings nur ein Aprilscherz in dieser Zeit.

Eigentlich wollten viele nur vorübergehend in Jülich bleiben, wie man in späteren Erzählungen hörte, doch die meisten blieben für immer.

Auch für die einheimische Bevölkerung brachte das Forschungszentrum zahlreiche neue Jobangebote in der Bewachung, Verpflegung, verschiedenen Handwerksberufen oder in der Verwaltung.

Im Kampf um die Gemeinschaftsschule engagierten sie die neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger schon früh in der Politik. Vor allem die Jülicher SPD gewann dadurch an Bedeutung, so dass es 1984 einen Bürgermeister der SPD gab, Heinz Schmidt, Beschäftigter im Forschungszentrum.

Heute ist es für uns Jülicherinnen und Jülicher selbstverständlich, dass diese Großforschungseinrichtung ihren Sitz in unserer Stadt hat.

Foto: Volker Goebels

Aktuell arbeiten im Forschungszentrum Jülich rund 7200 Menschen sowie 934 Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler aus 65 Ländern. Es gehört zu den großen interdisziplinären Forschungseinrichtungen in Europa und leistet als Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Beiträge zur Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit.

Das Forschungszentrum hat unsere Stadt in den vergangenen Jahrzehnten geprägt. Die Bevölkerungsstruktur in Jülich ist eine besondere, auch wegen des Forschungszentrums. Menschen aus 65 Nationen sind wegen ihrer Arbeit im Forschungszentrum nach Jülich gekommen und machen uns zu einer Stadt der Vielfalt.

Der hohe Akademikeranteil in der Bevölkerung spiegelte sich über Jahre im Rat wieder. Und auch die Kultureinrichtungen bekamen neue Besucher und neue Akteure. Collegium musicum, Jazzclub oder Kunstverein seien beispielhaft genannt, auch im Bereich Sport wäre ein Beispiel der TC rot-weiß Jülich.

Bemerkenswert ist auch das persönliche Engagement der Vorstandsvorsitzenden des Forschungszentrums für das Museum Jülich, die, seit der Gründung des Fördervereins Museum Zitadelle stets dessen Vorsitzende waren. Mit der Figur der Minerva werden Geschichte und Forschung bildlich zusammengeführt. Die Minerva-Preisverleihungen bleiben in guter Erinnerung, bei denen wir aufgrund der guten Kontakte des Forschungszentrums häufig Gäste aus der Landespolitik begrüßen konnten. Diese enge Verbindung zeigt auch das auf dem Stadtmarketing-Preis abgebildete Bild der Übergabe des Minerva-Preises von Prof. Marquardt an Conrad Doose.

Wer als Gastwissenschaftlerin oder Gastwissenschaftler nach Jülich kommt, zieht irgendwann weiter und trägt den Namen Jülich in die Welt.

Das Forschungszentrum ist das weltweite Aushängeschild der Marke „Jülich“.
Schon immer und es muss uns bewusst sein, dass dies so bleiben soll. Dafür soll der Preis ein bisschen Bewusstsein schaffen.

Die hier geleistete Grundlagenforschung insbesondere in den Schwerpunktbereichen Information, Energie und Bioökonomie brachte im Jahr 2021 insgesamt 3081 Publikationen, davon 2447 in begutachteten Zeitschriften.

Sechs Jülicher Wissenschaftler gehören zu den „Highly Cided Researchers“, also den Forschenden, die weltweit am häufigsten zitiert werden.

Preise und Auszeichnungen erhalten Jülicher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Helmholtz-Gemeinschaft ebenso regelmäßig wie national und international. Wie hoch angesehen die immer wieder mit renommierten Preisen und Auszeichnungen gewürdigte Forschung „made in Jülich“ weltweit ist, wurde dem „Jülicher Laien“ spätestens mit der Verleihung des Nobelpreises für Physik an Prof. Dr. Peter Grünberg im Jahr 2007 bewusst.

Auch wenn viele Menschen in Jülich einen mehr oder weniger engen Bezug zum Forschungszentrum haben, so war es doch lange eine eigene Stadt im Wald. Mit der Initiative „Nachbarschaftsdialog“ entstand in der Ära Marquardt eine sehr gute Einrichtung zum stadtinternen Austausch wichtiger Player. Die traditionell guten Beziehungen zwischen Stadtverwaltung, Jülicher Wirtschaft und Forschungszentrum wurden dadurch weiter gefestigt. Ich bin dankbar, dass wir dieses Format gemeinsam weiterführen.

Mit eigenen Augen sehen was hinter dem großen Zaun passiert kann man durch die regelmäßigen Online-Vorträge, die Wissenschaft verständlich präsentieren und damit transparent machen.

An den Tagen der Neugier ist das auch live möglich. Diese seit vielen Jahren regelmäßig stattfindende überregionale Großveranstaltung präsentiert den Part „Moderne Forschungsstadt“ des Stadtslogans in hervorragender Weise. Dass dieses Event auch im Jahr 2022 nach der Pandemie wieder stattgefunden hat war nicht selbstverständlich. Rund zwanzigtausend Neugierige nutzten die Gelegenheit sich auf dem fast zwei Quadratkilometer großen Campus über die Arbeit an einem der größten Forschungszentren Europas zu informieren. Mehr als 60 Institute zeigten in über 300 verschiedenen Präsentationen auf sehr anschauliche Weise, was Forschung für eine Gesellschaft im Wandel leisten kann.

„Wandel gestalten“ lautet die Mission des Forschungszentrums.

Wir, Jülich, die ganze Region sind mitten im Wandel. Das Ende der Braunkohleförderung im Rheinischen Revier ist beschlossen. Auch wenn es manch einem immer noch nicht schnell genug geht, das Jahr 2030 ist nah. In „nur“ 7 Jahren den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung und den Strukturwandel zu schaffen ist eine große Herausforderung aber auch eine große Chance.

Der Brainergy-Park, unser gemeinsam mit den Gemeinden Niederzier und Titz sowie dem Kreis Düren entwickelter Gewerbepark der Energiewende ist das Leuchtturmprojekt des Strukturwandels im Rheinischen Revier.

Grundlage dafür war die weitsichtige Entscheidung meines Vorgängers Bürgermeister Heinrich Stommel, der gemeinsam mit den Kollegen Hermann Heuser aus Niederzier und Jürgen Frantzen aus Titz auf die neue und ungewöhnliche Idee eines gemeinsamen Gewerbegebietes setzte, dass vor allem Raum für Zukunftstechnologien bieten sollte. Unsere Region bietet ein Forschungs- und Technologiepotential, dass in dieser Dichte andernorts kaum zu finden ist. Bei den großen Forschungseinrichtungen in unserer Stadt war das Interesse schnell geweckt. Das Forschungszentrum Jülich, die FH Aachen, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sind mit großem Engagement an der Entwicklung des Brainergy-Parks beteiligt. Auch der Kreis Düren ist mittlerweile am Brainergy-Park beteiligt.

Während viele andere erst bei der Konkretisierung der Projekte sind, haben wir im Brainergy-Park die Erschließung und die Straßen bereits fertiggestellt, erste Gebäude sind schon bezogen, weitere Gebäude im Bau. FZJ, FH Aachen, DLR und andere wichtige Firmen siedeln sich in diesem Gebiet an um insbesondere die Themen Solarenergie und Wasserstoff voran zu bringen.

Foto: Stadt Jülich | Gisa Stein

Das Helmholtz-Cluster Wasserstoff, kurz: HC-H2 hat hier bereits seine Arbeit aufgenommen und wird rasant wachsen. Dass die ersten Gebäude so schnell bezogen werden konnten, liegt auch am Vorstandsvorsitzenden des Forschungszentrums. Sie, lieber Herr Prof. Marquardt, haben sehr engagiert und überzeugend für die Ansiedlung des Helmholtz-Clusters im Brainergy-Park geworben und uns nachdrücklich dazu animiert, die für das Projekt notwendigen Rahmenbedingungen mit Hochgeschwindigkeit zu verwirklichen. Ich habe schon jetzt den Eindruck, dass Gründungsdirektor Prof. Peter Wasserscheid, den ich ebenfalls herzlich hier begrüße, ähnlich überzeugend ist.

Forschungszentrum Jülich, Stadt Jülich und Brainergy Park haben gemeinsam geliefert.

Der Aufbau des Gründerzentrums Startup Village, der Bau des Brainergy-Technikums, die Entwicklung eines Strukturwandelcampus, der Bau des Wasserstoff-Elektrolyseurs und die Gründung einer Brainergy-Park Immobiliengesellschaft sind weitere wichtige Themen des Jahres 2023.

Die hier geplante Einbindung von Wissenschaftseinrichtungen des Forschungszentrums bietet hervorragende Möglichkeiten für den Transfer der Grundlagenforschung in die Wirtschaft. Dies wird dazu beitragen, zukunftsfähige Produkte und Arbeitsplätze in der Region zu schaffen. Ich bin sicher, dass dies starke positive Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt insgesamt aussenden wird.

Mit diesem starken Engagement des FZJ im Brainergy Park wird die Verbindung zur Stadt weiterwachsen, ohne Zaun.

Das Forschungszentrum hat viele Einpendler aus den umliegenden Städten. Auch mit Blick auf die in den nächsten Jahren rasant wachsende Zahl an Arbeitsplätzen im Brainergy-Park weisen wir in Jülich neue Wohngebiete aus. Denn wir wollen wachsen und eine gute Alternative zu den Metropolen um uns herum bieten. Ich bin zuversichtlich, dass viele Menschen die gute Wohnqualität, die kurzen Wege und das Flair unserer Stadt zu schätzen wissen und hier arbeiten und leben in idealer Weise verbinden werden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die Stadt Jülich und das Forschungszentrum Jülich, wir gehören untrennbar zusammen. Wir blicken zurück auf Jahrzehnte der erfolgreichen und freundschaftlichen Zusammenarbeit und freuen uns auf eine Fortsetzung in der Zukunft.

Herzlich gratuliere ich Ihnen, Herr Prof. Marquardt und allen Menschen, die im Forschungszentrum Jülich arbeiten zum Stadtmarketing-Preis 2023.


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