Sechs Personen sind auf den Straßen des Kreises im letzten Jahr gestorben, ein Mensch mehr als 2024. Dennoch gilt: Die Zahl der tödlich Verunglückten liegt im Kreis Düren seit Jahren auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau, so die Polizei. Auffällig ist, dass es gleich fünf Alleinunfälle gab. In zwei Fällen kamen Pedelecfahrende auf Feldwegen ohne Fremdeinwirkung zu Fall und starben an den Verletzungsfolgen.
Während sich die Zahl der Schwerverletzten geringfügig verbesserte (von 188 auf 185), stieg die Zahl der Leichtverletzten um 36 Verunglückte von 980 auf 1036. Erklärungsansätze hierfür ergeben sich aus der Betrachtung der ausgewählten Verkehrsarten.
Das Unfallgeschehen, stellt die Polizei fest, konzentriert sich nicht mehr ausschließlich auf den klassischen motorisierten Individualverkehr vor allem mit PKW. Zweiräder, unabhängig davon, ob motorisiert oder nicht, nehmen einen festen und strukturellen Anteil an der Gesamtunfalllage ein.
Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden unter der Beteiligung von Fahrrad- und Pedelecfahrenden deutlich an, um 28 beziehungsweise sogar 31 Prozent. Diese Steigerungsraten entsprechen dem Landestrend. Auffällig ist im Bereich der Verkehrsunfälle mit Personenschaden der hohe Anteil an Alleinunfällen bei Fahrrad- und Pedelecfahrenden, von jeweils mehr als 40 Prozent. Die meisten Verunglückten sind Erwachsene, der Anteil der Seniorinnen und Senioren aber auch jüngerer Menschen steigt dabei jedoch stetig.
Neben Ablenkung, Fehlern beim Abbiegen und Vorfahrtsverstößen ist der Konsum von Alkohol- und anderen berauschenden Mitteln ursächlich für Verkehrsunfälle mit Personenschaden. Aktuell seien deshalb Anpassungen der Promillegrenzen Gegenstand der politischen Diskussion, unter anderem auf dem Verkehrsgerichtstag 2025 in Goslar.
Bereits im vergangenen Jahr wurde auf die steigenden Zahlen der Verkehrsunfälle unter Beteiligung sogenannter Elektrokleinstfahrzeuge (EKF), sprich E-Scooter, hingewiesen. Dieser Trend hat sich verfestigt. Es ereigneten sich im Jahr 2025 67 Verkehrsunfälle mit Personenschaden mit EKF-Beteiligung, was eine Steigerung von fast 37 Prozent ausmacht. Bemerkenswert ist, dass es sich in 37 Prozent dieser Verkehrsunfälle um Alleinunfälle handelte.
Neben der Relevanz derartiger Fahrzeuge im Zusammenhang mit der „Mobilitätswende“ entwickeln sich E-Scooter zunehmend als „Lifestyle“-Produkte für Jugendliche. Während die Zahl der Verunglückten Erwachsenen annähernd gleichgeblieben ist, sind die Zahlen der verunglückten Kinder- und Jugendlichen deutlich gestiegen. Ein E-Scooter darf ohne Führerschein und Schulungen jeder Mensch nutzen, was aus Polizeisicht dazu führt, dass „eine Unkenntnis rechtlicher Normen deutlich feststellbar ist“. Zum Teil seien auch Handhabungsfehler festzustellen.
Als Konsequenz daraus, entwickelt sich das Themenfeld Unfalllage „Fahrrad, Pedelec und EKF“ entwickelt sich zu einem behördenstrategischen Schwerpunkt. Im Rahmen eines direktionsübergreifenden Ansatzes wird zukünftig ein Lagebild erstellt, das Verkehrs- und Kriminalitätsdaten bündelt und die gezielte Analyse zentraler Risikofaktoren ermöglicht. Darauf aufbauend werden abgestimmte Maßnahmen in Prävention, Repression, Verkehrsraumgestaltung und Öffentlichkeitsarbeit umgesetzt.
Im Bereich der Prävention erfolgen unter anderem Absprachen mit Schulen, um die Zielgruppe der EKF-Fahrenden erreichen zu können. Maßnahmen der Verkehrsüberwachung werden intensiviert. Dies erfolgt durch direktionsübergreifende Schwerpunkteinsätze, auch unter Beteiligung von Kräften der Direktion Kriminalität, da die genutzten Fahrzeuge Tatbeute oder aber Tatmittel aus anderen Strafverfahren darstellen könnten. Auf Grundlage einer zielgruppenspezifischen Unfallauswertung werden Gefahrenstellen im Verkehrsraum identifiziert.
Eine Steigerung der Verkehrsunfälle unter Einfluss von Betäubungsmitteln muss für den Kreis Düren ebenfalls festzuhalten. Während sich die Steigerung bei der Gesamtzahl der Verkehrsunfälle unter Drogeneinwirkung von 26 auf 33 Verkehrsunfälle moderat darstellt, ist die Steigerung bei Verkehrsunfällen mit Personenschaden von drei auf zwölf Verkehrsunfälle schon erheblich.
Die Zahl der verunfallten Jugendlichen ist merklich gestiegen, musste die Polizei bei der Auswertung der Zahlen konstatieren. Bei den jungen Erwachsenen stellt sich das Bild differenzierter dar. Hier ist ein Rückgang der Zahl der Schwerverletzten, aber auch eine deutliche Steigerung der Leichtverletzten zu verzeichnen. Ein junger Erwachsener kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben.
Zur Prävention hat die Polizei diverse Maßnahmen beschlossen, beginnend mit den Jüngsten. Dazu gehört zum Beispiel pädagogisches Puppenspiel in Kindergärten und Grundschulen und die Fahrradausbildung in den 4. Klassen. An die älteren Schülerinnen und Schüler richten sich Vorträge zu „Drogen im Straßenverkehr“, die Veranstaltungsreihe „Crash-Kurs NRW“ für junge Erwachsene, aber auch der Einsatz des „Ablenkungssimulators“ bei Veranstaltungen gehört dazu. Für Seniorinnen und Senioren gibt es unter anderem spezielle Pedelec-Trainings.
Auch repressive Maßnahmen gehören zum Programm: darunter Geschwindigkeitsmessungen, Alkohol- und Drogenkontrollen, Rotlichtüberwachung, aber auch Kontrollen, ob der Seitenabstand zu Radfahrern eingeladen wird. Verkehrssicherheit bliebe auch in diesem Jahr eine Kernaufgabe der Polizei, denn: „Jeder Unfall mit Verletzten oder Getöteten bedeutet persönliches Leid. Unser Ziel ist es daher, Risiken frühzeitig zu erkennen, gezielt gegenzusteuern und so Verkehrsunfälle möglichst zu verhindern.“




















