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Aus dem Leben in Quarantäne

Peter Plantikow, bekannt als Eventcaterer und Koch, hat sich bereit erklärt, dem HERZOG ein Interview zu seiner Covid-19 Quarantäne zu geben. Per Video-Chat führte Frank Lafos das Gespräch.

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Verbunden über den Videochat: Peter Plantikow im Gespräch mit Frank Lafos. Foto: Frank Lafos
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Was sind die Gründe für Deine Bereitschaft zu diesem Interview?

Peter Plantikow: Ich hoffe, ich kann andere damit motivieren, das Thema ernst zu nehmen. Weiterhin finde ich es gut, über den Herzog mitteilen zu dürfen, wie es meiner Familie und mir in dieser Situation geht. Vielleicht macht das anderen, auf die das noch zukommt, Mut.

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Zu Beginn einige allgemeine Fragen zur Situation: Seit wann bist Du mit Deiner Familie in Quarantäne, und wie geht es Euch im Moment?

Peter Plantikow: Am Montagabend, 16. März, haben wir telefonisch erfahren, dass eine Person aus unserem Haushalt positiv getestet wurde. Am Dienstag wurde uns die Quarantäne auferlegt, und wir bekamen offiziell mitgeteilt, dass wir uns bis zum 30. März in „Absonderung“ bewegen müssen.
Es war uns klar, wenn einer von uns positiv getestet ist, haben sich alle Familienmitglieder im Haus mit großer Sicherheit auch angesteckt. Gesundheitlich geht es uns heute allen gut. Zwischendurch habe ich nichts mehr geschmeckt, das ging auch einer meiner beiden Töchter so. Eine gewisse Erschöpfung ähnlich wie bei einer Erkältung kam dann für einige Tage dazu.

Was war Dein Gefühl, als Ihr die Quarantäneauflage bekommen habt, und wie ging es Euch als Familie damit?

Peter Plantikow (atmet hörbar tief durch): Das harte Amtsdeutsch der bereits oben erwähnten „Absonderung“ hat mich etwas schockiert. Danach kam mit der Realität ein beklemmendes Gefühl im Sinne: „Jetzt sind wir im Knast.“ Natürlich haben sich die Gedanken, wie geht das alles aus, und was heißt das für meine Firma, nochmals verstärkt. Aber nach angemessener Zeit war die Nachricht gut verarbeitet.

Was waren zu Beginn dieser absolut fremden Situation die wichtigsten Maßnahmen, die Ihr als Familie ergriffen habt?

Peter Plantikow: Am Anfang haben wir intensiv überlegt: Was fehlt uns vielleicht? Schnell wurde uns aber deutlich, dass wir mit unserer normalen Bevorratung ganz gut aufgestellt waren. Das ist natürlich auch durch meinen Beruf bedingt. (lacht) Wir sind mitten in der Fastenzeit.

Wir haben gemeinsam beschlossen, unsere Fastenauflagen vorzeitig zu beenden.

Unsere Kinder dürfen wieder Nutella zum Frühstück essen, es sind wieder Wurst und Fleisch auf dem Tisch, auch Süßigkeiten sind im normalen Rahmen wieder erlaubt. Wir Eltern haben unsere Abstinenz beendet und gönnen uns am Abend unser Glas Wein oder ein leckeres Bier.
Sehr schnell war uns klar, wir brauchen einen geregelten Tagesablauf. Das bedeutet an den Werktagen frühes Aufstehen. Um 8 Uhr wird gefrühstückt. Von 9 Uhr bis 12 Uhr wird der üblichen Hausarbeit nachgegangen, die Kinder gehen schulischen Tätigkeiten nach. Entweder sie bekommen Stoff von ihren Lehrern oder lernen darüber hinaus auch zu anderen Zeiten eigenverantwortlich.

Haben sich diese Maßnahmen bewährt, musstet Ihr Euer Verhalten im Laufe der Zeit anpassen?

Peter Plantikow: Kurz und knapp – es hat bisher alles super geklappt.

Wie waren die Reaktionen aus Eurem nächsten Umfeld, also aus der Firma, von Freunden und der näheren Familie, als die Notwendigkeit zur Quarantäne bekannt wurde?

Peter Plantikow: Alle um uns herum waren sofort im Hilfemodus. Das war wirklich beeindruckend und hat uns sehr gut getan.

Nun zu Eurem aktuellen Alltag: Wie werdet Ihr mit den notwendigen Dingen des täglichen Lebens versorgt?

Peter Plantikow: Wir haben einige Freunde und Nachbarn gebeten, uns zu kontaktieren, wenn sie einkaufen gehen. Von uns bekommen sie dann eine Liste der Dinge, die uns fehlen. So habe ich die Mitarbeiter in meiner Firma gebeten, eine Kiste mit Gemüse und anderen leichtverderblichen Waren zusammenzustellen und uns vorbeizubringen.

Wie darf ich mir das organisatorisch vorstellen?

Peter Plantikow: Die Einkäufe werden vor der Türe abgestellt oder über den Zaun gehoben. Es kommt dann natürlich zum persönlichen Gespräch – selbstverständlich immer im Abstand von mindesten zwei Metern!
Heute morgen hat uns der Nachbar als Überraschung Brötchen an den Zaun gehängt. Wunderbar!

Was sind neben der Auflage, das Haus nicht verlassen zu dürfen, die wichtigsten Einschränkungen für Euch?

Peter Plantikow: Wir sind alle sehr kontaktfreudige Menschen. Diese jetzt auferlegte Distanz ohne Händeschütteln oder Umarmung von Freunden oder Kollegen fällt mir schwer. Persönliche Nähe im Umgang gehört zu meiner Natur – aber wenn ich nicht in Quarantäne wäre, müsste ich diese „draußen“ ja jetzt auch einhalten. Besonders störend ist das Bewusstsein, das Haus nicht verlassen zu dürfen und zumindest kurz in der Firma vorbeifahren zu können oder einkaufen zu gehen. Da kommt dann wieder dieses Knastgefühl durch.

Kannst Du die wichtigsten Erfahrungen mit den Herzog Lesern teilen und uns sagen, was den Personen oder Familien, die vielleicht zukünftig noch in diese Lage kommen werden, helfen könnte?

Peter Plantikow: Das Beste daraus machen und sich nicht einschränken. Das Leben, so gut es geht, weiter in vollen Zügen genießen. Trotzdem aber Selbstdisziplin zu entwickeln und sich nicht gehen zu lassen.

Ein fester Tagesablauf hilft dabei.

Viel miteinander reden und sich austauschen. Klar gibt es auch Phasen mit schlechter Laune, gerade wenn man so aufeinander hockt. Aber das Recht sollte jeder haben, und die anderen sollten das dann auch versuchen auszuhalten.
Für die Kinder ist es wichtig, den Fokus auf die Schule zu schärfen, da helfen wir Eltern natürlich. Und wir machen natürlich gemeinsame Spiele oder Aktivitäten, an denen wir alle Spaß haben und für die wir sonst zu wenig Zeit haben.

Was ist Deine persönliche Botschaft an die Herzog Leser?

Peter Plantikow (denkt nach): Es hat mir persönlich unglaublich gut getan, in unserem Garten einen alten gammeligen Baum zu fällen. Ich hatte vorher nie richtig Zeit dafür. Die Wurzel auszugraben, also das „Übel auszureißen“, spielte dabei wohl unbewusst eine große Rolle. Genauso wichtig war es dann, an dieser Stelle einen jungen Baum zu pflanzen, damit etwas Neues und Gesundes heranwachsen kann. Ich konnte mich körperlich richtig abreagieren. Da war viel Symbolisches dabei, und das hat mir sehr geholfen.
Eine ähnliche Wirkung hat der Umgang mit unseren Hühnern, die wir seit einiger Zeit in einem kleinen Stall in unserem Garten halten. Das Bewusstsein, morgens dorthin gehen zu können und frische Eier zu holen, also zumindest in einem kleinen Teil Selbstversorger zu sein, macht etwas mit mir. Oder auch die Erfahrung frischen Bärlauch zu ernten, der in einer Ecke auf unserem Grundstück wächst, und daraus ein wunderbar schmackhaftes Pesto zu machen. In einem gewissen Sinne macht es demütig und dankbar. Ohne die aktuelle Situation hätte ich diese wichtige Erkenntnis nicht gewonnen.

Peter Plantikows Botschaft an die Herzog Leser:
Leute haltet jetzt unbedingt die Auflagen ein. Wir haben unser aller Gesundheit selber in der Hand. Jeder Einzelne. Wenn wir dieses Problem nicht in den Griff bekommen, stehen viele Unternehmen und Arbeitsplätze auf der Kippe. Die können wir gemeinsam retten. Helft bitte alle dabei. Ich las in diesem Zusammenhang dieser Tage das Motto “Save the Summer“. Es wäre toll, wenn wir das gemeinsam schaffen würden.

Lieber Peter, wir wünschen Dir und Deiner Familie weiterhin alles Gute. Vielen Dank für Deine Zivilcourage, Dich für ein solches Interview bereit erklärt zu haben.
Der Herzog und seine Leser danken Dir sehr dafür!

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Frank Lafos
Reisender, fotografierender Menschenbeobachter, der seit über 15 Jahren Kurzgeschichten schreibt. Eingeborener Muttkrat, Karnevalist und bekennender Rheinländer. Lebt in Jülich und Starnberg. Entwickelt karnevalistisch-musikalische Bühnenstücke vom Text bis zur Regieanweisung. Über 20 Jahre Co-Autor des Ulk Magazins. Fachlich-berufliche Schwerpunkte und Veröffentlichungen zu Innovationstechniken, digitaler Kommunikation und neuen Arbeitsformen. Diplom Ingenieur, zertifizierter Coach und kreativer Gestalter.

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