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Doch nicht „bio“

Dass Einrichtungen wie Schulen und Jugendtreffs, die Heranwachsenden einen Schutzraum bieten, immer wieder die türen schließen müssen, ist mittlerweile auch bei der „Sucht- und Drogenberatungsstelle (SPZ) in Düren & Jülich“ der Caritas aufgefallen. Denn das Konsumverhalten der Besucher hat sich teilweise geändert.

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Foto: pixabay
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„Insbesondere im letzten Jahr seit dem Beginn von Corona und letztendlich in Zeiten von Schulschließungen und Homeschooling ist schon aufgefallen, dass eine Art Strukturlosigkeit herrscht. Das Fehlen von Struktur unter der Woche hat nach meinem Eindruck auch den Konsum von Drogen steigen lassen. Ich bekomme immer öfter mit, dass der Konsum mehr unter der Woche stattfindet“, sagt so Vanessa Losch, Suchttherapeutin bei der Jülicher Beratungsstelle des SPZ an der Ellbachstraße. Die stellvertretende und fachliche Leitung der Einrichtung, Silvia Zaunbrecher, bestätigt den Eindruck: „Wir merken das auch in MPU-Vorbereitungen (Medizinisch-Psychologische Untersuchung etwa zur Wiedererlangung eines Führerscheins, Anm. d. Red). Die Besucher berichten das Gleiche: Dadurch dass die Struktur im Alltag verloren geht, steigt auch der Konsum.“ Jugendliche, die vielleicht am Wochenende mit ihren Kumpels gekifft haben, konsumierten jetzt auch alleine oder bei heimlichen Treffen, beziehungsweise weil man sich nicht mehr treffen könne, sich langeweile oder frustriert sei. „Der Anstieg der Problematik ist seit Beginn der Pandemie im Allgemeinen deutlich spürbar.“

Einen Grund dafür sieht Losch in der Alternativlosigkeit. Der Ausweg „Konsum“ rücke in den Vordergrund. Es gebe keine Lösung in der Frage: „Wie kann ich für ein gutes Gefühl sorgen? Wie kann ich für mich sorgen?“ Das sei auch in der Suchttherapie derzeit problematisch, bei der diese Frage auch stets am Anfang stehe. „Viele haben das auch gemacht, haben vielleicht ihren alten Fußballverein kontaktiert und wieder angefangen zu spielen oder sind ins Fitnessstudio gegangen und haben so eine Struktur für sich selbst gefunden. Das ging jetzt alles nicht“, schildert Zaunbrecher die Problematik. Mehr „Neukonsumenten“ gebe es schätzungsweise allerdings nicht. Es ginge vielmehr um Menschen, die bereits Drogen nutzen und dies nun in der Pandemie vertiefen.

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Während die Nutzung von harten Drogen wie Heroin in Jülich nicht so häufig vorkommt, ist oft Cannabis das Mittel der Wahl. „Jugendliche sind oft in dem Bewusstsein, dass Cannabis etwas Gesundes, zumindest etwas Besseres als chemische Drogen ist. Was oft nicht bewusst ist, dass schlechteres Cannabis häufig mit chemischen Cannabinoiden versetzt wird und keineswegs „bio“ ist. Und Jugendliche berichten mir dann, dass es ,irgendwie komisch‘ war. Dass es ,irritierend‘, ,ganz anders als Cannabis‘ gewirkt und stundenlang angehalten hat“, Losch zu chemischem Cannabis. „Das Gefährliche ist, dass es nicht erkennbar ist. Man konsumiert etwas, dessen Wirkung nicht absehbar ist.“ Sind Qualität und Menge nicht abschätzbar, ist ein völlig unkalkulierbarer Rausch die Folge. Hierzu zählt übrigens auch die Droge „Spice“, die häufig als Kräutermischung verkauft wird. Höhere Dosierungen führen dabei zu schnelleren und stärkeren Schäden wie ernsthafte psychische Erkrankungen.

Die Außenstelle Jülich des SPZ ist auch während der Pandemie eine Anlaufstelle. Der erste Kontakt wird aktuell über das Telefon unter der Nummer 02461 / 53527 hergestellt. Die Öffnungszeiten sind dienstags und donnerstags von 9.30 bis 13 Uhr und von 14 bis 19 Uhr.

Die Beratung findet unter der Schweigepflicht statt, ist freiwillig und kostenlos.


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1 KOMMENTAR

  1. Irritierend ist hier höchstens, warum die Drogen Alkohol und Tabak völlig ausgeklammert werden. Ebenfalls ist irritierend, dass man durch die Prohibition von Cannabis erst an „schlechtes Cannabis“ kommt und dies nicht klar genug kommuniziert wird.

    Prohibition von Cannabis schafft unnötige Opfer so wie es die ALkoholprohibition in den USA auch getan hat!

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