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Der Wille zählt

Ryam Alalosh hat wie viele junge Menschen in der Herzogstadt gerade erfahren, dass das Abitur bestanden ist. Damit hat Alalosh allerdings eine Premiere an dem Mädchengymnasium Jülich geschafft, denn sie ist die Erste, die als Geflüchtete diese Prüfung an dem Gymnasium bewältigt hat.

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Foto: Mira Otto
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Vor sechs Jahren ist Ryam Alalosh aus Syrien geflüchtet. „Vor sechs Jahren konnte ich kein Wort Deutsch. Die Zeit am Anfang war am schwersten. Eine andere Kultur, andere Menschen, eine andere Sprache – ich musste mich an eine neue Kultur anpassen. Ich wusste, dass ich sonst nicht weiter kommen würde.“

Das größte Problem zu Anfang: die Kommunikation. Alalosh begann ihre Schullaufbahn in Deutschland am Ende der siebten Klasse. Ohne die Menschen um sich herum auch nur verstehen zu können. Ihre Muttersprache ist Arabisch. „Ich musste für mein Deutsch kämpfen“, sagt Alalosh. Jedes Wort habe sie immer wieder nachgeschlagen. Auch Lehrer und Schüler hätten ihr geholfen, das Gesagte und Geschriebene zu verstehen. In manchen Situationen zeichnete Alalosh das, was sie sagen wollte, der Klasse auf. Dennoch sei es gerade am Anfang in einer Gruppe von Teenagern, die sie damals nicht kannte, nicht immer angenehm gewesen. Es ist schwierig, entspannt zu bleiben, wenn die Klasse über etwas lacht, und man nicht weiß, worum es geht – auch wenn man selbst nicht gemeint ist. „Am Anfang war ich einsam in der Klasse. Oft stand ich kurz davor aufzugeben. Ich habe mich gefragt, ob ich mein Abitur irgendwann überhaupt schaffen kann. Aber die Situation hat sich immer weiter verbessert.“

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Hilfe kam auch von dem Personal des Mädchengymnasiums. Viel habe man auch außerhalb der Schule bei Amtsdingen oder bei dem Ausfüllen von Formularen geholfen. Außerdem gab es zusätzlichen Deutschunterricht für die Schülerin. „Als ich zum ersten Mal einen Text oder ein Gedicht verstanden habe, habe ich mich wirklich gefreut“, sagt sie, und der ernste Gesichtsausdruck weicht freudiger Aufregung. „Dass ich das geschafft habe, liegt auch an meinen Eltern. Ich wollte oft aufgeben. Aber sie haben mich immer wieder motiviert weiterzumachen. Mir gesagt, wie wichtig es ist, nicht aufzugeben.“ Auch die Menschen in ihrem Wohnort hätten die Familie unterstützt, nachdem die Eltern von ihr den Kontakt zu den Nachbarn gesucht haben. Eine ältere Frau habe mit ihr beispielsweise Bücher laut vorgelesen, um ihre Aussprache zu verbessern. „Fremdenfeindlichkeit habe ich tatsächlich noch nie erlebt.“

Und Deutsch ist nicht die einzige Sprache, die sie in ihrer Schullaufzeit gelernt hat. An dem Gymnasium standen auch Spanisch und Englisch auf dem Lehrplan. Einfacher gefallen seien ihr Fächer mit „wenig Sprache“ wie Mathematik oder Chemie. Unter anderem mit dem Leistungskurs Mathematik hat sie nun auch ihr Abitur abgeschlossen. In diese Richtung will sie sich jetzt auch beruflich orientieren. Gerade laufen die Bewerbungsverfahren für eine Kaufmännische Ausbildung. „Es läuft gut“, sagt sie.

„Es hat auf jeden Fall den Zusammenhalt in der Familie gestärkt und mich stark gemacht. Ich konnte eine neue Kultur und Sprache lernen und ich finde, es ist etwas Gutes, zweisprachig zu sein. Es war sehr interessant, auch an meiner Schule die kulturelle Vielfalt zu erleben und zu lernen, die Meinungen der anderen zu akzeptieren. Bevor ich nach Deutschland kam, hatte ich von Demokratie gehört. Jetzt weiß ich, wie das geht“, sagt sie und weiter: „Ich habe gelernt, durch den Willen kann man alles erreichen.“


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