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“… dann pensioniere ich.”

Was passiert, wenn die Passion pensioniert? - Die Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) Dr. Elisabeth Niggemann ist in den Ruhestand getreten. Ihr Ehegesponst Peer Kling, so betitelte ihn ihr Vorgänger, plaudert frech aus dem Nähkästchen.

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Die frühere Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek, Elisabeth Niggemann (r.) hatte es in ihrem Berufsleben nicht immer leicht. Aber sie kann stolz sein auf ihr Lebenswerk, das national und international Anerkennung findet. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier würdigte „ihre beeindruckenden Leistungen und ihr Engagement“ mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Kulturstaatsministerin Monika Grütters reiste nach Frankfurt, um es zu überreichen. Foto: Alexander Paul Englert
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Der Künstler Juan Fernandez aus Engelsdorf, drohte einmal, sollte das und das passieren: „Dann pensioniere ich.“ Genau das ist am Freitag, dem 13. Dezember 2019 Elisabeth pensioniert, ehm passiert. Verstehe, Männer aus Chile pensionieren aktiv selbst, Staatsbeamtinnen in Deutschland werden pensioniert, es passiert einfach, ganz brav in der Regelzeit. Ja, schon, sie war und ist passioniert. Passion Nummer eins von „Frau General“ war immer der „Job“. Der ist jetzt Geschichte, Zeit für Passion Nummer zwei. Das wäre dann meine Wenigkeit. Sie kehrt tatsächlich der Welt den Rücken zu und zieht nach Aldenhoven-Dürboslar zum „Ehegesponst“. Das ExPEERiment kann beginnen, nach 20 Jahren Wochenendehe.

Die Erfolgsgarantie besteht aus zwei Gärten, zwei Komposthaufen, zwei Küchen, … Na, ja, zwei Philosophien zweier Individualisten benötigen nun mal jeweils ihr eigenes Gerät. Aber wie soll DAS denn gehen, nur EINE Katze? Wir werden sehen. Im Zuckerrübenland möchte die studierte Mikrobiologin jedenfalls mit ihrem bekloppten Mann, nach eigener Aussage der bekloppteste, den sie je kennen gelernt hat, wohnen, leben, gärtnern, kochen, Filme gucken und lesen, lesen, lesen. Unsere Urlaube waren eigentlich immer nur „Abfallprodukte“, aber Müll ist ja mein Ding. Na, ja, ohne meine Frau wäre ich wohl nie nach Korea, Bangkok oder Rio de Janeiro gekommen. Dort haben uns übrigens zwei Männer überfallen, ausgerechnet an Elisabeths Geburtstag. Wir hatten alles falsch gemacht, was wir falsch machen konnten, hatten aber Glück.

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Mit ihrem Nachfolger ist sie ebenfalls glücklich. Sie kann loslassen, nach 20 Jahren in diesem Amt, zunächst an drei Standorten, Frankfurt, Leipzig, Berlin. In Berlin war „Das Deutsche Musikarchiv“ angesiedelt. Diese Abteilung der DNB sammelt und archiviert Musik, um diese dauerhaft zu erhalten und verfügbar zu machen. Den Tonträgern oder Noten widerfährt also dasselbe, was den Buchstaben in Frankfurt und Leipzig passiert, egal ob gedruckt oder digitalisiert. Es war in der ehemaligen Siemensvilla untergebracht, ein Eldorado ohne gleichen, unten Musikarchiv-DNB, oben BND, Bundesnachrichtendienst. Denen regnete es zuerst in die Akten, wenn das Flachdach undicht war. Dann ein Neubau in Leipzig, sieht aus wie ein liegendes Buch, überzeugend. Eine bis dahin unbekannte Architektin erhielt den Zuschlag, Gabriele Glöckler aus Stuttgart. Das Musikarchiv wurde dort integriert, Elisabeths Leipziger Dienstwohnung entfiel. Ich nannte sie immer unser Bomben sicheres Wohnzimmer, geschuldet dem Meter dicken Bossenwerk im Souterrain. Einmal habe ich „Frau General“ als Delegation zusammen mit meiner desorientierten Mama, Pflegestufe zwei und unseren damals drei Katzen in Leipzig besucht. Die „Location“ befand sich im Sicherheitsbereich und wenn ich spät „nach Hause“ kam, berichtete mir erst ´mal der patrouillierende Wachmann in perfektem Sächsisch und haargenau, was Sache ist: „Frau Doktor liest gerode.“

Wenn ich gefragt wurde, was denn meine Frau eigentlich und überhaupt so beruflich mache, antwortete ich gerne in Anlehnung an unsere heimische Kohle: „Meine Frau ist als Managerin im Bücherbergbau tätig.“ In Frankfurt steht alles, was je nach dem Krieg in deutscher Sprache veröffentlicht wurde in Reih und Glied, wenn auch total durcheinander, also nicht thematisch geordnet in mehreren unterirdischen Etagen, „unter Tage“ also. Der elektronische Katalog verrät, wo was zu finden ist. Größenordnung 800 Neuzugänge pro Arbeitstag. Die DNB, Standort Frankfurt hat eine Option auf die Tankstelle gegenüber der Straße. Diese Hauptverkehrsader wird später untertunnelt. So kann der „Bücherbergbau“ vorangetrieben werden. Der kleine Unterschied: Sie bauen auf, nicht ab. Aber das liegt nun alles nicht mehr in Elisabeths Verantwortung. Die zurückgewonnene Ehefrau bringt jetzt allmorgendlich ihrem Mann Kaffee ans Bett – nicht aus Fürsorge, wie sie augenzwinkernd zugibt, sondern damit sie ungestört und in aller Ruhe Zeitung lesen kann, die F.A.Z., irgendwie bleibt die gebürtige Westfälin dieser anfangs etwas fremden Stadt eben doch treu.

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Peer Kling
Peer Kling, typisches "KFA-Kind", nicht aus der Retorte, aber in der zweiten Volksschulklasse nach Jülich zugezogen, weil der Vater die Stelle als der erste Öffentlichkeitsarbeiter "auf dem Atom" bekam. Peer interessiert sich für fast alles, insbesondere für Kunst, Kino, Katzen, Küche, Komik, Chemie, Chor und Theater. Jährlich eine kleine Urlaubsreise mit M & M, mit Motorrad und Martin.

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