
Die Ansprüche an den Preis „Meister.Werk.NRW“ sind hoch. Es werden nicht nur eine hohe handwerkliche Produktions- und Produktqualität im selbst hergestellten Sortiment verlangt, sondern auch Regionalität, Nachhaltigkeitskonzepte, eine angemessene Entlohnung und Ausbildungsplätze. Und das sind noch nicht einmal alle, geschweige denn die branchenspezifischen Kriterien. Außerdem gibt es beispielsweise einmal im Jahr eine Brotprüfung der Innung, welche die Qualität der Backwaren prüft, erzählt Weitz. Es sei ein Ausschlusskriterium, daran nicht teilzunehmen. Selbstverständlich zusätzlich zur Gesundheitsprüfung. Um den eigenen Betrieb als „Meister.Werk.NRW“ auszeichnen lassen zu können, müssen diese entsprechenden Belege beigebracht werden. Mainz-Weitz ist für dieses Jahr der einzige diesen Preis tragende Betrieb in Jülich.
Und das ist nicht die einzige Prämierung, die Patrick Weitz in jüngster Zeit erhalten hat: Erfolgreich hat er die Brotsommelier-Prüfung abgelegt und ist somit einer von 312 Brotsommeliers weltweit – ein „Markenbotschafter für gutes Brot“, wie er selbst es ausdrückt. Mit dieser Ausbildung könne er theoretisch auch als Brotprüfer in anderen Innungen Brote prüfen. Ausgebildet wurde er in Bereichen wie der Kulturgeschichte des Brotes, Rohstoffkunde, sensorischen Fähigkeiten oder „Food Pairings“: welches Brot zu welchem Belag – beziehungsweise Wein – passe. Dabei hätte er beinahe ein Jahr auf den Titel warten müssen, denn durch einen Fußbruch verpasste er eine Prüfung. „Es sind acht Handlungsfelder und da muss jeder Teil für sich bestanden sein“, erklärt der Bäckermeister. Gelungen ist es schließlich trotzdem mit einem Umweg über die Schweiz, in der dieselbe Prüfung zwei Wochen später abgelegt wurde. Schließlich gibt es in Deutschland nur eine Ausbildungsstätte für Brotsommeliers. Diese Ausbildung war für ihn ein Blick über den Tellerrand, gerade auch der Austausch mit Kollegen. Das hat sich auch bereits ausgezahlt: Für diese Region untypisch habe er sich an Brot mit Gewürzen versucht und damit ein spezielles Holzofenbrot entwickelt.
Und apropos Brotentwicklung: Auch eine Projektarbeit mit 40- bis 60-seitigem Textteil musste abgegeben werden. Diese muss neues Wissen über Brot schaffen und das Thema zuvor von der Prüfungskommission abgenommen werden. In seinem Fall habe er – ausgehend von seiner Morbus Crohn-Erkrankung – ein Brot entwickelt, das die Konsistenz und Frequenz von Stuhlgang positiv ändern könne. Ein Thema, das vielleicht dereinst von neuen Brotsommeliers weiterentwickelt wird, denn auch das ist eine Prüfungsmöglichkeit. Auch, wenn es nach fast zwanzig Jahren als Bäckermeister schön sei, noch einmal etwas Neues zu erfahren: Die elfmonatige Ausbildung mit drei Präsenztagen im Monat in Baden-Württemberg sei sehr anstrengend gewesen, berichtet Patrick Weitz. „Hätte ich auch vorher niemals gedacht, dass das nochmal so eine Hausnummer ist.“ Ein Meilenstein. Dankbar sei er den Menschen um ihn herum, denn möglich gewesen sei die Ausbildung nur dank seiner starken Familie und seines ebenso starken Teams.
Das Team, das auch noch einen Platz frei hat: Ein oder eine Auszubildende im Verkauf wird noch gesucht, ein Lehrling für die Backstube sei neben einer auszubildenden Konditorin schon gefunden. „Aber wenn sich jetzt noch jemand bewirbt, würde ich auch noch einen zweiten Auszubildenden nehmen“, meint Weitz schmunzelnd.
Hören Sie hierzu auch den Podcast bei dem Anna Rohowsky im Dezember 2024 dem Traditionsbäcker Einblicke in den Betrieb entlockte.
Zur Pressemitteilung des Ministeriums und der Preisverleihung durch Ministerin Silke Gorißen.


















