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„2030 fängt jetzt schon an“

Drei Jahre Vorbereitungszeit sind ins Land gegangen. Jetzt legt der Arbeitskreis „Kirche 2030“ in der Pfarrei Heilig Geist erste strategische Pläne vor, wie die Zukunft der Kirche und Immobilien in 16 Gemeinden im Jülicher Land aussehen soll.

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Vor acht Jahren wurden die 16 Gemeinden im Jülicher Land zur Pfarrei Heilig Geist fusioniert. Die Feuertaube als Symbol soll die Gläubigen inspirieren. Foto: Dorothée Schenk | Archiv PuKBSuS
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„Wir wollen nicht mehr zusehen, wie es an allen Stellen etwas weniger wird – wir möchten in die Offensive gehen“, erklärte der leitende Pfarrer, Propst Josef Wolff bei der Pressekonferenz „Pfarrei Heilig Geist Jülich gestaltet ihre Zukunft und setzt Schwerpunkte“. Die Erkenntnis: Finanzmittel, die personellen Ressourcen und die Zahl der Gläubigen sinken stetig. „Wir können nicht überall der Vollsortimentler sein, wenn wir attraktiv sein wollen“, fasste Bianca Hövelmann, stellvertretende Kirchenvorständlerin, zusammen. Das heißt: nicht jede der 16 Gemeinden der Pfarrei kann das pastorale Angebot „von der Wiege bis zur Bahre“ bieten. „Geistliche Heimat zu sein“ sei vielmehr das Credo der Zukunft.

Josefine Meurer erläutert die Zukunft der „Themenkirchen“. Foto: Dorothée Schenk

Pastoralreferentin Barbara Biel erklärt: „Es ist ein Wandel des territorialen Kirchenbildes. Jetzt geht es um Themen.“ Das wird schmerzlich werden, soviel ist allen klar. Gesprochen wird von einer „Fokussierung“ und „Konzentrierung“ kirchlichen Lebens und das heißt im Klartext nichts geringeres, als das ausdrücklich vier Kirchen Bestandssicherheit haben. Im Detail schildert Josefine Meurer vom GdG-Rat soll in Selgersdorf St. Stephanus das Zentrum für Trauernde entstehen, eventuell auch ein Columbarium. Lich-Steinstraß mit Kirche und angrenzendem Andreashaus sind bereits für Familienpastoral und Veranstaltungen genutzt worden. Das Angebot soll ausgebaut werden. Im Nordviertel ist bereits die Jugendkirche 3.9zig zu Hause. Und die Propstei-Pfarrkirche hält inklusive Pfarrzentrum in der Häuserzeile Stiftsherrenstraße 9-19 ein „rundum Angebot“ vor. Die übrigen kircheneigenen Gebäude – ob Jugendheime, Pfarrhäuser oder die eigentlichen Gotteshäuser – könnten an Interessierte verkauft werden. Grundvoraussetzung ist hierfür eine „würdige Nachfolgenutzung“ und bei Kirchen die Zustimmung des Bistums zur Entweihung. Für Bourheim, St. Rochus im Heckfeld und auch zwei weitere Orte gibt es offenbar bereits Interessensbekundungen. Aber, so Propst Wolff: „Die Zukunft Kirchen sollen im Konsens mit den Menschen und nicht in der Politik entschieden werden.“

Foto: Dorothée Schenk
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„Wir machen es uns nicht leicht – wir sind Treuhändler“, formulierte es Thomas Surma als 1. Vorsitzender des Kirchenvorstandes. Aber wenn ein potentieller Käufer anböte, sogar die Glocken zu läuten, die Kirche weiterhin für Gläubige auf Nachfrage zu öffnen, der Kirchturm stehen bliebe und damit „die Kirche im Dorf“ bleiben könne, dann würde im Sinne der Menschen viel erreicht. Das war auch die Grundresonanz zum Vortrag über das Thema „Heimatkirche“ von Dr. Peter Nieveler, der im vergangenen Dezember bereits in die zu erwartenden Veränderungen einführte: Neben den religiösen Motiven zum Erhalt von Kirchen stehen die emotional-traditionellen, so das eine Vielzahl von Menschen in den Dörfern ein Interesse am Erhalt der Gotteshäuser hat. Mancherorts, so gibt Barbara Biel zu bedenken, werde eine Umnutzung die einzige Möglichkeit für den Erhalt der Ortskirchen sein.

Mit betrachtet wird selbstverständlich auch das Thema Kirchenschätze, also das Inventar der Kirchen, das nach einem etwaigen Verkauf nicht im Gotteshaus bleiben wird. „Da tragen wir große Verantwortung“, ist sich Thomas Surma bewusst. „Für den einen ist es eine Kirchenbank – für den anderen ein emotionales Möbel. Wir müssen die Empfindungen der Menschen in allen Facetten ernst nehmen.“

Bianca Hövelmann. Foto: Dorothée Schenk

Als Beispiel, wie eine einvernehmliche Lösung möglich sei, führte Thomas Surma auch „Broich“ an. Hier wird auf dem Grundstück des ehemaligen Pfarrhauses ein neues Feuerwehrhaus entstehen, in dem die St. Philippus-und-Jakobus-Gemeinde Broich einen eigenen Versammlungsraum nutzen wird. Die Kirche selbst bleibt erhalten. „Das ist ein Glücksgriff für beide Partner“, sagt Surma und deutete an, dass in regelmäßigen Gesprächen mit der Stadt Jülich, die das Feuerwehrhaus bauen wird. Für andere Orte werden – wo möglich –  ebensolche Lösungen in die Erwägung einbezogen.

Die Umsetzung der nun öffentlich gewordenen Perspektiv-Planungen wird nicht über Nacht geschehen. Gut ist, so der allgemeine Tenor, dass sich die Pfarrei bereis früh auf den Weg gemacht hat, die anstehenden Probleme zu lösen. Denn, so Barbara Biel: „Ideen müssen entwickelt werden, Häuser gebaut werden.“ und in diesem Sinne ist auch Thomas Surma nach eigenem Bekenntnis beim Start des Projekte klar geworden: „2030 fängt jetzt schon an.“ Oder, um es mit Bianca Hövelmanns Worten zu sagen: „Das ist nicht das Ende – jetzt geht es erst los.“

Aus der Präsentation „Pfarrei Heilig Geist Jülich gestaltet ihre Zukunft und setzt Schwerpunkte“

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