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Schandfleck angeprangert

Das Wohn- und Geschäftshaus Nr. 17 im Schatten des Hexenturms in der Kleinen Rurstraße ist zu ungeahnter Bekanntheit gelangt. Es ist ein Hingucker. Und das ist nicht im positiven Sinne. Seit März beschäftigen sich die Jülicher Ausschüsse mit einem Antrag der Straßengemeinschaft Kleine Rurstraße – Grünstraße, die gerne den Schandfleck innerhalb ihrer Einkaufsmeile tilgen möchten.

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Foto: Ulrich Backhausen
Foto: Ulrich Backhausen
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Die Fenster der Schaufenster sind von innen mit Zeitungspapier verklebt. „Änderungsatelier“ steht noch auf einer Scheibe. Außen nutzen Veranstalter die Glasflächen als wilde Werbefläche. Wie tiefe Einschläge sind Löcher über die Fassade im Erdgeschoss verteilt. Der Eingangsbereich ist alles andere als repräsentabel. „Man schämt sich, dort hineinzugehen“, sagt eine Bewohnerin, die aus Rücksicht auf ihre Mutter auf einen Umzug verzichtet.

Eine Veränderung ist für Ulrich Backhausen als Vorsitzendem der Straßengemeinschaft eine Herzensangelegenheit – und am liebsten möchte er sich auf dem Gesprächsweg mit dem Hausverwalter einigen. Zweierlei ist den anwesenden Mitgliedern des Planungs-, Umwelt-, Bauausschusses und des Ausschusses für Kultur, Stadtmarketing und Wirtschaft schnell klar: „Das ist geschäftsschädigend! Auch wenn es vielleicht nicht messbar ist“, bringt es Martina Gruben (SPD) auf den Punkt und: „Kleinigkeiten würden helfen.“ Die Verschläge reichen von einer Besprühung der Fensterscheibe, wie sie gegenüber in einem Geschäfts für eine Schlussverkaufsaktion genutzt wird, über Plakate oder einen „Vorbau im öffentlichen Raum“, eine Begrünung… Das alles, schränkt Martin Schulz als erster Beigeordneter der Stadt Jülich ein, sei rechtlich nicht schwierig „auch wenn ich kein Jurist bin“, aber klar macht Schulz: „Das Grundgesetz schützt das Eigentum. Ein Eingriff ist nur möglich, wenn eine Gefahr für die Öffentlichkeit vorliegt.“

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Auch dieser Fakt ist langhin bekannt und wurde bereits im Mai von Bürgermeister Axel Fuchs formuliert. Abgelehnt wurde der von der Straßengemeinschaft eingebrachte Bürgerantrag dennoch nicht, denn: „Wir als Verwaltung haben für diesen Antrag sehr viel Verständnis. Die Situation ist bekannt“, sagte Fuchs wörtlich. Gemeinsam wolle man mit Straßengemeinschaft, Politik und Verwaltung durch öffentliche Bekanntmachung „sozialen und gesellschaftlichen Druck“ auf den Verwalter ausüben.

Dieser bringt sich bekanntermaßen mit Denkmalpflege-Projekten ins Gespräch, was einmal mehr – auch beim Ortstermin – für Unverständnis sorgte. Besonders pikant: Noch bei der öffentlichen Übergabe der neuen Fensterläden des Hexenturms hatte der Verwalter vor Zeugen Besserung versprochen. Inzwischen hat er nicht nur einen Rückzieher gemacht, sondern ist völlig abgetaucht. Anrufe auf allen bekannten Telefonnummern laufen ins Leere, wie Ulrich Backhausen schulterzuckend erzählt. Gleiches gilt für die elektronische Post, die unbeantwortet bleibt. Im Mai hatte der Chef der Straßengemeinschaft im Ausschuss formuliert: „Ich weiß, dass es ganz schwer bis unmöglich ist, da eine Lösung zu finden. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf“ und am liebsten „wenn es geht im Miteinander und im Guten“, betonte Ulrich Backhausen auch heute wieder.
Der Ball liegt wieder im anderen Feld.

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