Start Stadtteile Jülich Zwischen Optimismus, Streitkultur und globaler Verantwortung

Zwischen Optimismus, Streitkultur und globaler Verantwortung

Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie lebt vom Austausch, von Beteiligung und manchmal auch vom Streit über den richtigen Weg. Wie Demokratie vor Ort und weltweit gestärkt werden kann, darüber diskutierte ein politisches Podium im PZ der Zitadelle. Die Veranstaltung war Teil des Projekts „Demokratie weltweit gestalten – Deine Stimme. Deine Welt. Dein Jülich.“, das von Hannah Lüsgen von der Stabstelle NaMoK der Stadt Jülich initiiert wurde. Hannah Strobel vom Next Economy Lab aus Bonn führte durch den Abend.

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Hannah Lüsgen begrüßte als Initiatorin der Stabsstelle NaMok der Stadt Jülich, die Gäste zum Demokratischen Abend. Foto: Oliver Garitz
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„Wie ist Ihre optimistische Sicht auf die Demokratie?“ Mit dieser Fragestellung eröffnete Moderatorin Hannah Strobel die erste Runde der Podiumsdiskussion. Neben Bürgermeister Axel Fuchs saßen Sibylle Hausmann, Dezernentin für Arbeit und Bildung des Kreises Düren, der erste stellvertretende Bürgermeister Karl-Philipp Gawel (CDU), Alexander Eckert (UWG), der SPD-Fraktionsvorsitzende Harald Garding, die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Christine Klein sowie Dr. Andreas Janssen, Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Düren, auf dem Podium.

Dezernentin Sibylle Hausmann zeigte sich überzeugt von den heutigen Beteiligungsmöglichkeiten und ihrer Bedeutung für die politische Bildung. „Es ist noch nie so einfach gewesen, sich zu beteiligen“, sagte sie. Über soziale Medien, E-Mail oder den direkten Kontakt zu Politikerinnen und Politikern gebe es zahlreiche Möglichkeiten, sich einzubringen. Besonders wichtig sei die Frage, „in welcher Gesellschaft möchten wir leben?“. Als bekennender Rheinländer, so stieg Bürgermeister Axel Fuchs schmunzelnd ein, pflege er eine optimistische Sichtweise. „Wir alle brauchen im Herzen wieder ein Stück weit diese Verpflichtung, dafür einzustehen, was die Gründerväter uns mit dem Grundgesetz geschenkt haben“, rief der Verwaltungschef dem Publikum zu und verwies auf die Arbeit der Schulen bei der Vermittlung demokratischer Werte.
Wie Demokratie vor Ort gestärkt werden kann, darüber gingen die Vorstellungen teilweise auseinander. Karl-Philipp Gawel (CDU) sprach sich für mehr Beteiligungsmöglichkeiten aus: „Wir müssen über das Kreuz auf dem Wahlzettel hinausgehen.“ Demokratie müsse für die Menschen erlebbar sein. Gleichzeitig warb der Christdemokrat für Offenheit und Toleranz: „Ich möchte mir gerne andere Meinungen anhören, auch wenn sie wehtun.“

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Alexander Eckert von der UWG betonte vor allem die Bedeutung des Ehrenamtes und der Bürgerbeteiligung. Demokratie beginne nicht erst im Rat, sondern im Alltag. „Demokratie ist für mich etwas, das direkt bei uns im Ort ankommt“, sagte er. Vertrauen entstehe dann, wenn Menschen spürten, dass ihr Engagement Wirkung zeige. Zur Transparenz als wesentlichen Bestandteil des demokratischen Systems bekannte sich SPD-Fraktionsvorsitzender Harald Garding. „Demokratie ist Aufwand“, stellte er fest. Öffentlichkeit und nachvollziehbare Entscheidungen seien entscheidend, um Vertrauen zu schaffen. Gleichzeitig sprach sich der Sozialdemokrat für mehr Transparenz und offene Diskussionen aus.

Einen sehr positiven Blick auf das demokratische Gefüge gerade in Jülich formulierte Christine Klein (Bündnis 90/Die Grünen). „Wir sehen eine große Chance in dem enormen zivilgesellschaftlichen Engagement“, sagte sie und zählte Jugendparlament, Seniorenbeirat, Bürgerinitiativen und Vereine auf, die sich an den Prozessen in der Stadt beteiligen. „In meinen Augen müssen wir dieses Engagement stärken und weiter unterstützen.“ Dabei sei es wichtig, die Menschen ernst zu nehmen und ihre Anliegen wertzuschätzen.

Deutlich kritischer fiel die Einschätzung von Dr. Andreas Janssen (AfD) aus. Er bezeichnete den Zustand der Demokratie in Deutschland als „desolat“ und machte dafür die Rahmenbedingungen in Berlin und Brüssel verantwortlich. Er kritisierte, dass die Bürgerschaft nicht ausreichend gehört werde und verwies auf die aus seiner Sicht zu geringe Wahlbeteiligung.

Dem widersprach Harald Garding (SPD) deutlich. Er verwies auf die zahlreichen projektbezogenen Initiativen in Jülich und nannte beispielhaft den Widerstand gegen das geplante Hochregallager in Kirchberg. Der überdurchschnittliche Einsatz kommunaler Mandatsträger sei aber nicht für jeden etwas. Auch Bürgermeister Axel Fuchs hielt dagegen und verwies auf die Beteiligung bei Kommunalwahlen. „Wir haben bei der Kommunalwahl eine Wahlbeteiligung von 70 Prozent gehabt. Das ist schon repräsentativ“, sagte er. „Die Gründerväter haben uns zu Recht keine Wahlpflicht aufgelegt, sondern ein Wahlrecht.“ Wenn sich Menschen an öffentlichen Prozessen wie etwa dem Integrierten Handlungskonzept nicht beteiligten, könne dies auch daran liegen, dass sie „Vertrauen haben in unsere Ratsfrauen und Ratsherren und in die Verwaltung, dass das Richtige schon entschieden wird“.

auf dem Podium von Links nach rechts: Christine Klein, Alexander Eckert, Sybille Hausmann, Hannah Strobel, Axel Fuchs, Karl-Philipp Gawel, Harald Garding, Andreas Janssen. Foto: Dorothée Schenk

Immer wieder ging es im Verlauf der Diskussion um politische Bildung und die Frage, wie junge Menschen an demokratische Prozesse herangeführt werden können. CDU-Politiker Karl-Philipp Gawel erinnerte an einen Besuch einer Schulklasse im Rathaus und warb dafür, Demokratie stärker praktisch zu vermitteln. UWG-Vertreter Alexander Eckert kündigte neue Formate der offenen Jugendarbeit an. Auch die von Grünen-Fraktionschefin Christine Klein angeregte Übertragung von Rats- und Ausschusssitzungen im Internet wurde diskutiert.

Mehrfach wurde die Rolle der Medien angesprochen. Scharfe Kritik an der Berichterstattung des Stadtmagazins übte AfD-Kreisvorsitzender Dr. Andreas Janssen. Bürgermeister Axel Fuchs stellte sich dagegen deutlich hinter die Presse. „Wir haben hier keine Lügenpresse. Wir haben hier eine Presse, mit deren Meinung man nicht immer einverstanden sein muss, die für unsere Demokratie aber verdammt wichtig ist.“

Nach einer lebhaften Diskussion mit Fragen aus dem Publikum blieb am Ende vor allem eine Botschaft: Demokratie lebt vom Dialog. Moderatorin Hannah Strobel fasste zusammen, Demokratie bedeute Austausch, Solidarität, Transparenz und gute inhaltliche Arbeit. Sie schloss mit den Worten: „Ich glaube, wir wissen jetzt, woran wir sind.“

Bereits zum Einstieg hatte der Demokratische Abend drei Fachvorträge auf dem Programm. Serge Palasie vom Eine Welt Netz NRW warf in seinem Vortrag „Zwischen universellen Ansprüchen und selektiver Realität – Ein historischer Blick auf Demokratie“ einen kritischen Blick auf die Entwicklung demokratischer Systeme. Dabei ging es um Ungleichheiten, Ausgrenzung und die Frage, wie demokratische Teilhabe bis heute verbessert werden kann. Zudem machte er auf die Unterrepräsentation verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in politischen Institutionen aufmerksam.

Die Partnerschaft des Kreises Düren mit einer Kommune in der Elfenbeinküste stellte Linus Adler, Koordinator für Kommunale Entwicklungspolitik des Kreises Düren, vor. Im Mittelpunkt steht der Bau einer Geburtshilfestation zur Verbesserung der medizinischen Versorgung von Schwangeren und Neugeborenen. Das Projekt umfasst auch die Ausbildung von Fachpersonal und den internationalen Austausch.

Den Abschluss der Vorträge gestaltete Dorothée Schenk, Chefredakteurin des HERZOG Kultur- und Stadtmagazins, mit ihrem Vortrag „Demokratie ist eine Frage der Haltung – auch vor Ort“. Sie hob die Bedeutung von Journalismus und Medien für eine funktionierende Demokratie hervor und betonte, dass eine aktive Informationsbeschaffung und die kritische Prüfung von Quellen gerade in Zeiten sozialer Medien und künstlicher Intelligenz wichtiger denn je seien. Zugleich unterstrich sie die Rolle des Journalismus als Kontrollinstanz und die Bedeutung des Lokaljournalismus für den demokratischen Diskurs.


Im Zuge des Projektes entstand auf dem Marktplatz ein „Straßenbild“ der Künstlerin Lydia Hitzfeld. Zum Beitrag


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