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Rettungsring gesucht

Schon mehrfach hat Jülich im übertragenen Sinne auf dem Startblock gestanden, um den Absprung zu wagen in Sachen Bäderfrage.

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Foto: David Mark | Pixabay
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Das Thema „Schwimmbad“ treibt seit Jahrzehnten die Menschen um, wobei die Zeitspanne nicht symbolisch gemeint ist. Angesichts der angestrebten Weiterentwicklungen der Stadt – Stichworte: Wachstumsinitiative und Einwohnerzahl 40.000+X – wird von den weichen Standortfaktoren gesprochen, und einer ist sicher, ein modernes Hallenbad vorzuhalten. Der Wille ist da, wie sich im Stadtratsbeschluss im November vergangenen Jahres zeigte. Seither hat sich aber die Weltenlage verändert. Ein Neubau scheint derzeit in unplanbare Ferne gerückt.

Eine Bädervita aus 20 Jahren

Der Förderverein Freibad gründete sich 2002 und war Träger des Bades.
Betreiber waren zu dieser Zeit bereits die Stadtwerke Jülich. 2005 war klar, dass die Sanierung des Bades 1,4 Millionen Euro kosten würde, was die Möglichkeiten des Vereins selbstverständlich überstieg. Den Stadtwerken wurde die Übernahme angetragen, und die Sanierung erfolgte.

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Zur gleichen Zeit präsentierte Landrat Wolfgang Spelthahn seine Idee, in Jülich ein Schwimmleistungszentrum in direkter Nachbarschaft zu errichten. Ein entscheidender Punkt, denn seit dieser Zeit wird in Jülich weniger über eine Sanierung, denn über einen Neubau eines neuen Hallenbades gesprochen. Auch der Standort scheint gesetzt.

Verlockend scheint die Perspektive, die Spelthahn eröffnet: Bei einer Schließung des Jülicher Hallenbades und Integration der Fläche in den geplanten Neubau könne die Stadt ihre Kosten um 40 bis 60 Prozent senken. Während das Freibad inzwischen zum Schmuckstück saniert ist, fristet das Hallenbad daher eher ein Dornröschen-Dasein.

2008 sollte die Entscheidung für das Schwimmleistungszentrum eigentlich in trockenen Tüchern sein. Doch dann kam das Aus.

Eine Zeitlang blieb es ruhig an der Bäderfront. Das hatte auch rechtliche Ursachen nach der Beinahe-Vergabe des Schwimmleistungszentrums. 2014 schlugen dann die Wellen wieder hoch, als per Ratsbeschluss der Betrieb der Lehrschwimmbecken in Koslar und Welldorf eingestellt wurde. Der Schwimmunterricht aller Schulen im Jülicher Stadtgebiet sollte künftig in den Hallenbädern von Jülich, Titz und Linnich stattfinden. Tragischerweise fiel in diesem Jahr durch das Sturmtief Ela zumindest zeitweise das Freiluftschwimmen aus.

Es sollte vier Jahre dauern, bis die Politik sich erneut dem Thema Bäderfrage annahm: Die CDU griff 2018 das Thema „Hallenbad“ auf. „Eine (Kern-)Sanierung betrachten wir nicht als wirtschaftlich“, hieß es. Und da die „rechtlichen Hemmnisse des Projekts ,Schwimmleistungszentrum’“ gefallen waren, strebte die Partei einen raschen Neubau an. Standort wie dereinst: am Freibad, um Synergien zu nutzen. Und in größerem Zusammenhang gedacht solle links der Rur ein Freizeitschwerpunkt Kultur, Sport und Tourismus etabliert werden. Im selben Jahr wurden übrigens bei den regelmäßigen Reinigungs- und Sanierungsarbeiten zum Jahreswechsel neue Duschen im Hallenbad installiert.

Mit den Überlegungen zum Integrierten Handlungskonzept 2020 schien nun der Weg frei für einen Neubau des Hallenbades als Kombibad am Freibadstandort. Eine große Fördersumme des Landes sollte es möglich machen. Dazu bekannte sich auch die SPD.

Dann kam die Flut im Juli 2021 und fügte beiden Bädern erheblichen Schaden zu. Während das Hallenbad bald wieder öffnen konnte, fiel die Freibadsaison 2021 im wahrsten Sinne ins Wasser. Ein Neubau schien daher eine logische Perspektive, die auch so im Rat der Stadt Jülich im November 2021 beschlossen wurde. Wichtige Voraussetzung für eine Planung ist aber, dass Gutachter entscheiden, wie viel eine Sanierung des Freibades kosten würde und oder ob ein Neubau mit Fördermitteln möglich wäre.

Seit April 2022 jedenfalls steht schon fest, dass auch in diesem Jahr kein Freiluftschwimmen im Becken an der Rur möglich sein wird.

Und jetzt scheint es, als würde der Neubau eines Hallenbades zum wiederholten Male in unplanbare Ferne rücken. Zum einen ist die Haushaltslage der Stadt Jülich gelinde gesagt angespannt. Dazu kommen der Krieg in Europa, explodierende Energiepreise, nach dem Flutereignis 2021 Lieferengpässe bei technischer Ausstattung, unkalkulierbare Bau- und Materialkosten sowie fehlende Handwerker-Kapazitäten.

Zumindest planerisch ist das Thema aber noch nicht vom Tisch. Im Sportausschuss wurde im Mai die Idee des „Sportparks Jülich“ vorgestellt. Marcus Fischer vom Rheinbacher Büro Dr. Ing Fischer Consult präsentierte seine Visionen, zu denen auch der Neubau eines Hallenbades in Nachbarschaft zum Freibad gehörte. In der Beschlussfassung heißt es: „Die Verwaltung wird beauftragt, die in der Machbarkeitsstudie vorgestellten Planungen weiter zu verfolgen.“


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