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Hans Rohowsky

Eine ganz persönliche Würdigung von Markus Rohowsky. Ein Geburtstagsbrief an einen Doppeljubilar.

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Hans Rohowsky. Foto: la mechky +
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Lieber Vater,

Dein runder Geburtstag fällt ins 50. Jubiläumsjahr der Fachhochschule Aachen und, für uns Jülicher besonders wichtig, in das der damals sogenannten „Abteilung Jülich“. Wo zwei so eng miteinander verbundene Jubilare einen runden Geburtstag feiern, will ich es mir nicht nehmen lassen, ein paar Worte über und vielleicht auch an Dich zu schreiben.

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Geboren in Oberschlesien, Halbwaise und von Deiner Mutter in nahezu grenzenloser Freiheit, die sich den Überlieferungen nach in allerhand Lausbubengeschichten niederschlug, großgezogen, geriet Dein Leben zunächst aus der Bahn. Als der 2. Weltkrieg 1945 unaufhaltsam mit all seiner Grausamkeit in Deine geliebte Heimat eindrang und letztlich 1946 zur Vertreibung führte, brach für Dich eine Welt zusammen. In Osterode / Harz, wo ein ehemaliges KZ-Außenlager eure erste Unterkunft wurde, normalisierte sich das Leben langsam wieder. Du gingst wieder zur Schule, lerntest Deine Renate kennen, machtest Abitur und gingst nach Aachen, um dort das Studium der Eisenhüttenkunde zu beginnen, obwohl Du schon einen Studienplatz für Medizin hattest. Dieses lange Studium war aber in Deiner damaligen Situation nicht zu finanzieren.

Nach dem Studium begann Deine berufliche Karriere als Doktorand bei ALCAN in Göttingen. Da die Ergebnisse Deiner Doktorarbeit aber so relevant waren, dass ALCAN die Veröffentlichung verbot, blieb Deine Promotion auf der Strecke. Bis heute rätst Du jedem, der sich mit dem Gedanken zu promovieren trägt, augenzwinkernd: „Beschäftige Dich in Deiner Promotion nie mit einem Thema, dass irgendjemand wirklich gebrauchen kann.“

Weitere Stationen waren die Firmen Krupp in Oberhausen und die Mannesmann Röhrenwerke in Düsseldorf Reisholz, wo du an der Realisierung der Kühlinfrastruktur des Reaktorbehälters des mit atomarem Antrieb ausgestatteten Forschungsschiffes „Otto Hahn“ beteiligt warst. Deine Kenntnisse zu Reaktorwerkstoffen waren es, die Dich für Dr. Heinrich Mußmann beim Aufbau der Ingenieurschule in Jülich besonders interessant machten. Nach längerem Zögern sagtest Du zu und wurdest schließlich der 17. Dozent an dieser jungen Bildungseinrichtung. Dein Lehrgebiet war „Werkstoffkunde und spanlose Formgebung“, was auch den Bereich Chemie und Reaktor-Werkstoffkunde umfasste.

Die Räume an der Berliner Straße wurden schnell zu klein, so dass man auf externe Räumlichkeiten in einem Gasthof, einem Ladenlokal und im Arbeitsamt ausweichen musste. Mit dem Umzug in das Gebäude der neu gegründeten Fachhochschule 1971 am Ginsterweg gab es endlich genug Raum, und die „Bauräte“ und „Oberbauräte“ der Ingenieurschule wurden zu Professoren „geadelt“.

Vor allem für die detaillierte Weitergabe Deiner umfangreichen praktischen Erfahrungen aus der Stahlindustrie wurdest Du von den Studenten sehr geschätzt und liebevoll „Schlacken-Ede“ getauft. Neben Deinen fachlichen Qualitäten sollen, so hört man, Deine Vorlesungen auch immer einen hohen Entertainment-Faktor gehabt haben. Hiervon profitierten auch die Teilnehmer der „Kursstätte“, einer Bildungseinrichtung innerhalb der „KFA“. Dein geliebtes Labor für Werkstoffprüfung, dessen Leiter Du warst, faszinierte beim alljährlich stattfindenden „Tag der offenen Tür“ die Besucher und machte mich, den jüngsten Spross der Familie, immer ungeheuer stolz.

In Deiner Funktion als stellvertretender Abteilungssprecher und Vorstandsmitglied des Fördervereins der FH hast Du die Belange Deiner so geliebten „Abteilung Jülich“ nach außen vertreten.

Was ich an Dir immer wieder bewunderte, war Deine Bescheidenheit. Ich erinnere mich, dass Du für einige andere Vertreter der Jülicher Akademikerkreise, die jede Gelegenheit nutzen, Titel und Karriere mit großem Pomp zu präsentieren, oft nur spöttische Bemerkungen übrig hattest. Wenn man Dich mit „Professor Rohowsky“ vorstellte, hast Du nicht selten erwidert: „Rohowsky reicht.“ Dieses Geerdete und Gesellige, was Dich auszeichnet, war es auch, was Dir im Dorf Stetternich viel Sympathien einbrachte. Eingebettet in einen großen Freundeskreis engagiertest Du Dich dort im Pfarrgemeinderat, warst Sänger im Kirchenchor und hast zusammen mit anderen Stetternichern mit viel körperlichem, aber auch finanziellem Einsatz den Stetternicher Tennisclub als einer seiner Gründer aus der Taufe gehoben. Da stelle ich gerade fest: Offenbar warst Du auch ein bisschen sportlich, was mir bis jetzt irgendwie entfallen sein muss.

Unsere Familie und Deine Arbeit waren sicher immer die wichtigsten Dinge in Deinem Leben.
Ich wünsche Dir einen wunderbaren 90. Geburtstag und danke für in meinem Fall 49 Jahre, in denen Du mit Humor, Verlässlichkeit, Bildung und Unterstützung für mich da warst. Alles Liebe!

Dein Markus


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