Start Stadtteile Barmen 500fache Inspi-Rad-tion

500fache Inspi-Rad-tion

„Die Resonanz ist überwältigend! Ich bin beeindruckt, wie kreativ und unterschiedlich Ihr das Thema umgesetzt habt“, sagte Schirmherr Bürgermeister Axel Fuchs in der Kulturmuschel im Brückenkopf-Park. Stilecht war er natürlich mit dem Fahrrad gekommen, um die vom Kunstverein initiierte Ausstellung zum Thema "Fahrrad" zu eröffnen.

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Foto: Ariane Schenk
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Sie sind rund, eckig, haben eine Funktion oder sind einfach nur sehenswert: 500 Nachwuchs-Kunstschaffende haben sich mit dem Thema „Fahrrad“ auseinander gesetzt. So sind dreidimensionale „Fahrradfiguren“ entstanden und Comics, Aquarelle auf Papier und Fadenbilder, es wurden auf nachhaltigen Stofftaschen Motive und Leitsätze platziert, es gibt Uhren und Rad-Installationen sowie Nachbauten von Fahrrädern, die aus den unterschiedlichsten Materialien geformt sind. Eine schier unglaubliche Vielfalt. Dass der Kunstverein mit dem Thema nicht nur die vieldiskutierte Mobilitätswende, die in aller Munde ist, aufgegriffen hat, sondern auch bei den Kindern und Jugendlichen einen Nerv getroffen hat, belegt, was das Jugendparlament Jülich formulierte: „Wir haben uns angesprochen gefühlt, weil es ein zeitaktuelles Thema ist und gerade die Jugend das Fahrrad heute zunehmend benutzt.“ Umweltbewusstsein ist daher auch ein großes Thema bei vielen der Ausstellungsstücke.

Zuerst hatte der Kunstverein geglaubt, so schilderte Schirmherr Axel Fuchs das Erlebnis von der ersten Präsentation des „Fahrrad-Projektes“ im Jugendparlament, das Thema sei gar nicht gut angekommen. Überwältigt war der Verein darum von der unerwarteten Fülle: Die 500 Ausstellungsstücke sind aus den Reihen der Promenadenschule, Sekundarschule, dem Mädchengymnasium und Gymnasium Haus Overbach sowie dem Gymnasium Zitadelle eingereicht worden. Vollmundig hatte Peer Kling, Vorsitzender des Ausstellungs-Initiators Jülicher Kunstverein, im vergangenen Jahr versprochen, er werde alle eingereichten Werke zeigen. Dabei hatte er wohl selbst nicht mit dieser großen Zahl der eingereichten Werke gerechnet. So ist diesmal nicht der Hexenturm als gute Stube des Kunstvereins zur Galerie geworden. „Um alle Werke zu zeigen“, so Schirmherr Axel Fuchs, „bräuchten wir 50 Hexentürme“. Darum ist die Vielfalt auch in zwei städtischen Häusern zu sehen: Im Rathaus und Forum Aachener Tor werden die Werke rund um das Fahrrad gezeigt. „Den Spaß am Radfahren, aber auch den Schutz der Umwelt habt ihr in sehr phantasievoller Weise und mit viel Liebe zum Detail dargestellt. Ich danke Euch, den Künstlerinnen und Künstlern, herzlich dafür. Eure Kunstwerke machen den Weg zu meinem Büro um einiges attraktiver“, meinte Axel Fuchs abschließend.

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Sehr auf Augenhöhe der Kinder und in bekannt künstlerisch-chaotischer Manier (seine Worte: „Wo ich bin verursache ich Chaos“) eröffnete Kunstvereinsvorsitzender Peer Kling die Ausstellung. Zur Einfahrt des Schirmherrn mit dem Fahrrad in die Muschel stimmte Kling den Gassenhauer „Jo, mir sin mim Rad’l do“ an, holte sich im Verlauf der fast zweistündigen Vernissage im schweißtreibenden Ambiente der Veranstaltungshalle einzelne kleine Künstlerinnen und Künstler auf die Bühne, um ins Gespräch zu kommen. Sichtlich beeindruckt zeigte sich das Auditorium von Judith, 11, „bald 12“ Jahre alt und Schülerin des Gymnasiums Haus Overbach. Sie steuerte ein „Objekt“ bei, das auch noch praktischer Natur war: Einen Tisch aus Einzelteilen von Fahrrädern zusammengesetzt, weil „auf unserer Terrasse noch ein Tisch gebraucht wurde“. Als Tischplatte ist ein rundes Glas aufgelegt. Ohne elterliche Hilfe, so schilderte die 11-Jährige, habe sie das Kunststück vollbracht. Eine besondere Beziehung hat sie zum Fahrrad und zum Schirmherren Fuchs: Judith war als Grundschülerin an Leukämie erkrankt und hatte eine beispiellose Typisierungsaktion ausgelöst. Damit nicht der Schicksalsschläge genug, brannte ihr Zuhause vollständig ab. Für sie und ihre Schwester organisierte Fuchs passende Zweiräder, wofür Judith sich noch einmal von der Bühne herab bedankte.

Etwas bedauerlich war, dass zwar via Beamer die Werke digital gezeigt wurden, aber in der Kulturmuschel nur drei Werke exemplarisch zu sehen waren. Von dort aus ging es zur Besichtigungstour, auf die wetterbedingt sicher einige verzichteten. Schließlich sind die Werke bis zwei Wochen nach Ferienende – also bis Ende August – an diesen Orten zu den Öffnungszeiten von Rathaus und Forum Aachener Tor zu sehen.

Eine besondere Würdigung erhielten Hans-Peter Bochem und sein Aufbau-Team vom Kunstverein, das mehrere Kastenwagen-Ladungen zu sichten und systematisieren hatten, ehe aus den Einzelwerken schließlich ein Ausstellungskonzept wuchs. Ein ganzer Klassenraum der ehemaligen Realschule am Aachener Tor – heute VHS – war mit Leinwänden und Objekten vollgestellt. „Unlösbar“, so Bochem, schien die Aufgabe, aus dieser Fülle eine schlüssige Ausstellung zu gestalten. Es gelang dennoch und an diesem Tag sagte der Ober-Kurator der „Fahrrad-Ausstellung“: „Viel weniger Werke hätten es nicht sein dürfen“. Die Räume seien gute bestückt.

Nachhaltig sein soll diese Aktion außerdem: Allen, die am Projekt „Fahrrad“ mitgemacht haben, wird eine einjährige kostenlose Mitgliedschaft im Kunstverein angetragen. In den Folgejahren kostet der Beitrag 1 Euro pro Monat. So soll der „alternde“ Kunstverein verjüngt werden. Eine Wertschätzung der Arbeiten über den Tag hinaus wird außerdem in Form eines Jahreskalenders gezeigt, für den Kunstvereins-Vorstandsmitglied Susanne Renker mit dem Jugendparlament Jülich die Bilderauswahl treffen wird. Er soll im Herbst erhältlich sein.


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