Eigentlich gibt es in Jülich zwei Alpaka-Männer. Der eine ist Reinhold Niederhagen, also ein Mann und auch Mensch. Der andere heißt Olaf, ist zwar auch ein Mann, aber kein Mensch, sondern ein Alpaka. Er ist immer trés chic gekleidet, denn er läuft stets im hellweißen Fell-Anzug im Brückenkopf-Park auf und ab. Die Alpakawolle ist auf Grund ihrer besonderen Eigenschaften sehr beliebt und teurer als Schafwolle. Die Faser ist einerseits äußerst stark und widerstandsfähig, fühlt sich aber trotzdem weich und geschmeidig an. Alpakawolle besitzt eine hohe thermische Kapazität. Sie kühlt bei Hitze und wärmt bei Kälte. Die Alpakas stammen aus den Anden, wo es nachts frisch und tags warm ist. Sie sind also stets passend gekleidet. Zudem ist die Wolle wegen ihrer stark antibakteriellen Wirkung die perfekte Wahl für Allergiker.
Die Jülicher Tiere werden einmal im Jahr im späten Frühjahr, bevor die Sommerhitze kommt, geschoren. „Du brauchst zwei Leute zum Festhalten und einen zum Scheren. Die ursprünglichen Wildtiere wurden gezielt auf die Wolllieferung hin gezüchtet. Das hat wie bei den Schafen zur Folge, dass sie ohne Schur in freier Wildbahn gar nicht überleben könnten. Von unseren haben wir letztes Jahr fast 15 Zentimeter Wolle runter geholt“, erläutert Reinhold. Das Jülicher Alpaka-Gehege ist vom eigentlichen Zoo ausgegliedert und befindet sich im Brückenkopf-Park in Sichtweite des Floßteiches, den die Kinder gerne als Wasserspielplatz nutzen. Sie gehen dann gerne mit ihren Eltern die paar Schritte weiter zum Gehege. „Das ist allerdings kein Streichelzoo“, erklärt Reinhold, der schon mal mit blauen Flecken nach Hause kam.
Der schicke und einzige Herr im Gehege lebt für sich allein, separiert im Abseits, aber mit Blickkontakt zu den benachbarten Damen. Für den Herren, der zwar fein aussieht, sich aber nicht immer fein benimmt, gilt: „Nur gucken, nicht anfassen“, weil es einmal zu einer Verletzung kam. Verletzt waren allerdings nicht die Stuten, sondern der Hengst. Er war wohl etwas zu aufdringlich und hat einen drüber bekommen. Zu Anfang waren alle Tiere zusammen. „Da Alpaka-Hengste die Stuten generell anhaltend belästigen, besteht insbesondere die Gefahr von Fehlgeburten, daher diese Vorsichtsmaßnahme“, erklärt der Naturliebhaber. „Hengst Olaf ist im Sommer 2025 überhaupt erst in die Pubertät gekommen, vorher waren ihm die Mädels so ziemlich egal“, ergänzt er grinsend. Natürlich hofft der Jülicher Zoo auch auf Nachwuchs. Die Tragzeit beträgt zwölf Monate. Da der Hengst Olaf und die Stuten Hadassa als Leittier, Meriva, Olympia und Joyce anfangs alle zusammen waren, ist die Hoffnung auf Nachwuchs im kommenden Juli oder August durchaus berechtigt. Reinholds „Intim“-beobachtungen lassen jedenfalls hoffen.
Reinhold war und ist eigentlich IT-Spezialist, hat sein Berufsleben in der Welt der Großcomputer bei der IT-Firma mit den drei ebenso großen Buchstaben verbracht und war deshalb auch lange aus Jülich weg. Obwohl wir gemeinsame Jugendfreunde haben, lernten wir uns erst im Rentenalter bei den Senioren im Netz kennen, wo er sein Fachwissen an uns weiterreichte bis es ihm eines Tages selbst gereicht hat. Er hatte sich wohl verliebt, in die Alpakas.

Der liebe Reinhold und Frau Raufbold
In Düren auf der Annakirmes gibt es ja das traditionelle Kirschkernweitspucken. In Jülich ist das ein wenig anders. Die Jülicher Bürger spucken nicht selbst, sie lassen spucken. Reinhold beantwortet gern Fragen zu den Alpakas und eine typische Frage der Kinder und Erwachsenen ist: „Spucken die?“ Also die Großkamele sind sich eher zu fein dazu, sie spucken nur selten,aber die Lamas und Alpakas sehr wohl. Reinhold erklärt: „Alpakas haben verschiedene Arten des Spuckens. Zuerst mal ist das Spucken eine Möglichkeit der ranghöheren Tiere, den rangniedrigeren mitzuteilen, dass sie stören. Das Problem ist der Futterneid. Wenn Besucher ein ranghöheres Tier füttern und ein rangniedrigeres Tier dazu kommt, wird gespuckt, leider in die Richtung der Besucher.“ Reinhold ergänzt: „Man kann das Spucken der Alpakas mit dem Knurren von Hunden vergleichen. Die Botschaft ist jeweils: „Geh weg!““
Es ist wie im Film: „Wir können auch anders“ meint wohl speziell das Leittier Hadassa immer wieder. „Wenn ich Hadassa nerve, legt sie oft erst mal nur den Kopf zurück. Wenn ich darauf nicht reagiere, kommt meist erst mal noch eine kleine Menge Spucke, die mir gezielt ins Gesicht fliegt. Wenn mir eines der Tiere in die Hand spuckt, dann nimmt nur dieses Tier noch Futter von meiner Hand an, kein anderes mehr. Jedes Tier hat seinen eigenen Spuckegeruch und empfindet den Fremdgeruch als unerträglich. Menge und Zusammensetzung der Spucke sind steuerbar. Ist der Ärger groß, gibt’s ne Portion Mageninhalt, und das riecht dann besonders unangenehm. Aber auch das lässt sich noch steigern. Nach Silvester war Hadassa vermutlich durch das Feuerwerk noch gereizt und schlecht gelaunt. Ich habe die Frechheit besessen, mich mit den Besuchern zu unterhalten statt Hadassa zu verwöhnen. Dann hat mich Frau Raufbold einfach von hinten in den Oberarm gebissen. Es hat zwar nicht geblutet, Alpakas haben keine scharfen Zähne, aber die Quetschung ergab zwei ordentliche Blutergüsse. Mein Arm war eine Woche lang berührungsempfindlich. Aber eigentlich sind es friedliche Tiere“, beschwichtigt der ehrenamtliche Helfer. Er besucht „seine“ Alpakas mehrmals in der Woche. Es gibt ein festes Begrüßungsritual: Wenn er kommt, gucken sie schon aufmerksam und wenn er dann ruft, kommen sie im gestreckten Galopp angerannt. „Ich habe immer Angst, dass möglicherweise bei einigen die Bremse versagt, besonders bei Hadassa. Auf dem Rückweg zum Stall hüpft sie dann aufgeregt um mich herum und wir rennen zusammen zurück zum Stall. Dabei fühle ich mich zuweilen wie der, ,Der mit dem Wolf tanzt‘.“












































