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Große Spannung mit minimaler Ausstattung

Eine Satire, bei der nur „Spiel mir das Lied vom Tod“ für kurzzeitige Entspannung sorgt: Das Ensemble „Bühne ’80“ führte „Der Gott des Gemetzels“ auf.

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Feststimmung zum Finale bei der Bühne '80. Foto: Volker Goebels
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„Wer interessiert sich schon für was anderes als für sich selbst“, fasst Harry Hunt (Andreas Hardt) das Stück dessen Teil er ist gut zusammen. Eigentlich war der Plan, dass er und seine Frau Harriet (Birgit Bergk) sich mit Penelope (Rosemarie David) und George Miles (Christoph Fischer) zusammensetzen, da ihr Sohn dem Sohn der Miles’ im Streit zwei Zähne ausschlug. Doch die Mitglieder der ungleichen Gruppe nehmen einander alle Masken ab, die sie trugen.

Dass sich die Figuren nicht ganz grün sind war schon von Anfang an klar zu erkennen. Unangenehme Stille zwischen den nicht zusammenpassen wollenden Charakteren, die mit Smalltalk überspielt werden sollte, kam beim Publikum auch ebenso unangenehm an, selbst wenn sie an der einen oder anderen Stelle einen Hauch zu kurz schien. Doch bald schon war das Ensemble eingespielt und ließ den Figuren, ihrer jeweiligen Einzigartigkeit und Unmut freien Raum.

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Bemerkenswert ist, dass dies bei so minimalistischer Bühnengestaltung funktionierte. Persönlichkeit und Haltung wurden durch augenscheinliche Kleinigkeiten wie Mimik und Sitzhaltung deutlich, die Paare waren dank passender Garderobe gut zuzuordnen. So konnte die Zuschauerschaft ohne lange Erklärungen direkt in die Geschichte geworfen werden und das wachsende Chaos beobachten, bei dem man zuweilen das Verlangen entwickeln konnte selbst einzugreifen um zu schlichten.

Kein Zentimeter der Bühne blieb ungenutzt, vom Mäntel an- und ablegen im Hintergrund bis zu Monologen im Vordergrund waren alle Räume, zuweilen auch gleichzeitig, gefüllt. Innerhalb dessen wurde so nahtlos erzählt, dass man sich manchmal wunderte, wie diese Situation eigentlich zustande kam. Von sich neu aufbauenden Fronten und plötzlicher Verbrüder- oder Verschwesterung bis zu neuen Enthüllungen gab das Stück ein ziemliches Tempo vor. So wurde der häufig vorkommende Klingelton des Anwalts Hunt mit der Melodie aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ als willkommene Abwechslung während der Derniere stets mit einem Lachen aus dem Publikum empfangen. Und das bis zum Schluss: Als Harriet entnervt das Handy ihres Mannes in den Blumentopf wirft ist das Chaos komplett. Die Frauen lachen, die Herren reagieren panisch – das Publikum applaudiert.

Insgesamt zeigte „Bühne ’80“ eine stimmige Inszenierung, die das Publikum offensichtlich mitriss und ihm Freude bereitete – auch wenn das Lachen zuweilen im Halse stecken bleiben wollte.

Das nächste Stück wurde übrigens auch schon angekündigt: Ende März 2023 wird „Und alles auf Krankenschein“ gespielt. Die Termine sind zwischen Samstag und Samstag am 18., 19., 22., 24. und 25. März.


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