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Ausschuss zeigte sich schockiert

Im jüngsten Bauausschuss der Stadt Jülich sorgte eine Präsentation von Hochbauamtsleiterin Jaqueline Aust für Emotionen. Sie vermittelte in einem eindrücklichen Vortrag den desaströsen Zustand städtischer Immobilien – ausgenommen Sanierungen und Vorplanungen wie etwa fürs Rathaus, Grundschulen oder das Kulturhaus. Ausgangspunkt war eine Anfrage von Christine Klein von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur möglichen Ausstattung städtischer Gebäude mit Photovoltaikanlagen.

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Planungs-, Umwelt-, Bauausschuss im Mai 2026. Foto: Dorothée Schenk
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„Vergessene Immobilien“, so betitelte Jaqueline Aust eine Vielzahl der 112 Objekte im technischen Immobilienmanagement der Stadt Jülich, die die Hochbauamtsleiterin als Referenzobjekte heranzog, um zu verdeutlichen, wie sehr der Zahn der Zeit an den Objekten frisst – nagen kann man es nicht mehr nennen. Detailreich und mit Fotos untermauert stellte sie den Zustand der alten Dorfschulen in Barmen, Broich, Pattern, Stetternich und Kirchberg vor, ebenso wie die Bürgerhallen in Kirchberg, Bourheim und Stetternich, die Leichenhallen in Broich, Güsten und Selgersdorf sowie die Feuerwehrhäuser in Güsten und Koslar und die Turnhalle Stetternich.

Durch Dächer dringt Nässe ein, Klinkerverfugungen sind ebenso sanierungsbedürftig wie Fenster, Schimmel ist allgegenwärtig in den Gebäuden. Setzrisse und Leckagen sind nahezu überall zu verzeichnen. Die „schnelle Eingreiftruppe“ vom Bauhof verhindert bisweilen Schlimmeres – etwa das Herabstürzen einer Dachkonstruktion. Fassungslose Gesichter im Ausschuss angesichts der Erkenntnis, dass viele der Gebäude noch genutzt werden – als Unterkünfte für Asylbewerber, als Sozialwohnungen oder durch Vereine. Neben Baujahr und Schäden wurden jeweils die im Haushalt eingestellten Instandhaltungskosten aufgezeigt. Jedem Anwesenden war klar, dass damit die Kosten zur Behebung der vorliegenden Schäden in keinem Fall zu decken sein würden.

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Schwer angefasst zeigte sich Jaqueline Aust, als sie über das Westgebäude der Zitadelle sprach, das ehemalige Gebäude der katholischen Volksschule Düsseldorfer Straße. „Mir blutet das Herz“, sagte sie angesichts der Schäden des Baus, der auf das Jahr 1878 datiert ist. Beim Vortrag bricht ihr die Stimme. Für eine Stadt, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs fast ihr ganzes Gesicht verloren hätte und in der sich in diesem Gebäude ein Stück „Gesicht“ zeige, sei der Zustand eine Schande. Das Gesicht habe Altersflecken, deshalb dürfe man es aber nicht vernachlässigen. Die Instandhaltungskosten werden mit rund 44.800 Euro beziffert.

Baudezernent Robert Helgers ergriff das Wort und verdeutlichte, dass Amtsleiterin Aust wie auch der Mitarbeiterstamm mit viel Herzblut, Kompetenz und Engagement ihren Aufgaben nachkommen würden. Die Präsentation zeige aber die Fakten, mit denen es das Amt alltäglich zu tun habe. Das habe Jaqueline Aust mit ihrer Präsentation auch zeigen wollen.

„Ich bin geschockt“, sagte Ausschussvorsitzender Christian Klems (UWG JÜL). Der Zustand vieler Gebäude sei ein „fast schon Offenbarungseid“ für die Stadt. Besonders emotional reagierte Karl-Philipp Gawel (CDU). Obwohl er bereits seit Jahren im Rat sitze, habe ihn die Präsentation erschüttert. Er sprach von einem „Aufruf für die Zukunft“. Wenn Fenster über Jahre nicht gestrichen oder Dächer nicht repariert würden, sei „systemisch etwas sehr, sehr schiefgelaufen“. Politik müsse genauer hinhören und früher reagieren, damit die gleichen Gebäude nicht in 30 Jahren erneut in einem ähnlichen Zustand präsentiert würden.

Auch SPD-Fraktionsvorsitzender Harald Garding lobte den Vortrag und das „Herzblut“, mit dem Frau Aust die Probleme dargestellt habe. Gleichzeitig machte er auf die Folgen wachsender Vorschriften aufmerksam. Gerade im Sportbereich führe dies teilweise zu unnötigen Stilllegungen von Anlagen – hier bezog er sich vor allem auf die seit 2019 nur sehr eingeschränkt nutzbare Sporthalle des Gymnasiums Zitadelle. Das sei kein spezifisches Problem der Stadt Jülich, sondern ein generelles Thema. Viele Sicherheits- und Bauvorschriften seien inzwischen so streng, dass sie den Betrieb erschwerten. „Was an Sportunterricht und in den Vereinen ausfällt, halte ich für schädlicher, als wenn ein Kind sich mal an einer Wand stößt“, erklärte Garding, da die Zitadellenhalle wie auch die Stetternicher Turnhalle unter anderem wegen fehlenden Prallschutzes nur eingeschränkt nutzbar seien. Er stellte klar, dass dies ausdrücklich kein Vorwurf an die Verwaltung sei, sondern Ausdruck einer allgemeinen „Regulierungswut“.

Jahrelang fehlende Investitionen in die Instandhaltung sah Christine Klein (Bündnis 90/Die Grünen) als Ursache der Probleme. Peter Hüvelmann (CDU) verwies in dem Zusammenhang auf die chronische Unterfinanzierung der Kommunen. Der Sanierungsstau sei das Ergebnis mangelnder finanzieller Ausstattung durch Bund und Land. Die Kommunalpolitik müsse den schwierigen Spagat schaffen zwischen den Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger und dem finanziell Machbaren. Deshalb seien alle politischen Ebenen gefordert, Druck auf Landes- und Bundespolitik auszuüben.

Ähnlich äußerte sich auch Alexander Eckert (UWG JÜL). Zwar habe ihn die Präsentation schockiert, überrascht sei er jedoch nicht. Die strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen sei seit Jahren bekannt. Viele notwendige Maßnahmen könnten vor Ort schlicht nicht finanziert werden, während gleichzeitig erhebliche Mittel an Bund und Land abgeführt würden. Zustimmung erfuhr er von David Merz (SPD). Er bezeichnete den städtischen Haushalt als „Gratwanderung“. Gleichzeitig gehe es bei den Gebäuden um öffentliches Vermögen, das für die Bürgerinnen und Bürger erhalten werden müsse. Er forderte eine bessere Finanzierung und verwies auf notwendige Förderprogramme – unter anderem für das sogenannte Westgebäude.

Zum Abschluss brachte Ausschussvorsitzender Klems die Stimmung im Ausschuss auf den Punkt: Die Präsentation sei „sehr sensibel und toll vorgetragen“ gewesen und habe vielen noch einmal die Augen geöffnet. Eine Lösung habe zwar niemand sofort parat, aber zumindest sei die Problematik nun noch stärker ins Bewusstsein gerückt.


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