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Als Statist beim Pilotfilm „Die letzte Hexe“

Peer Kling widmet sich in seiner Kinokolumne diesmal ganz hautnahen Erlebnissen mit der Filmwelt.

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Peer Kling. Foto: Volker Goebels
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Eine interessante Erfahrung: Als Statist war ich mit dabei beim Dreh des Films „Die letzte Hexe“. Es begann vor zweieinhalb Jahren. Den ersten schönen Sonnen-Sonntag im Jahr verbrachten wir Bewerber für eine Komparsenrolle in diesem Streifen in spe von 10 Uhr an bis hinein in den Nachmittag in einem dunklen Hotelflur in Aachen. Wir waren eine ziemliche Menschenmenge, wartend. Das ist übrigens die Hauptbeschäftigung von Statisten, warten. Du bist in Hab-Acht-Stellung, aber es passiert nichts, jedenfalls nicht mit dir.

Claudia, Jens und ich sind Amateurschauspieler bei der Bühne80 und waren gemeinsam dem Aufruf zur Rollenbesetzung für diesen Film gefolgt. Wir wurden einzeln aufgerufen und standen dann wie in einem Klassenraum den kritischen Blicken und Fragen einer U-förmig angeordneten, vor uns sitzenden Auswahl-Kommission gegenüber, ein gefühltes Dutzend an Personen. Darunter natürlich der Initiator des Ganzen, der smarte René Blanche, der mit seinem gleichnamigen Flitzer den schönen Schriftzug „Schauspielschule“ durch Jülich spazieren fährt und im Aachen-Jülicher Raum „eine echte Nummer“ ist. Im Moment gibt er Kurse in der Jülicher Musikschule. Da wirst du sozusagen zum Trickdieb ausgebildet, Enkeltrick aufwärts. Nein, Spaß beiseite.

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Es werden tatsächlich derlei Dialoge eingeübt; sie sollen dann aber potentiellen Opfern live vorgespielt werden, als Prophylaxe. Die von ihm ausgebildeten Schauspieler sind schon mal ein guter Auswahl-Pool für sein Filmprojekt. Er ist der Initiator, Drehbuchautor und Produzent „der letzten Hexe“. Außerdem spielt er eine der Hauptrollen, den Dr. Weyer.

„Die letzte Hexe“ sollte eigentlich zu einem abendfüllenden Spielfilm werden, aber das Geld reichte nur für einen etwa 25 minütigen Pilotfilm, immerhin. Diese 25 Minuten sollen die Geldgeber überzeugen, so dass es später dann doch noch zum Langfilm kommt. Ich frage René: „Wird das bislang gedrehte, dann auch im Langfilm zu sehen sein?“ René, sinngemäß: „Nein, das geht aus diversen Gründen nicht, aber alle die jetzt mitgemacht haben, sollen auch zum Langfilm-Dreh eingeladen werden.“ Einen Film zu drehen, ist immer eine große Herausforderung und René betont, dass Doris Vogel, bei der Geburt der Idee noch in leitender Stellung bei der Stadt Jülich, stets ihre schützende Hand über das Projekt hielt.

Schon beim Pilotfilm sind markante Drehorte aus Jülich und Umgebung zu sehen: Der Brückenkopf, die Zitadelle, der Friedhof hinter der Kirche in Barmen, die Kommende Siersdorf, das Töpfereimuseum Langerwehe und das Schloss Merode von innen.

Worum geht es? Wir befinden uns auf der Schwelle vom Mittelalter zur Renaissance. Der 1515 geborenen Leibarzt von Herzog Wilhelm V., Dr. Weyer, dem ja auch eine Straße in Jülich gewidmet ist, war einer der ersten Bekämpfer der Hexenverfolgung und eine historische Figur. Sein Wikipedia-Eintrag ist übrigens um das 1,4fache länger als der von Bundeskanzler Scholz. Im Film verliebt er sich in Anastasia (dargestellt von Rebecca Borchert). Diese Person wurde von der in Jülich verbrieft als Hexe verfolgten Grete Bogen inspiriert. Die Liaison der beiden ist in künstlerischer Freiheit ein Kind der Phantasie. Tja, als Komparsen bekamen wir kein Drehbuch zu Gesicht.

Peer Kling als Statist. Foto: Ferat Bilgin

Beim ersten Drehtag sollte ich morgens um sieben (ist da die Welt noch in Ordnung?) vor der Kirche in Barmen sein. Dann wurde unser zum Teil schon selbst besorgtes Kostüm ergänzt und wir gingen in die Maske. Ich bekam ein paar Holzschuhe verpasst, aua, bequem ist anders. Dann hieß es, glaub´ so nach 9 Uhr auf dem Friedhofsgelände hinter der Kirche: „Stellt Euch mal in einer Reihe auf und schüttelt den beiden die Hand. Ton ab, Kamera läuft, und bitte!“ Aus dem Zusammenhang habe ich kapiert, dass wir kondolieren. Ich schaue also betroffen und traurig. Ich habe in meinem Leben noch nie so oft hintereinander kondoliert wie auf diesem Friedhof. „Klappe, die soundsovielte.“ Aber es muss eben alles stimmen. Auf dem über Funk verbundenen Monitor kann der 1982 in Duisburg als Sohn türkischer Einwanderer geborene Regisseur Ömer Pekyürek sofort beurteilen, was seine beiden Kameramänner und wir zu bieten haben.

Der Pilotfilm „Die letzte Hexe“ feiert seine Premiere am Sonntag, dem 19. November im Rahmen der ersten Auflage der Euregio Filmfestspiele in der Stadthalle in Alsdorf. Es werden Kurzfilme, eingebettet in ein umfangreiches Rahmenprogramm gezeigt.

KURZFILMFESTIVAL
Beginn der Veranstaltung ist: 16:00. Einlass ab 15:00. Ende: 20:00. Kartenbestellung unter: https://stadthalle-alsdorf.de/event/euregio-filmfestspiele/
(nicht ganz billig, 38,50 Euro. Einzelne Programmpunkte sind nicht getrennt buchbar)

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Peer Kling
Peer Kling, typisches "KFA-Kind", nicht aus der Retorte, aber in der zweiten Volksschulklasse nach Jülich zugezogen, weil der Vater die Stelle als der erste Öffentlichkeitsarbeiter "auf dem Atom" bekam. Peer interessiert sich für fast alles, insbesondere für Kunst, Kino, Katzen, Küche, Komik, Chemie, Chor und Theater. Jährlich eine kleine Urlaubsreise mit M & M, mit Motorrad und Martin.

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